29. Mai 2015

Anne Girard: Madame Picasso

Einzigartiger historischer Roman über die unbekannte Muse der Maler-Legende Picasso

Madame Picasso ist ein ganz wunderbares Buch. Dies liegt vor allem an Anne Girards außergewöhnlichem Erzählstil, der die aufregende Zeit und die ganz spezielle Atmosphäre im Paris der Belle Époque exzellent einfängt und die Figuren eindrucksvoll porträtiert. Das faszinierende Leben der Bohème wird äußerst lebendig dargestellt, so dass man als Leser das Gefühl hat, mitten im Geschehen zu sein. Der Roman ist sehr unterhaltsam, anregend, geistreich und fesselnd bis zur letzten Seite und für mich daher ein absolutes Must Read.

Ein Provinzmädchen in Paris

Die Geschichte beginnt in Paris im Jahre 1911. Die junge Eva Gouel flieht aus dem provinziellen Vincennes in die schillernde französische Metropole, weil sie den Mann, den ihre Eltern für sie ausgesucht haben, nicht liebt und auf keinen Fall heiraten möchte. Sie freundet sich mit Sylvette, einer Tänzerin des legendären Moulin Rouge, an, die ihr dort eine Stelle als Näherin verschafft. Anfangs von den Tänzerinnen und Schauspielerinnen dort noch misstrauisch beäugt, steigt die erfinderische, kreative Eva schnell zur Kostümschneiderin auf und freundet sich sogar mit der als schwierig geltenden Schauspielerin Mistinguett an.

Schicksalhafte Begegnung

Auf einer Kunstausstellung im Salon des Indépendants begegnet sie Picasso, der kurz vor seinem künstlerischen Durchbruch steht, zum ersten Mal und ist fasziniert von seiner Ausstrahlung. Auch Eva geht Picasso nicht mehr aus dem Kopf, und er will sie unbedingt wiedersehen. Nach einem zufälligen Treffen kommt es dann zu einer gemeinsamen Nacht. Doch zu ihrer großen Enttäuschung muss Eva feststellen, dass es bereits eine Madame Picasso gibt: Fernande Olivier, schön, sinnlich und vor allem sehr besitzergreifend, denn obwohl sie nicht mit Picasso verheiratet ist, beansprucht sie diesen Titel mit einer absoluten Selbstverständlichkeit. Ihre Beziehung mit Picasso steckt jedoch in einer Krise, was Fernande aber nicht sehen will.

Die aufregende Welt der Bohème

Trotz aller Hindernisse und Widrigkeiten werden Picasso und Eva - zunächst heimlich - ein Paar, und Eva taucht in eine völlig neue Welt ein. Sie lernt das Who is Who der Pariser Bohème kennen, z.B. Picassos enge Dichter-Freunde Guillaume Apollinaire und Max Jacob, seine berühmten Maler-Kollegen Henri Matisse und Georges Braque und insbesondere die amerikanische Schriftstellerin und Kunstsammlerin Gertrude Stein und ihre Lebenspartnerin Alice B. Toklas, in deren Salon in der Rue Fleurus sich alles trifft, was in der Künstlerszene Rang und Namen hat. Als Eva und Picasso ihre Beziehung schließlich öffentlich machen, schlägt ihnen jedoch von allen Seiten Ablehnung entgegen, denn man sieht darin vor allem einen Verrat an Fernande. Zudem passt die bodenständige Eva nach Meinung vieler so gar nicht zur Malerikone Picasso, der für seine zahlreichen Frauengeschichten bekannt ist. Während Eva sich dies sehr zu Herzen nimmt, zeigt sich Picasso unbeeindruckt. Eva inspiriert ihn zu neuen Werken, und gemeinsam mit ihr bereist er wunderschöne Orte in Südfrankreich und Spanien. Nach und nach wird Eva von Picassos Umfeld als neue Madame Picasso akzeptiert, und sie gewinnt an Einfluss. Doch dann schlägt das Schicksal unerwartet und unbarmherzig zu und ihre Welt zerfällt in Scherben...

