31. Oktober 2015

Die gruseligste Nacht des Jahres

Happy Halloween!

Gerne hätte ich bei Sarahs und Arnes Blogparade Kürbis und Flammen mitgemacht, aber leider habe ich zwei linke Hände. Mir ist es noch nie gelungen, ein furchterregendes Gesicht aus einem Kürbis auszustechen, geschweige denn ihn nachher abzufackeln oder ihn so in Szene zu setzen, dass ein tolles Foto dabei herauskommt. Das überlasse ich lieber denjenigen von euch, die tatkräftiger, geschickter und fototechnisch talentierter sind als ich. Schaut mal auf Sarahs und Arnes Blog (Link siehe oben), die das wirklich exzellent umgesetzt haben. Achtet bei einem von Sarahs Bildern bitte unbedingt auf die gruselige Maske und das Beil im Hintergrund. Auch Bee hat drei stimmungsvolle Fotos gepostet, die so gut gelungen sind, dass man sie in einem Lifestyle-Magazin veröffentlichen könnte. Ein Klick auf ihren Blog www.myeverydaylife.de lohnt sich immer.

Da ich Halloween großartig finde und wenigstens etwas kreativ sein wollte, habe ich ein Foto meines leuchtenden Mini-Kürbis und ein eigenes englisches Halloween-Gedicht für euch, von dem ich hoffe, dass es gefällt:

Witches on their magic brooms,
Zombies rising from their tombs.
Ghosts and creatures from the dark,
Leave their frightful, uncanny mark.
Be scary, be spooky, but don't be mean,
On this special night of Halloween.

Ich wünsche euch eine tolle, gruselige und aufregende Halloween-Party. Habt Spass und lasst euch erschrecken! 

Und wer nach heute Nacht immer noch nicht genug Aufregung hatte, der kann sich morgen auf meine Buchbesprechung von Camilla Läckbergs unheimlichem Thriller Die Engelmacherin freuen.

23. Oktober 2015

Eine Liebe für die Ewigkeit

Isabel Allende: 
Der japanische Liebhaber

Seit ihrem ersten Roman Das Geisterhaus zählt Isabel Allende zu meinen Lieblingsschrift-stellerinnen, weil sie eine wunderbare Erzählerin ist und ihre Werke, die sich um zeitlose Themen wie Liebe, Freundschaft, Familie, Verlust, Trauer u.ä. drehen, von großer Lebensklugheit, Menschen-kenntnis und Weltoffenheit zeugen. Was mir darüber hinaus besonders gut gefällt, ist, dass sie ihre Erzählungen fast immer in ein politisches Umfeld bettet und man somit als Leser auch sehr viel über Geschichte, insbesondere von Lateinamerika - Chile und Venezuela - oder z. B. über den Sklavenaufstand in Haiti im 18. Jahrhundert, den Vietnamkrieg etc. erfährt. In ihre Romane lässt sie darüber hinaus oftmals auch kulturell-spirituelle Eigenarten wie z.B. die lateinamerikanische Geisterwelt mit einfließen. All diese Komponenten machen Allendes Romane zu außergewöhnlichen Leseabenteuern, die man so schnell nicht vergisst, weil sie so wahrhaftig und berührend sind.

Retrospektive einer ungewöhnlichen Protagonistin

Auch ihr neuestes Werk Der japanische Liebhaber, das ich euch heute empfehlen möchte, steht wieder ganz in Allendes großartiger Erzähltradition. Ich hatte angesichts des Titels eine tragisch-schöne Liebesgeschichte erwartet. Dies ist auch der Fall, aber sie ist nur eine Facette dieser brillanten Erzählung, die die Höhen und Tiefen des bewegten Lebens der ungewöhnlichen Protagonistin des Buches, Alma Belasco, in all ihrer Intensität schildert. Meines Erachtens schaffen es nur ganz wenige Schriftsteller/innen, dass die von ihnen konzipierten fiktiven Figuren dem Leser ans Herz wachsen. Allende gelingt dies mühelos mit Alma Belasco, dieser kreativen, exzentrischen alten Dame, die nie auf ihren roten Lippenstift verzichtet. Sie wird dem Leser im Laufe des Buches so vertraut, dass man sich am Ende des Buches nur schwer von ihr verabschieden kann, denn man hätte gerne noch so viel mehr über sie erfahren. Aber diese ganz besondere Geschichte ist perfekt so wie sie ist - ein stimmiges Ganzes.

Die Neue in Lark House

Nach diversen Jobs in unterschiedlichen Städten ist die 23-jährige Irina Bazili froh, eine neue Tätigkeit in der Seniorenresidenz Lark House, ein eindrucksvolles Anwesen in Berkeley/Kalifornien, gefunden zu haben. Die zurückhaltende Moldawierin, die Computerspiele liebt, findet schnell Kontakt zu den alten Menschen, eine bunte Mischung aus Alt-Hippies, Esoterikern, Spirituellen und Individualisten. Und auch die Senioren schließen Irina sofort ins Herz, denn sie spüren schnell, wie viel Zuneigung sie ihnen entgegenbringt und mit welcher Fürsorge sie ihnen bei den kleinen Dingen des Alltags behilflich ist. Irina blüht auf und stellt erstaunt fest, wie jung, kreativ und begeisterungsfähig die unangepassten Alten sind. Besonders beeindruckt ist Irina von der jüngsten Bewohnerin der Residenz, der 68-jährigen Ärztin Dr. Catherine Hope, die nach einem schweren Unfall im Rollstuhl sitzt, aber alle mit ihrer positiven Art mitzieht. Und auch den 90-jährigen Jacques Devine, der Tanzen liebt und ihr unverhohlen nachstellt, findet Irina sehr erfrischend. Nur zu Alma Belasco, der reichen und unnahbaren Künstlerin mit dem feuerroten Lippenstift, findet Irina keinen Zugang. Dies ändert sich jedoch, als Irina das beträchtliche Erbe, das Jacques ihr vor seinem plötzlichen Tod noch vermacht hat, ausschlägt, weil sie es für falsch hält, Geld anzunehmen, das nicht ihr, sondern den rechtmäßgen Erben zusteht.