Der Mythos Picasso

In Madame Picasso zeigt uns Anne Girard durch die Augen ihrer Protagonistin Eva die vielen Facetten des Malergenies und skizziert so nicht nur das Porträt eines Künstlers, der die Malerei revolutionierte und zum Mythos wurde, sondern auch den lebenslustigen, zutiefst abergläubischen und oft zweifelnden Menschen, der dahinter steckt und dessen private Schicksalsschläge ihn prägten. Dies ist ihr meisterhaft gelungen.

Anne Girard: Journalisten-Tochter mit einem Faible für historische Figuren

Als Tochter eines Journalisten entdeckte die gebürtige Chicagoerin bereits in jungen Jahren ihre Begeisterung für Literatur und das Schreiben. Mit 14 schrieb sie ihren ersten Roman, den sie jedoch selbst nicht so gelungen fand. Sie studierte zunächst Englische Literatur an der University of California und machte hier ihren Bachelor. Anschließend absolvierte sie ein Studium der Psychologie, das sie mit einem Master's Degree abschloss.

Zukunftsweisendes Treffen mit Irving Stone

Ein Treffen mit dem renommierten US-amerikanischen Autor Irving Stone bestärkte sie darin, Schriftstellerin mit Fokus auf historische Themen/Persönlichkeiten zu werden. Stone gab ihr den Rat, stets detailliert zu recherchieren und die Orte zu besuchen, in denen ihr ausgewählter historischer Protagonist gelebt hat bzw. die ihm wichtig waren.

Recherchen zu Madame Picasso

Diesen Rat beherzigte die Autorin und so bereiste sie vor der Entstehung ihres Bestsellers Madame Picasso viele Orte, in denen Picasso gelebt und gearbeitet hat. Ihre Recherchen führten sie nach Paris, in die Provence und nach Barcelona. Die für ihren Roman wichtigen persönlichen Informationen über Picasso und seine Beziehung zu Eva Gouel erhielt sie durch ein ihr gewährtes Interview mit Lucien Clergue, ein berühmter französischer Fotograf, Autor, Filmemacher und seit mehr als 30 Jahren ein enger Freund Picassos, das sie in seinem Atelier in der Provence mit ihm führen durfte.

Eva Gouel: Picassos mysteriöse Muse

Über Eva Gouels Leben ist fast nichts bekannt. Daher konnte Anne Girard Informationen über ihre Protagonistin lediglich aus deren Korrespondenz mit ihren guten Freundinnen Gertrude Stein und Alice B. Toklas ziehen. Das Meiste über Picassos mysteriöse Muse ist daher Fiktion. Das am Ende des Buches erwähnte halbfertige Bild von Eva war zunächst spurlos verschwunden und tauchte erst 50 Jahre später nach Picassos Tod - versteckt unter seinen sehr persönlichen Sachen - wieder auf.

Anne Girards Kosmos: Schreiben, Reisen, Lesen

Anne Girard lebt mit ihrer Familie in Südkalifornien. Wenn sie nicht schreibt oder reist, liest sie mit Begeisterung. Unter dem Pseudonym Diane Haeger (www.dianehaeger.com) schreibt sie darüber hinaus auch historische Romanzen.

Weitere Informationen über Anne Girard findet ihr unter www.annegirardauthor.com.

Originalausgabe: Girard, Anne. Madame Picasso. Ontario: Harlequin MIRA, 2014.
Deutsche Ausgabe: Girard, Anne. Madame Picasso. Aus dem Amerikanischen von Yasemin Dinçer. Berlin: Aufbau Taschenbuch/Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, 2015.
Bildquelle: www.aufbau-verlag.de

Mein herzlicher Dank gilt dem Aufbau-Verlag, Berlin, der mir Madame Picasso als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

26. Mai 2015

Irène Némirovsky: Leidenschaft

Ein stilles Meisterwerk über Liebe und Leidenschaft

Irène Némirovskys Novelle Leidenschaft, der dritte Teil ihres berühmtesten Werks Suite Française, zählt für mich zu den besten Erzählungen über Liebe, Leidenschaft und zerstörerische Lebenslügen. Die Autorin erzählt diese tiefgründige Geschichte mit einer schlichten Sprache, die den Leser jedoch ins Mark trifft und gerade durch ihre beständige Einfachheit so eindringlich ist.