Ein bewegtes Leben

Alma ist beeindruckt von Irinas Standhaftigkeit und bietet ihr eine Stelle als Assistentin an. Irina akzeptiert das Angebot und nach anfänglichem Kennenlernen entsteht zwischen den beiden Frauen eine tiefe Freundschaft. Irina lernt Almas Enkel Seth kennen, der sich bei jedem Treffen mehr in sie verliebt. Doch Irina reagiert abweisend auf seine Avancen und zieht sich immer mehr zurück. Aber Seth lässt nicht locker und schlägt seiner Großmutter schließlich vor, ihre Lebensgeschichte in einer Autobiographie mit ihrer und Irinas Hilfe aufzuschreiben. Alma willigt zum Erstaunen der beiden auch tatsächlich ein, weil sie längst gemerkt hat, wie viel Irina ihrem Enkel bedeutet. Und so erfährt Irina immer mehr von Almas bewegtem Leben, die als kleines Mädchen von ihren polnischen Eltern jüdischen Glaubens zu ihrem reichen Onkel und ihrer Tante, Isaac und Lilian Belasco, nach San Francisco geschickt wurde, um sie angesichts des drohenden Krieges in Sicherheit zu bringen. Obwohl Alma an dieser Trennung fast zerbrochen wäre, schafft es ihre neue Familie, ihr Halt und Geborgenheit zu geben.

Geheimnisvolle Briefe

Eines Tages entdecken Seth und Irina, dass Alma regelmäßig geheimnisvolle Briefe erhält, deren spezielle Kuverts auf Liebesbotschaften schließen lassen. Dazu bekommt sie stets ein Kistchen mit drei Gardenien. Alma gibt sich zunächst sehr wortkarg und will nichts preisgeben, doch schließlich erzählt sie den beiden von dem wichtigsten Menschen in ihrem Leben, dem Japaner Ichimei Fukuda, mit dem sie eine leidenschaftliche Liebe verband, die anscheinend immer noch nicht erloschen ist. Seth ist sehr verwundert, denn bisher hatte er immer angenommen, dass sein verstorbener Großvater Nathaniel Almas große Liebe war. Die Geschichte, die Alma ihm und Irina daraufhin erzählt, zeigt seine Großmutter in einem neuen, bisher unbekannten Licht und macht viele ihrer Verhaltensweisen und Eigenarten erklärlich.

Irinas dunkle Vergangenheit

Gerade als Almas Autobiografie Form annimmt und Irina sich Seth mehr und mehr öffnet, wird Irina von ihrer Vergangenheit eingeholt. Ein FBI-Agent hat sie aufgespürt und stellt ihr unangenehme Fragen zu ihrem früheren Leben, das sie glaubte, hinter sich gelassen zu haben. Nach und nach gewinnen die Dämonen ihrer alten Existenz wieder die Oberhand, doch sie hat nicht den Mut, sich Alma und Seth zu öffnen. Als ihre schmerzlichen Erinnerungen sie jedoch wieder zu einer Gefangenen ihrer selbst machen, wird ihr bewusst, dass sie diesen Teufelskreis durchbrechen und Alma und Seth ins Vertrauen ziehen muss, wenn sie ihr neues Leben nicht verlieren möchte...

Ein Roman so reichhaltig wie das Leben

Isabel Allende hat die ganz besondere Gabe, in einem Roman alles zu thematisieren, was das Leben und die Menschen ausmacht. Ihre Lebensweisheit und ihr Menschenweitblick spiegeln sich in vielen Aussagen ihrer Protagonisten wider. Allendes Geschichten wecken Emotionen, denen man sich als Leser nur schwer entziehen kann: Sie machen glücklich und traurig, sie bringen uns zum Lachen, sie regen zum Nachdenken an und rütteln uns auf. Diese Höhen und Tiefen, durch die die Autorin die Leser mittels ihrer Hauptfiguren führt, sind es auch, die uns mit den Charakteren vertraut werden lassen, so dass wir am Ende des Romans schließlich mit dem Eindruck zurückbleiben, dass sie für eine kleine Weile auch ein Teil unseres Lebens waren.

Isabel Allende: Renommierte Schriftstellerin, engagierte Journalistin und progressive Frauenrechtlerin

Isabel Allende wurde 1942 in Lima/Peru als Tochter des chilenischen Diplomaten Tomás Allende geboren. Ihr Vater war der Cousin des Sozialisten und Demokraten Salvador Allende, der 1970 Präsident von Chile wurde, sich jedoch im Zuge des brutalen Militärputsches von Diktator Augusto Pinochet 1973 erschoss, um seinen Widersachern nicht in die Hände zu fallen.

Junge Weltenbummlerin mit internationaler Ausbildung

Nach der Scheidung von Tomás Allende heiratete Isabel Allendes Mutter erneut - ebenfalls einen chilenischen Diplomaten - und so wuchs sie in einem internationalen Umfeld auf und besuchte die besten Schulen in Lateinamerika, Europa und der arabischen Welt.