Einfaches Glück in der Provinz

Die Geschichte spielt in den 30er Jahren in Moulin-Neuf tief in der französischen Provinz und wird aus der Perspektive des alten Sylvestre, genannt Silvio, dem verbitterten und desillusionierten Cousin von Hélène Érard, erzählt. Hélène und ihr Mann François sind glücklich, als ihre Tochter Colette einwilligt, den um Jahre älteren Mühlenbesitzer Jean Dorin zu heiraten. Für Colette sind ihre Eltern, die - so scheint es -  eine stets glückliche Ehe führten, ein großes Vorbild, und sie möchte ihnen unbedingt nacheifern. Selbst der ständig zweifelnde Sylvestre, der sich mehr und mehr von den Menschen zurückgezogen hat, ist versucht zu glauben, dass Colettes und Jeans Ehe unter einem guten Stern steht.

Leidenschaftliche Affäre mit fatalen Folgen

Colette versucht, das zurückgezogene Leben in Moulin-Neuf mit ihrem Mann, für den sie eine ehrliche Zuneigung empfindet, zu schätzen und eine gute Ehefrau zu sein. Doch sie findet bei ihm nicht die Leidenschaft, die sie sich erhoffte. Und dann passiert das Unweigerliche: Sie lässt sich auf eine leidenschaftliche Affäre mit dem jungen Bonvivant und Frauenhelden Marc Ohnet ein. Sylvestre, der Colette eines Tages unangekündigt einen Besuch abstattet als ihr Mann verreist ist, durchschaut ihr merkwürdiges Verhalten sofort, denn aus seiner Lebenserfahrung heraus kennt er das Feuer und die Leidenschaft der Jugend nur allzu gut und beschließt, Colette nicht zu konfrontieren bzw. blosszustellen.

Mysteriöser Tod und das Ende der Lügen

Als Colettes Mann dann unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, gerät alles aus den Fugen, und die ehrbar-bürgerlichen Fassaden bröckeln. Schnell stellt sich der vermeintliche Unfall ihres Mannes als Mord heraus, und Colette, die an ihren Gewissensbissen fast zerbricht, plagt die schreckliche Ahnung, dass sie den Mörder ihres Mannes kennt. Zu ihrem Entsetzen muss Colette am Ende zudem erkennen, dass auch ihre Mutter, die für sie stets der Inbegriff von Anstand und Moral war, ein dunkles Geheimnis hütet, mit dem Sylvestre untrennbar verbunden ist... 

Gelungenes Sittenporträt ihrer Zeit

Leidenschaft ist eine außergewöhnlich berührende Novelle, die der Gesellschaft der damaligen Zeit und hier insbesondere der strengen Elterngeneration schonungslos den Spiegel vorhält. Obwohl sie in ihrer Jugend selbst über die Strenge geschlagen und Moral und Anstand ignoriert haben, lassen sie bei ihren Kindern eine nicht nachvollziehbare Härte walten und bringen für deren Fehlverhalten keinerlei Verständnis auf. Irène Némirovsky zeichnet ein sehr gelungenes Sittenporträt ihrer Zeit, das von Doppelmoral und Heuchelei geprägt war. Die Figuren der Geschichte sind meisterhaft gelungen, allen voran der alte Sylvestre, dessen einfache Analyse und Beurteilung der Menschen und ihrer Situation nicht treffender sein könnte. Das überraschende Ende zeigt, dass sich auch Sylvestre dem Sog der Leidenschaft nicht entziehen konnte und dafür einen hohen Preis zahlen musste.

Irène Némirovsky: Das tragische Schicksal einer großen Schriftstellerin

Irène Némirovsky wurde 1903 als Tochter eines jüdischen Bankiers in Kiew/Ukraine geboren. Da ihr Vater auf seine Karriere fixiert war und ihre Mutter ihr keine Beachtung schenkte, wuchs sie unter der Obhut ihrer französischen Gouvernante mit Französisch als zweiter Muttersprache auf.