Sie arbeitete von 1959 - 1965 zunächst als Fernsehjournalistin für die Vereinten Nationen in Santiago de Chile und machte sich hier vor allem durch eine von ihr moderierte Fernsehsendung über eine mondiale Kampagne gegen den Hunger einen Namen. 1962 heiratete sie ihren ersten Mann, Bauingenieur Miguel Friás. 1963 kam ihre Tochter Paula zur Welt, 1966 folgte ihr Sohn Nicolás.

Mitbegründerin der ersten feministischen Zeitschrift in Chile

In dieser Zeit wurde aus der renommierten Journalistin auch eine engagierte Frauenrechtlerin, die gemeinsam mit anderen Mitstreiterinnen die erste feministische Zeitschrift Chiles, Paula, gründete. Hier schrieb sie sowohl politische als auch humoristische Kolumnen. Darüber hinaus war sie Initiatorin einer Kinder- und einer Filmzeitschrift. Im chilenischen Fernsehen war sie eine überaus beliebte Moderatorin mit eigener Talk-Show und eigenen Reportagen.

Leben im Exil und internationaler Durchbruch mit Das Geisterhaus

Nach dem o.g. Putsch und Selbstmord ihres Onkels floh Isabel Allende mit ihrer Familie ins Exil. In Venezuela fanden sie 13 Jahre lang ein neues Zuhause. Auch hier arbeitete sie weiter als Journalistin und war außerdem als Lehrerin tätig.

Ein einschneidendes Erlebnis in Isabel Allendes Leben war der Tod ihres Großvaters im Jahre 1981, der noch immer in Chile lebte. Sie schrieb ihm einen Brief über ihre Kindheitserinnerungen im Hause ihrer Großeltern, doch er starb noch bevor er den Brief lesen konnte. Auf der Grundlage dieses Briefes entstand dann ihr erster Roman Das Geisterhaus, der 1982 erschien und mit dem ihr im Alter von 40 Jahren der Durchbruch als Schriftstellerin gelang. Das Buch wurde ein phänomenaler Erfolg. Die brillante Verfilmung der politischen Familiensaga mit Meryl Streep, Glenn Close, Jeremy Irons, Antonio Banderas u.v.m. war ebenfalls sehr erfolgreich.

1988 lernte sie ihren zweiten und jetzigen Ehemann, den Rechtsanwalt und Schriftsteller, Willie C. Gordon, bei einem Aufenthalt in den USA kennen, mit dem sie heute in San Rafael/Kalifornien lebt. Mittlerweile hat sie auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

Ein schwerer Verlust

1992 traf Isabel Allende der wohl härteste Schicksalsschlag ihres Lebens: Ihre Tochter Paula starb im Alter von nur 29 Jahren an einer seltenen Stoffwechselkrankheit. In ihrem wohl persönlichsten, sehr berührenden Roman Paula (1994) berichtet sie vom Sterben ihrer geliebten Tochter, die aufgrund ihrer schweren Erkrankung schließlich ins Koma fiel. Am Bett ihrer Tochter erzählt ihre Mutter ihr die Geschichte ihrer Familie - von ihrer Kindheit bis zur Gegenwart - und hofft, dass sie wieder wach wird. Doch all ihr Hoffen ist vergebens, und so sieht sich Allende mit dem wohl schwersten Verlust ihres Lebens konfrontiert, der ihr alles abverlangt. Aber die Autorin gibt nicht auf und stürzt sich in die Arbeit, das einzige Mittel, das ihr durch die schmerzliche Trauerphase hilft.

Einfühlsame Botschafterin Lateinamerikas

Zu Allendes außergewöhnlichen Romanen zählen u.a. Von Liebe und Schatten, Eva LunaFortunas Tochter, Zorro, Inès meines Herzens, Die Insel unter dem Meer, Mayas Tagebuch und in jüngster Zeit Amandas Suche und der hier vorgestellte Roman Der japanische Liebhaber, mit denen sie ihre Leser immer wieder aufs Neue begeistert(e) und die alle zu Bestsellern avancierten oder auf dem Wege dorthin sind. Von ihren Büchern, die man in über 35 Sprachen übersetzte, wurden weltweit mehr als 65 Mio. Exemplare verkauft.

Isabel Allende wurde für ihre einzigartige Erzählkunst mit einer Vielzahl von internationalen Literaturpreisen ausgezeichnet. Sie gilt als eine der weltbesten lateinamerikanischen Schriftstellerinnen, die auf einfühlsame Weise von der Geschichte und Kultur ihres Landes sowie von der Mentalität der Menschen erzählt. Somit ist sie zugleich auch eine ausgezeichnete Botschafterin für Lateinamerika, die sich darüber hinaus auch sehr engagiert für die Menschenrechte einsetzt.

Weitere Informationen über Isabel Allende findet ihr auf ihrer Website www.isabelallende.com

Originalausgabe: Allende, Isabel. El amante japonés. Barcelona: Plaza & Janés, 2015.
Deutsche Ausgabe: Allende, Isabel. Der japanische Liebhaber. Aus dem Spanischen von Svenja Becker. Berlin: Suhrkamp Verlag, 2015.
Informationsquellen zu Isabel Allende:
Allende, Isabel. Mein Leben, meine Geister. Gespräche mit Celia Correas Zapata. Berlin: Suhrkamp Verlag, 2004.
Interview mit Alfred Starkmann: Hör mir zu, Paula. In. FOCUS, 20.3.1995 - http://www.focus.de/auto/neuheiten/interview-hoer-mir-zu-paula_aid_152239.html

Mein herzlicher Dank gilt dem Suhrkamp Verlag, Berlin, der mir diesen Roman als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

15. Oktober 2015

Zeit für Poesie







Herbstbild


Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.