Flucht nach Paris

Als die Russische Revolution sich zuspitzte, floh sie mit ihren Eltern nach Paris. Ihr Vater, der im Zuge der politischen Wirren fast alles verloren hatte, kam in Frankreich jedoch schnell wieder zu Reichtum, so dass die Familie sehr gut leben konnte. Irène Némirovsky studierte Literaturwissenschaften an der Sorbonne und schloss ihr Studium mit Auszeichnung ab.

1926 heiratete sie Michael Epstein, ebenfalls Russe jüdischen Glaubens, mit dem sie zwei Töchter, Denise und Élisabeth, hatte.

Literarischer Durchbruch mit David Golder und Le Bal

Irène Némirovsky, die schon mit 18 zu schreiben begann, veröffentliche 1929 ihren ersten Roman David Golder und ein Jahr darauf ihre bekannte Novelle Le Bal, mit der ihr endgültig der literarische Durchbruch gelang und sie zum Star der Pariser Literaturszene avancierte. Sie veröffentlichte dann in schnellen Abständen noch viele weitere Romane, die zum Teil auch verfilmt wurden.

Für immer staatenlos

Obwohl sie in Frankreich nun eine angesehene Schriftstellerin war, verweigerte man ihr die Einbürgerung, was ihr zeigte, dass man sie trotz ihres Erfolgs nicht integrieren wollte. Sie behielt somit auch ihren Status als Staatenlose. Darüber hinaus bemerkte sie mit großer Sorge den stetig wachsenden Antisemitismus und beschloss, gemeinsam mit ihren Töchtern 1939 zum Christentum zu konvertieren.

Ausbruch des 2. Weltkriegs: Irène Némirovskys letzte Jahre

Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, brachte Irène Némirovsky zunächst ihre Kinder in Sicherheit - ins ländliche Issy-l'Éveque. Als 1940 die Judengesetze der Vichy-Regierung dazu führten, dass ihr Mann nicht mehr arbeiten und sie ihre Romane nicht mehr veröffentlichen durfte, floh sie mit ihm ebenfalls nach Issy-l'Éveque zu ihren Kindern. Ihre Ängste, ihr Entsetzen, ihre Erlebnisse und Gedanken hielt sie in ihrem Roman Suite française fest, den sie leider nicht mehr vollenden konnte. 1942 wurde Irène verhaftet und nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo sie am 17. August völlig entkräftet starb. Ihr Mann, der verzweifelt versucht hatte, ihre Freilassung zu erreichen, wurde ebenfalls in Auschwitz ermordet.

Suite française: Ihr letztes unvollendetes Werk

Irène Némirovsky hatte ihr Schicksal wohl vorausgeahnt und benannte einen Vormund für ihre Töchter, der sie in Klöstern und Höhlen versteckte. Beide Töchter überlebten so das Grauen des Krieges. Den letzten unvollendeten Roman ihrer Mutter, Suite française, behielten die Schwestern in einem Koffer immer bei sich. Er wurde 2004 in Frankreich veröffentlicht und war so ein großer Erfolg, dass er postum mit dem renommierten Literaturpreis Prix Renaudot ausgezeichnet wurde1.

Originalausgabe: Némirovsky, Irène. Chaleur du sang. Paris: Éditions Denoel, 2007.
Deutsche Ausgabe: Némirovsky, Irène. Leidenschaft. Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. München: Albrecht Knaus Verlag/Random House GmbH, 2009.
Bildquelle: www.randomhouse.de
1Biografie-Quelle: Special über Irène Némirovsky
http://www.randomhouse.de/Special_zu_Irene_Nemirovsky/aid32806.rhd

22. Mai 2015

One Lovely Blog Award: Rosas sieben Fakten





Zunächst einmal möchte ich mich bei Bee ganz herzlich dafür bedanken, dass sie mich für den One Lovely Blog Award nominiert hat. Ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut.