O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält;
denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.



Friedrich Hebbel (1813 - 1863) 


Quelle: Projekt Gutenberg http://gutenberg.spiegel.de/buch/friedrich-hebbel-gedichte-2662/169

11. Oktober 2015

Serientipp: "Father Brown"

© polyband Medien GmbH
Exzellente BBC-Verfilmung der Chesterton-Romanvorlagen mit viel Nostalgie

Die Romane von Gilbert Keith Chesterton um den chaotisch-cleveren Kirchenmann Father Brown zählen zu den englischen Klassikern. Es gab - bis jetzt - jedoch keine adäquate filmische Adaption des literarischen Stoffes, da kein Schauspieler es meines Erachtens vermochte, den Kern des klerikalen Protagonisten zu erschließen und ihn glaubhaft darzustellen. Daher habe ich auch die neue BBC-Verfilmung der Krimireihe mit Spannung erwartet. Und ich wurde dieses Mal nicht enttäuscht: Mit viel Liebe zum Detail und wunderbar nostalgischem Flair hat man die Kriminalgeschichten unter der schriftstellerischen Leitung von Rachel Flowerday und Tahsin Guner adaptiert und der pfiffigen literarischen Figur Father Brown mit dem britischen Schauspieler Mark Williams, den ihr vielleicht noch aus den Harry Potter-Filmen kennt, neues Leben eingehaucht. Die ersten drei Staffeln der Krimireihe, die Spannung mit einer guten Portion englischem Humor kombinieren, wurden von den britischen und amerikanischen Zuschauern sehr gut angenommen, so dass sich eine vierte Staffel bereits in der Produktion befindet. Auch das deutsche Publikum ist von dem charmant-scharfsinnigen Pfarrer angetan: Staffel 3 der Serie lief gerade erfolgreich auf zdf neo. 

Father Brown: Liebenswürdiger Amateurdetektiv mit göttlicher Unterstützung

© polyband Medien GmbH
Father Brown (Mark Williams) und Mrs. McCarthy (Sorcha Cusack)






Die Krimiserie spielt im idyllischen Kembleford/Gloucestershire in den 50er Jahren, wo Father Brown (Mark Williams) mit viel Verständnis und Einfühlungsvermögen versucht, die Schäfchen seiner Gemeinde auf den richtigen Weg zu bringen und sie von Verirrungen fernzuhalten. Besonders für die schwarzen Schafe hat der freundliche und weltoffene Pfarrer, der gute Krimis und Kreuzworträtsel liebt, ein offenes Ohr und drückt des Öfteren mal ein Auge zu. Hiermit macht er sich natürlich nicht immer Freunde und wird dafür auch schon mal von seinen kirchlichen Vorgesetzten gerügt, was ihn jedoch nicht wirklich belastet. Bedingt durch seine Neugier und seinen brillanten Spürsinn wird er immer wieder in Kriminalfälle verwickelt, die er mit Hilfe seiner Kombinationsgabe, eines eigens ausgetüftelten Plans und natürlich mit Unterstützung seines unkonventionellen Teams am Ende stets lösen kann.

Das effiziente Ermittler-Team des Pfarrers

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Lady Felicia Montagu (Nancy Carroll)
Zu seinem außergewöhnlichen Team gehört zum einen die Pfarramtssekretärin, Mrs. Bridgette McCarthy (Sorcha Cusack), die gute Seele des Pfarrhauses, die mindestens genauso neugierig ist wie Father Brown und die Dank ihrer Vorliebe für Klatsch und Tratsch über alles informiert ist, was in der Gemeinde so vor sich geht. Hinzu kommen die exzentrische Künstlerin und mondäne Dame der Gesellschaft, Lady Felicia Montagu (Nancy Carroll), die immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Männern ist und sich dabei in keiner Weise um gesellschaftliche Regeln und moralische Standards schert. Ihr loyaler Chauffeur Sid Carter (Alex Price), der einen Hang zu kriminellen Geschäften hat und gerne auch mal auf dem Schwarzmarkt aktiv ist, unterstützt Father Brown ebenfalls tatkräftig, insbesondere dann, wenn es um Informationsbeschaffung aus dubiosen Kanälen geht.

Ein besonderes Highlight sind immer die Streitigkeiten und Sticheleien zwischen Mrs. McCarthy und Lady Felicia, die sich nicht besonders mögen. Für Mrs. McCarthy ist Lady Felicia ein männermordender Vamp, während Lady Felicia Mrs. McCarthy für eine unterbelichtete Klatschtante hält. Die beiden schenken sich nichts, aber wenn es hart auf hart kommt, arbeiten sie hervorragend zusammen. Das weiß auch Father Brown und hütet sich, für eine der beiden Damen Stellung zu beziehen.

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Inspector Sullivan (Tom Chambers)
Father Browns Erfolg als Amateurdetektiv ist der örtlichen Polizei - vertreten durch Inspector Valentine (Hugo Speer) und später Inspector Sullivan (Tom Chambers) - natürlich ein Dorn im Auge. Die Eigeninitiative und Alleingänge des Pfarrers bringen ihn oftmals in gefährliche Situationen, denn er informiert die Polizei selten über die Ergebnisse seiner Recherchen und ist den Gesetzeshütern fast immer einen Schritt voraus, was insbesondere Inspector Sullivan total gegen den Strich geht. Doch am Ende muss auch Sullivan einsehen, dass Father Brown aufgrund seiner exzellenten Menschenkenntnis und seines kriminalistischen Talents eine brillante Hilfe und ein äußerst nützlicher Ratgeber ist. In meiner Lieblingsfolge Die Eule der Minerva, in der Inspector Sullivan unter Mordverdacht gerät, zieht er als einzigen Father Brown ins Vertrauen, der seinen Kopf riskiert, um Sullivans Unschuld zu beweisen.