Als ersten Schritt möchte ich hier die Regeln des One Lovely Blog Awards aufführen:

- Bedanke dich bei der Person, die dich nominiert hat
- Beschreibe die Regeln des Awards
- Veröffentliche sieben Fakten über dich
- Nominiere deinerseits Blogger und teile ihnen das mit

Rosas sieben Fakten

meeresberauscht

Wasser ist mein Element, das Meer mein Refugium. Nirgendwo fühle ich mich so entspannt und ausgeglichen, nirgendwo kann ich so ich selbst sein wie am Meer. Strand, Wellen, Wind und unendliche Weite - das ist genau meine Natur.

bahnverbunden

Ich bin überzeugte Bahnfahrerin und das schon seit vielen Jahren. Wenn ich nach einem hektischen Arbeitstag im Zug sitze (wenn er denn kommt), kann ich wunderbar abschalten. Wenn es nicht zu laut oder zu voll ist, lese oder schlafe ich. Das bringt mich wieder runter.

anglophil/frankophil

Das klingt wie ein totaler Gegensatz, muss es aber nicht sein. Seit meinem Schulaufenthalt in London liebe ich die englische Lebensart, Englisch ist wie meine zweite Muttersprache. Ich mag das Land und seine Menschen, insbesondere ihre Eigenarten und ihren Humor. Auf der anderen Seite fühle ich mich in keiner anderen Stadt so wohl wie in Paris. Es klingt wie ein Klischee, aber auf dem Montmartre zu sitzen, einen Milchkaffee zu trinken und leckere Crèpes mit Grand Marnier zu essen - es gibt für mich nichts Schöneres. Ich liebe die melodische Sprache und die Franzosen, die wissen, wie man das Leben genießt.

Ruhrpott-verwurzelt

Ich bin ein Kind des Ruhrpotts und schätze die ehrliche, offene und direkte Art der Menschen. Der Ruhrpott ist bunt und vielfältig - so wie ich es gerne mag. Kunst und Kultur gibt es überall - ich fahre besonders gerne zum Oberhausener Gasometer, denn die Ausstellungen dort sind einzigartig.

kinobegeistert

Ich gehe für mein Leben gern ins Kino. Leider komme ich aufgrund meines Jobs viel zu selten dazu, aber wenn ich es schaffe, dann genieße ich die ganz spezielle Atmosphäre, die es nur dort gibt und die auch kein noch so großer LED-Bildschirm zuhause erzeugen kann.

bewegungsliebend

Ich bin sehr gerne und oft zu Fuß unterwegs. Da ich im Job nicht viel Bewegung habe, mache ich in meiner Freizeit viele Wege zu Fuß. Es macht mir großen Spaß, meine Umgebung per pedes zu erkunden, denn Spazierengehen bzw. Laufen entspannt und erfrischt mich.

unempfänglich für Small Talk und Wichtigtuer

Small Talk ist nicht mein Ding, auch wenn man ihn in der heutigen Zeit beherrschen sollte. Ich halte es für Zeitverschwendung, mich übers Wetter auszutauschen und sonstiges Blah Blah von mir zu geben. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass ich jedes Mal gleich eine philosophische Diskussion beginne, wenn ich Leute treffe. Ich rede halt nur ungern belanglos daher. Wichtigtuer sind mir ebenfalls ein Graus. Der heutige Drang zur Selbstdarstellung à la mein Haus - mein Auto - meine Yacht nervt mich ungemein.

Meine Nominierungen

Nominieren möchte ich die folgenden beiden Blogs: Wandernd und Melissa's Bakery. Ilonas Reiseberichte inkl. Fotos in ihrem Blog Wandernd sind großartig (oft auch versehen mit literarischen Zitaten oder Gedichten), und Melissa's Bakery spricht einfach für sich - tolle Food Fotos und vor allem ausgefallene Rezepte für leckere Köstlichkeiten, die sogar mir gelingen. Hier nochmals die entsprechenden Websites:


Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass ihr, die Nominierten, keinesfalls mitmachen müsst. Ich wollte mit meinen Nominierungen nur eure Blogs hervorheben, da ich sie sehr gelungen finde und sie regelmäßig und sehr gerne lese.


19. Mai 2015

Antoine Laurain: Liebe mit zwei Unbekannten

Ein bezauberndes Buch voller Poesie

Eine so wunderschöne Liebesgeschichte wie Liebe mit zwei Unbekannten von Antoine Laurain habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Sie ist frei von Kitsch und überzogener Sentimentalität und doch ist sie so anrührend und charmant erzählt, dass man sich als Leser wünscht, sie wäre nach 239 Seiten noch nicht zu Ende. Der Roman betört, bezaubert und beschwingt wie die Stadt, in der er spielt: Paris. Das französische Savoir Vivre, das aus jedem Satz der Geschichte sprüht, gibt dem Leser ein herrlich leichtes Gefühl und zieht ihn unweigerlich in seinen Bann. Laurains poetische Sprache macht das Buch zu einem Hochgenuss - nicht nur für Frankophile.

Das Geheimnis der lila Handtasche

Die scheue Laure wird vor ihrer Haustür überfallen. Der Dieb entreißt ihre lila Handtasche und stößt sie dabei brutal mit dem Kopf gegen die Hauswand. Laure ist gezwungen, im Hotel gegenüber zu übernachten, da der Schlüssel zu ihrer Wohnung in ihrer Handtasche war. Am nächsten Morgen findet man sie bewusstlos in ihrem Zimmer, denn Laures Kopfverletzung war schlimmer als angenommen, so dass sie in einen komaähnlichen Tiefschlaf gefallen ist.

Suche nach einer faszinierenden Unbekannten

Am selben Morgen entdeckt Laurent, dem die Pariser Buchhandlung Le Cahier Rouge gehört, die lila Handtasche auf einer Mülltonne. Er nimmt sie mit nach Hause und leert sie aus, wenn auch mit leichtem Unbehagen, denn die Erfahrung mit seiner Ex-Frau hat ihn gelehrt, dass man nicht in eine Frauenhandtasche greift, da dies einem Tabubruch gleichkommt. Die Dinge, die er findet, erscheinen rätselhaft: ein alter Taschenspiegel, ein recht altertümliches Parfum, zwei rote Würfel, ein Schlüsselbund mit einem goldenen Hieroglyphen-Täfelchen, ein rotes Moleskine-Notizbuch und das Buch Unfall in der Nacht des französischen Schriftstellers Patrick Modiano, das eine persönliche Widmung des Autors Für Laure enthält. Somit kennt Laurent schon mal den Vornamen der Taschenbesitzerin, doch weitere Informationen findet er nicht.

Das rote Notizbuch

Da er das Rätsel um die Identität der Unbekannten aber unbedingt lösen möchte, begeht er den zweiten Tabubruch: Er liest ihr rotes Notizbuch und taucht ein in ihre ganz private Gedankenwelt, die er absolut faszinierend findet. Und so passiert das Unmögliche: Laurent verliebt sich in Laure, deren Tascheninhalt ihm so viel und doch so wenig über sie verraten hat. Doch wie soll er sie ohne weitere Hinweise finden? Bei seiner Suche legt Laurent eine Eigeninitiative und Kreativität an den Tag, die er sich selbst gar nicht zugetraut hätte. Darüber hinaus erhält er noch unerwartete Unterstützung von seiner 15-jährigen Tochter Chloé, die ihrem Vater an Ideenreichtum und Raffinesse haushoch überlegen ist. Nach und nach findet Laurent Hinweise, die ihn seinem Ziel immer näher bringen und die schließlich zu einer bedeutsamen Begegnung führen, die sein Leben verändert... 

Romanze der besonderen Art

Antoine Laurain erzählt uns eine Romanze der besonderen Art. Es ist eine einfache Geschichte, die doch so tiefgründig ist. Es ist ein leises Buch über die Liebe und die vielen kleinen Dinge und Seelengeheimnisse, die einen Menschen ausmachen und ihn für einen anderen Menschen einzigartig werden lassen. Es ist ein Roman, der viel zu schön ist, um nur einmal gelesen zu werden...

Antoine Laurain: Französischer Schriftsteller mit einem Faible für Antiquitäten 

Der französische Schriftsteller Antoine Laurain wurde in den 70er Jahren in Paris geboren, wo er auch heute noch lebt. Er arbeitete zunächst als Drehbuchautor und Antiquitätenhändler. Sein erstes Buch, Ailleurs si j'y suis, für das er 2007 den Prix Drouot erhielt, das aber leider weder ins Englische noch ins Deutsche übersetzt wurde, spielt denn auch in der sehr speziellen Welt eines Antiquitätensammlers, der ein Porträt aus dem 18. Jahrhundert ersteigert, das ihm merkwürdig ähnlich sieht. 