© polyband Medien GmbH



Diese hervorragende Verfilmung wird von den brillanten o.g. Schauspielern, insbesondere Mark Williams, getragen, die sie so sehenswert machen. Mark Williams gibt Father Brown einen zeitgemäßen Anstrich und porträtiert ihn, wie seiner Auffassung nach ein Mann der Kirche sein sollte: Freundlich, offen, verständnisvoll und voller Vergebung für die, die vom rechten Weg abgekommen sind. Dies gelingt Williams, ohne althergebrachte Klischees zu bedienen und wohl wissend, dass Father Brown kein Gutmensch oder Heiliger ist, sondern um seine Schwächen weiß.

Alles in allem ist diese Father Brown Serie sehr gute Unterhaltung mit Spannung und Humor - eingebettet in ein idyllisches Setting im Herzen des ländlichen Gloucestershire. Sehr empfehlenswert!

Mein herzlicher Dank gilt der polyband Medien GmbH, München, www.polyband.de, die mir alle oben aufgeführten Fotos inkl. DVD-Cover zur Verfügung gestellt hat.

4. Oktober 2015

Zerfall einer perfekten Fassade

A. S. A. Harrison: Die stille Frau

Außergewöhnlicher Beziehungsroman und beeindruckend raffinierter Psychothriller

Dieser großartige Debütroman der amerikanischen Schriftstellerin A. S. A. Harrison ist eine Qualitätsklasse für sich. Ich habe noch keine Geschichte gelesen, die auch nur ansatzweise diese literarische Durchschlagskraft hatte, obwohl sie sprachlich bewusst schlicht gehalten ist. Der bis ins Detail ausgefeilte Stil, der schleichend Hochspannung generiert, reflektiert das fundierte psychologische Verständnis der Autorin, der es brillant gelingt, die differierenden Gedankenwelten einer Frau und eines Mannes offenzulegen. Mit unaufgeregter klarer Sprache präsentiert uns Harrison die schleichende und schließlich explosive Entwicklung vom aufschlussreichen Beziehungsroman zum beeindruckend raffinierten Thriller, dessen völlig überraschende Wendung den Leser am Ende perplex zurücklässt. Die stille Frau ist ein Leseerlebnis der ganz besonderen Art, das man so schnell nicht vergisst, weil es mit Eindringlichkeit und profundem Wissen um die Abgründe der menschlichen Seele erzählt wird.

Beziehungsroutine

Oberflächlich betrachtet sind Todd Gilbert, erfolgreicher Architekt, und Jodi Brett, etablierte Psychotherapeutin, ein Traumpaar, dem es in seinem Luxusappartement in Chicago an nichts fehlt. Und dies soll - wenn es nach Jodi ginge - auch so bleiben, denn in ihrer geordneten Welt, in der geregelte Tagesabläufe ein Muss sind, ist kein Platz für Konflikte. Sie ist eine perfekte Hausfrau, die ihrem Mann jeden Abend das Essen stilvoll zubereitet und die trotz ihres beruflichen Engagements auch noch Zeit für ihr Fitnesstraining und Spaziergänge mit dem Hund findet. Alles in allem ist sie also eine Powerfrau, die einem Hochglanz-Frauenmagazin entsprungen zu sein scheint und die den heutigen Multitasking-Ansprüchen absolut gerecht wird.

Erste Risse

Doch unter der schönen Oberfläche brodelt es: Todds zahlreiche Seitensprünge, die er vor sich selbst als aufregende Ausbrüche aus seiner sicheren Beziehungswelt mit Jodi und als Heilmittel für seine Depressionen rechtfertigt, machen Jodi unterschwellig sehr zu schaffen, doch sie ignoriert sie, weil eben nicht sein kann, was nicht sein darf. Sie will auf jeden Fall vermeiden, wie ihre Mutter zu enden, die an der Untreue ihres Mannes zerbrach, und daher verhält sich Jodi angesichts Todds wechselnder Affären eben so, wie man sich in ihren Augen als moderne Frau verhält: Sie sieht großzügig darüber hinweg, weil sie ja weiß, dass er am Ende doch immer wieder zu ihr zurückkommt. Mit dieser Einstellung hält Jodi ihr Leben aufrecht und fährt damit ihres Erachtens auch sehr gut - bis sich das Blatt wendet und Todd die junge, verführerische Natascha kennenlernt, in die er sich Hals über Kopf verliebt, da sie so anders ist als seine bisherigen Geliebten. Er verfällt ihr mit Haut und Haar und schafft sich immer häufiger Freiräume für leidenschaftliche Stunden mit Natascha, die ihn mit ihrer Spontanität mitreisst und ihm die Illusion vermittelt, wieder jung zu sein.

Der Anfang vom Ende

Jodi gelingt es immer weniger, ihre Fassade als pflichtbewusste und tolerante Frau zu wahren, obwohl sie immer noch daran glaubt, dass sie für Todd nach dem Ende der Affäre wieder die Nr. 1 ist. Doch sie hat die Rechnung ohne Natascha gemacht. Als Natascha schwanger wird, ist Todd zunächst schockiert, doch schon bald muss er sich eingestehen, dass er stolz ist, Vater zu werden - ein Glück, das ihm mit Jodi stets versagt blieb. Natascha, die Todd zunehmend dominiert, drängt ihn, Jodi zu verlassen, wozu er sich tatsächlich auch überreden lässt, obwohl ihm die tägliche Routine mit Jodi immer ein Gefühl der Geborgenheit gab.

Jodi ist außer sich und kann nicht fassen, dass ihr alles entgleitet. Sie versucht krampfhaft, ihren Kontrollverlust zu kompensieren, bis dann auch ihre Toleranzgrenze endgültig überschritten ist: Todd willigt nicht nur ein, Natascha zu heiraten, sondern beansprucht auch noch das gemeinsame Luxusappartement für sich, das er angesichts wachsender Geldprobleme bedingt durch schlecht laufende Geschäfte und Nataschas aufwendigen Lebensstil verkaufen möchte.

Perfide Rache

Jodi denkt nicht daran auszuziehen, doch sie übersieht dabei einen wichtigen Punkt: Aufgrund der schlechten Ehe ihrer Eltern konnte sie sich nie dazu durchringen, Todds Heiratsantrag anzunehmen. Als ihr schlagartig bewusst wird, dass sie mit nichts dasteht, wenn Todd sie verlässt, verliert sie den Boden unter den Füßen. Doch ihre beste Freundin Alison schafft es, Jodis kontrollierte Fassade zu durchbrechen und rät ihr, Todd nicht ungeschoren davonkommen zu lassen. Jodi kann sich mit diesem Gedanken nicht anfreunden, aber sie ändert ihre Meinung, als Todd einen Anwalt beauftragt, um sie aus der Wohnung zu klagen - eine letztmalige Demütigung, die sie nicht mehr zu tolerieren bereit ist. Und so lässt sich Jodi auf Alisons perfiden Racheplan ein, der die Stützpfeiler ihres bisherigen Lebens endgültig einstürzen lässt. Sie wird in eine Spirale aus Gewalt und Verrat gezogen und entdeckt eine teuflische Seite an sich, die sie nie für möglich gehalten hätte...

Grandioses Psychoduell mit ungeahntem Ausmaß

Das fesselnde Psychoduell, in das Harrison ihre Protagonisten involviert, ist von äußerster Intensität. In den Kapiteln, die abwechselnd die Überschrift Sie und Er tragen, lässt die Autorin den Leser in die komplexen Gedankenwelten von Jodi und Todd eintauchen und offenbart ihm somit das Innerste ihrer literarischen Figuren. Dies ist Harrison mehr als eindrucksvoll gelungen. Ihren außergewöhnlichen Erzählstil verwendet sie jedoch nicht dazu, um für eine Seite Partei zu ergreifen. Sie hebt weder den moralischen Zeigefinger noch bewertet sie das Verhalten von Jodi und Todd. Somit überträgt sie dem unbeeinflussten Leser die Aufgabe, sich selbst ein Bild der handelnden Personen zu machen. Dies wird zu einem äußerst diffizilen, aber fesselnden Puzzlespiel, denn nach und nach offenbart Harrison dunkle Geheimnisse und wunde Punkte ihrer Protagonisten, die sie genau dann in einem neuen Licht erscheinen lassen, wenn der Leser meint, die Hauptfiguren ergründet zu haben. Diese psychologische Finesse macht den Roman so einmalig und unbedingt lesenswert.

A. S. A. Harrison: Ein viel zu kurzes Leben

Die Schriftstellerin Susan Harrison wurde 1948 in Kanada geboren. In den 60er Jahren machte sie sich zunächst einen Namen als Performance-Künstlerin und arbeitete außerdem als Schriftsetzerin und Lektorin für diverse Verlage in Toronto. Darüber hinaus veröffentlichte sie vier Sachbücher u.a. zu den Themen Sexualwissenschaft und Kunst, darunter auch Revelations, das in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Margaret Dragu entstand, mit der sie bereits im Bereich Performance Art kooperiert hatte.

Ihr erster Thriller Die stille Frau (The Silent Wife) wurde 2013 unter dem Pseudonym A. S. A. Harrison veröffentlicht. Der außergewöhnliche Roman wurde von den Kritikern begeistert aufgenommen und eroberte in rasant kurzer Zeit Platz 2 der New York Times Bestsellerliste. Doch diesen unglaublichen Erfolg, der ihrem Erstlingswerk zuteil wurde, konnte die talentierte Schriftstellerin leider nicht mehr miterleben. 2013 starb sie im Alter von nur 65 Jahren an Krebs - noch vor der Veröffentlichung ihres o.g. Romans und während der Arbeit an ihrem zweiten Thriller. Ihr Ehemann, der Bildkünstler John Massey, hat zum Gedenken an seine Frau ihre Website http://asaharrison.com/ aufrechterhalten.

Originalausgabe: Harrison, A. S. A. The Silent Wife. New York: Penguin Random House Company, 2013.
Deutsche Ausgabe: Harrison, A. S. A. Die stille Frau. Aus dem Englischen von Juliane Pahnke. München/Berlin: Berlin Verlag/Piper Verlag GmbH, 2015.