Literarischer Durchbruch mit Le Chapeau de Mitterand 

Mit seinem vierten Roman Le Chapeau de Mitterand (The President's Hat), der mit dem Prix Landerneau Découverte und dem Prix Relay des Voyageurs ausgezeichnet wurde, gelang Laurain der internationale Durchbruch als Schriftsteller. Das Buch, eine wunderbar gelungene Fabel, erzählt die Geschichte des schwarzen Hutes von François Mitterand, den dieser in einer Brasserie liegenlässt und der daraufhin das Leben verschiedener Menschen, die ihn an sich nehmen, grundlegend verändert. Der Roman ist sehr charmant erzählt und überaus unterhaltsam. Ich kann ihn euch nur wärmstens empfehlen.

Liebe mit zwei Unbekannten: Bereits jetzt ein internationaler Bestseller

Die wunderschöne Geschichte um Laurent und Laure ist bereits ein internationaler Bestseller und in 14 Ländern sehr erfolgreich. In Deutschland steht er bereits auf Platz 16 der Spiegel-Bestsellerliste. Die Leser sind hingerissen von Laurains einnehmendem Schreibstil und seiner einzigartigen Poesie, die in der heutigen Zeit so wohltuend ist.

Vielseitig interessierter Autor und Journalist

Zu Laurains Interessensschwerpunkten zählen Kunstgeschichte, Antiquitäten, Kino und natürlich Literatur. Einer seiner Lieblingsschriftsteller ist Patrick Modiano, den Laurain auch in seinen neuesten Roman als eigene Figur sehr gekonnt mit eingebaut hat.

Laurain ist außerdem als Journalist für das Luxusmagazin Palace-Costes und das Satiremagazin L'Echo des Savanes tätig.

Weitere Informationen über Antoine Laurain findet ihr auf seinem Blog antoinelaurain.blogspot.com.

Originalausgabe: Laurain, Antoine. La femme au carnet rouge. Paris: Flammarion, 2014.
Deutsche Ausgabe: Laurain, Antoine. Liebe mit zwei Unbekannten. Aus dem Französischen von Claudia Kalscheuer. Hamburg: Altantik-Verlag/Hoffmann und Campe Verlag, 2015.
Bildquelle: www.hoffmann-und-campe.de

Mein herzlicher Dank gilt dem Atlantik-Verlag/Hoffmann und Campe Verlag, der mir dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

14. Mai 2015

Dr. Jekylls Dienstmädchen: Mary Reilly mit John Malkovich und Julia Roberts

Foto: Sony Pictures Home Entertainment GmbH
Im Nachgang zu meiner Rezension von Robert Louis Stevensons Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde möchte ich euch heute eine brillante Literaturverfilmung - Mary Reilly - vorstellen, die allerdings nicht auf Stevensons Novelle, sondern auf dem Bestseller von Valerie Martin Im Haus des Dr. Jekyll (Originaltitel: Mary Reilly) basiert. Martin erzählt die Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde aus Sicht von Dr. Jekylls Dienst-mädchen, Mary Reilly.

Herausragende Neuerzählung eines Klassikers

Der in Tagebuchform verfasste Roman von Valerie Martin ist für mich eine der besten Neuerzählungen eines Klassikers. Leider ist dieses hochspannende Buch in deutscher Sprache nur noch gebraucht zu bekommen. In englischer Sprache ist es allerdings nach wie vor erhältlich. Ich empfehle euch dieses Buch wirklich sehr: Es ist ein absoluter Pageturner und meisterhaft erzählt.

Mary Reilly: Dienstmädchen und Vertraute

Doch nun zum Film: Er erzählt die Geschichte der schüchternen Mary Reilly (Julia Roberts), die als Dienstmädchen im Haushalt des angesehenen Londoner Arztes Dr. Henry Jekyll (John Malkovich) tätig ist. Sehr zum Mißfallen des Butlers Poole (George Cole) besteht zwischen dem reservierten, introvertierten Jekyll und der scheuen Mary ein ganz besonderes Band. Jekyll vertraut Mary wie keinem anderen, und die sonst so in sich gekehrte Mary erzählt ihm sogar von den brutalen Mißhandlungen durch ihren alkoholkranken Vater, als Jekyll sie ganz direkt nach der Ursache ihrer Narben fragt.