Mein herzlicher Dank gilt dem Berlin Verlag/Piper Verlag GmbH, der mir den o.g. Roman als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

1. Oktober 2015

#Blogfragen für Buchblogger


Auf zwei Blogs, die ich gerne lese - Caterinas Schöne Seiten und Verenas Flying Thoughts - bin ich auf den kompakten Fragebogen des Journalisten, Literaturkritikers und Bloggers Stefan Mesch gestoßen, den ich sehr gelungen finde. Hintergrund dieser Aktion ist, dass Mesch, wie er im Vorspann zu seinem Fragebogen schreibt, in vielen About Me-Seiten und zahlreichen Gesprächen mit Bloggern keine Antworten auf die vielen Fragen findet, die er gerne beantwortet hätte. Dem kann Abhilfe geschaffen werden: Hier sind meine Antworten auf eine Auswahl von Stefan Meschs Fragen:

Das Lieblingsbuch meiner Mutter


Das Lieblingsbuch meiner Mutter ist und bleibt John Steinbecks zeitloser Klassiker Jenseits von Eden

Das Lieblingsbuch meines Vaters

Mein Vater las nur Tageszeitungen und Magazine, keine Bücher.

Ich führe einen typischen Bücherblog, weil...

Mein Bücherblog ist kein typischer Bücherblog, denn er beinhaltet neben Buchrezensionen, die im Fokus stehen, auch Literaturverfilmungen, Poesie, Theater, Ausstellungen u.ä. Ich habe mich für diese spezielle Blog-Art entschieden, weil ich nicht nur eine begeisterte Leserin bin, sondern weil mich alles rund um Kultur interessiert.

Am Bloggen überrascht mich, dass...

Am Bloggen überrascht mich, wie sehr es mich entspannt. Ich konnte mir angesichts meines hektischen Jobs zu Beginn gar nicht vorstellen, dass ich für dieses Hobby viel Zeit erübrigen kann, aber es funktioniert - ganz einfach, weil es Spaß macht und einen guten Ausgleich bietet.  

Helfen Amazon-Rezensionen?

Mir helfen sie nicht. In der Vergangenheit habe ich des Öfteren mal die eine oder andere Amazon-Buchbesprechung gelesen, aber ich finde die meisten nicht sehr wegweisend.

Hilft Literaturkritik in Zeitungen oder Magazinen?

Ja, sie hilft sehr, und ich habe hier schon viele gute Buchtipps erhalten. Allerdings lade ich mir zumeist Leseproben herunter, bevor ich ein Buch kaufe. Es war schon oft der Fall, dass mich die Rezension eines Literaturkritikers neugierig gemacht hat, ich mich aber nach Lektüre der Leseprobe gegen einen Kauf entschieden habe, weil mir z. B. der Schreibstil des Autors/der Autorin nicht gefiel.

Helfen Blogs?

Bedingt. Ich lese einige Bücherblogs sehr gerne, denn sie machen mich oftmals auf Romane u.ä. aufmerksam, die mir bei der ganzen Bücherflut sonst vielleicht entgangen wären. Dies müssen dann aber nicht unbedingt die Romane sein, die ich später rezensiere.

Wahr oder falsch: "Ich blogge vor allem, weil ich mich über Bücher austauschen will und im persönlichen Umfeld nicht genug Menschen habe, mit denen ich das könnte."

Falsch. In meinem persönlichen Umfeld kann ich mich mit vielen über Bücher austauschen.

Mein persönlicher Geschmack und meine Prinzipien beim Lesen und Bewerten 

Ich lese quer durch alle Genres, stelle aber prinzipiell nur die Bücher vor, die mich begeistert haben. Wenn mir ein Roman absolut nicht gefällt, halte ich es für vertane Zeit, ihn vorzustellen und aufzuzeigen, warum er mir nicht zusagt.

Wer liest mich? Habe ich eine Zielgruppe?

Die Frage kann ich - noch - nicht beantworten, da ich noch nicht sehr lange blogge. Es würde mich aber schon interessieren, ob ich eine Zielgruppe habe und, wenn ja, welche.

Habe ich Vorbilder?

Nein.

Welche Ratschläge würde ich meinem früheren Lese-Ich geben? Kann man lernen, Bücher besser auszusuchen, zu entdecken und zu genießen?

Mein früheres Lese-Ich hat im Studium streng nach Literaturkanon - Klassiker aller Epochen - gelesen. Zeit für spontane Lektüre hatte ich kaum. Heute suche ich nach für mich interessanten Büchern zwar oft im Internet, aber so richtig Spaß macht es mir, entweder in einer großen Buchhandlung oder auch in einem kleinen traditionellen Buchladen ganz entspannt nach Büchern zu stöbern. Ich glaube im übrigen nicht, dass man lernen kann, Bücher besser auszusuchen, da man sie zumeist nach Interessenslage bzw. nach sehr individuellen Kriterien (manchmal sogar nur nach dem Cover) auswählt. Hier ist natürlich auch der sogenannte Klappentext entscheidend. Auf letzteren verlasse ich mich aber nicht mehr allzu sehr, denn es ist mir schon oft passiert, dass ich nach Lektüre eines Romans dachte, dass der Verfasser des Klappentextes das Buch wohl nicht gelesen hat.

"Verlage brauchen mich für PR. Sie brauchen mich mehr, als ich sie brauche" oder "Toll! Autoren und Presseabteilungen suchen Kontakt und bieten mir Bücher an. Was für ein Glück!" Was überwiegt?

Nichts von beidem. Es ist ein Geben und Nehmen. Ich freue mich, wenn ich ein Rezensionsexemplar bekomme, und die Verlage erhalten durch die Buchbesprechung auf meinem Blog eine zusätzliche Werbeplattform. Es ist also eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

Was soll sich tun in meinem Blog und in meinem Leser-/Schreiber-Leben in den nächsten fünf Jahren?

Ich bin ja noch Blogger-Anfängerin und freue mich erst mal auf viele nette Kontakte und Kommentare, so dass ich in der Bücherblogwelt Fuß fassen kann.

Ein Buch, das fast niemand mag - aber das ich liebe

Henry James: Porträt einer jungen Dame. Diesen Roman mochten viele meiner Studienkolleginnen überhaupt nicht, denn er war ihnen zu "antiquiert". Ich kann diese Meinung überhaupt nicht teilen, sondern finde ihn für die damalige Zeit sehr modern, denn James erzählt mit psychologischer Finesse das Schicksal des weiblichen Freigeistes Isabel Archer, die trotz Unabhängigkeit und Intelligenz auf den Blender Gilbert Osmond hereinfällt. Der Roman ist toll geschrieben und für mich keinesfalls altbacken.

Ein Buch, das fast alle mögen - aber das mich wütend oder ratlos macht

E. L. James: Fifty Shades of Grey. Der Erfolg dieses völlig unspektakulären Romans ist mir absolut unverständlich. Die Protagonisten sind personifizierte Klischees, und die Geschichte ist alles andere als aufregend. Es ist mir daher völlig unerklärlich, warum man um diesen Roman einen solchen Hype veranstaltet hat. Und dann hat man ihn auch noch zum erotischen Roman stilisiert. Nur gut, dass Anais Nin und Henry Miller das nicht mehr erleben müssen.

Ein Buch, das ich bekannter gemacht habe

Ein Buch, das ich in Deutschland bekannter gemacht habe, ist der einzigartige Science-Fiction-Thriller The Curiosity des amerikanischen Autors Stephen P. Kiernan. Ich kann nicht nachvollziehen, warum dieses außergewöhnliche Buch noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde, denn es würde meines Erachtens mit Sicherheit auch hier die Bestsellerlisten stürmen.

Ein schlechtes Buch, das ich gut fand

Die Frage ist: Was ist ein schlechtes Buch? Nach meiner Definition ist es ein Roman o.ä., der von der etablierten Literaturkritik aufgrund mangelnder Wertigkeit weitestgehend ausgespart wurde. Insofern nenne ich jetzt hier mal die Autobiographie des österreichischen Schauspielers Helmut Berger mit dem bezeichnenden Titel Ich. Er war ein exzellenter Mime in den 70er Jahren, wurde jedoch zumeist auf den schillernden Paradiesvogel und Liebling des Jet Sets reduziert. Heute fällt er allerdings nur noch durch peinliches Verhalten auf, was sehr schade ist, denn er hätte Potential zu Größerem gehabt. Seine Autobiografie ist eine herrlich erfrischende und sehr unterhaltsame Art der Selbstbeweihräucherung - aus diesem Grunde liebe ich das Buch und lese es auch von Zeit zu Zeit immer gerne mal wieder.

Ein gutes Buch, das ich schlecht fand

Wiedersehen in Howards End von Edward M. Forster. Der Roman ist zweifellos ein Klassiker der englischen Literatur, aber er hat mich nie begeistern können, weil mich die Story und die Hauptfiguren nicht ansprachen. Das Buch fällt für mich eher unter die Kategorie "gepflegte Langeweile".

Ein Geheimtipp, der bisher in Blogs kaum besprochen wurde

Ein Geheimtipp ist für mich der Roman, den ich gerade beendet habe und bald rezensieren werde: Die stille Frau von A. S. A. Harrison. Er beinhaltet ein grandioses Psychoduell eines oberflächlich perfekten Paares, das zu einem perfiden Katz-und-Maus-Spiel mit tödlichem Ausgang mutiert. Das Buch ist sehr klug konzipiert und exzellent geschrieben!

Autor*innen, die tolle Inhalte auf Facebook und Twitter posten

Ich bin zwar kein unbedingter Fan von historischen Romanen, aber es gibt eine Schriftstellerin, von der ich kein Buch verpasse und die darüber hinaus noch sehr ansprechende Inhalte auf Twitter und Facebook postet: Die amerikanische Autorin Erika Robuck, die ihre Romane um bekannte literarische Größen wie Ernest Hemingway, F. Scott Fitzgerald oder Nathaniel Hawthorne zentriert. Bei Twitter findet man sie unter @ErikaRobuck, bei Facebook unter Erika Robuck, Author.

Meine Lieblingskritiker

Meine Lieblingskritiker sind Marcel Reich-Ranicki und Hellmuth Karasek. Das werden sie auch immer bleiben, denn so kluge, streitbare und unterhaltsam-witzige literarische Experten wird es meines Erachtens nicht mehr geben. Auch wenn ich ihre Ansichten nicht immer nachvollziehen konnte, fand ich doch ihre Wortduelle stets großartig. Für mich müssen Literaturkritiker neben einem profunden literarischen Wissen immer auch Primadonna-Flair haben und sich selbst schon recht wichtig nehmen. Das macht schließlich ihren besonderen Reiz aus, denn Literaturkritiker sollten schon auch Provokateure und keine handzahmen Nacherzähler sein.

Ein Blogbeitrag von mir selbst, auf den ich stolz bin

Der Blogbeitrag, auf den ich stolz bin, zählt zu meinen frühen Posts. Ich stelle darin die DVD Now: In The Wings On A World Stage, eine Theaterdokumentation über Kevin Spaceys Welttournee als Shakespeares Richard III, vor. Hier der Link: http://a-million-pages.blogspot.de/2015/03/theaterdokumentation-mit-kevin-spacey.html.

Da diese Fragen aber speziell für Buchblogger sind, hier noch der Link zu einer meiner Rezensionen, Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald, die ich gelungen finde: http://a-million-pages.blogspot.de/2015/08/die-dekadenz-des-jazz-age.html.

So, das war's erst mal von mir. Es wäre toll, wenn ihr auch mitmacht. Die Fragen sind doch wirklich sehr ansprechend.