Foto: Sony Pictures Home Entertainment GmbH: George Cole als Butler Poole, Julia Roberts als Mary Reilly und John Malkovich als Dr. Henry Jekyll


Mr. Hyde: Dr. Jekylls dämonischer Assistent

Trotz ihres harten Arbeitsalltags fühlt sich Mary in Dr. Jekylls Haus sicher und geborgen. Doch dann wendet sich das Blatt: Dr. Jekyll stellt den dämonischen Edward Hyde (John Malkovich) als seinen Assistenten ein. Die gesamte Dienerschaft ist in heller Aufregung, denn niemand kann Dr. Jekylls Entscheidung verstehen. Mary fürchtet sich vor Hyde, fühlt sich aber auf der anderen Seite magisch von ihm angezogen. Hyde stellt Mary nach, er ist direkt, aufdringlich und unverschämt, und doch sieht Mary etwas in ihm, dass ihr bekannt vorkommt.

Foto: Sony Pictures Home Entertainment GmbH - John Malkovich als Edward Hyde, Julia Roberts als Mary Reilly

Außer Kontrolle

Mary ahnt, dass etwas Schreckliches vorgeht, aber sie tut alles, um Dr. Jekyll und seinen guten Namen zu schützen. Doch nach einem brutalen Mord an einem prominenten Parlamentsabgeordneten geraten die Dinge völlig außer Kontrolle, denn Hyde wird zum Hauptverdächtigen und somit gerät auch Dr. Jekyll ins Visier der Polizei. Mary weiß nicht mehr, wem sie trauen kann, aber sie hält an ihrer Loyalität zu Dr. Jekyll fest. Doch tief in ihrem Inneren weiß sie, dass es aus diesem Alptraum kein Erwachen gibt...

Foto: Sony Pictures Home Entertainment GmbH - John Malkovich als Edward Hyde, Julia Roberts als Mary Reilly

Grandiose Inszenierung mit brillanten Hauptdarstellern

Diese spektakuläre Verfilmung des preisgekrönten britischen Regisseurs Stephen Frears, der schon meinen absoluten Lieblingsfilm Gefährliche Liebschaften inszeniert hat, muss man einfach gesehen haben. Der Film ist spannungsgeladen, hochdramatisch und nervenaufreibend. Ich habe ihn das erste Mal im Kino gesehen und war völlig begeistert, obwohl ich mir nur sehr selten Gruselfilme anschaue. Da ich aber das o.g. Buch Mary Reilly von Valerie Martin so großartig fand, wollte ich natürlich unbedingt sehen, wie es filmisch umgesetzt wurde.

John Malkovich: Exzellenter Jekyll, genialer Hyde

John Malkovich, der zu den besten Schauspielern seiner Generation zählt, brilliert in seiner Doppelrolle als Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Er spielt den reservierten, seine Emotionen unterdrückenden Dr. Jekyll genauso überzeugend wie den teuflischen Edward Hyde, dem er darüber hinaus - absolut glaubhaft - einen verführerischen Touch gibt. Wenn Hyde Mary nachstellt, sie auf eine merkwürdige Art beinahe umwirbt, schafft es Malkovich, den Zuschauer für einen Moment vergessen zu lassen, dass Hyde der dunkle Charakter des Films ist. Er spielt in seinen beiden Rollen derart gekonnt mit den Gegensätzen Gut - Böse, dass Jekyll manchmal wie ein Langweiler und Hyde wie sein aufregendes Alter Ego wahrgenommen wird.

Julia Roberts als Mary Reilly: Eindringliches Porträt einer stillen Kämpferin

Die größte Überraschung war für mich allerdings Julia Roberts, die mit Pretty Woman zum Superstar avancierte. Ich konnte sie mir in der Rolle der Mary Reilly eigentlich nicht so recht vorstellen, aber sie hat mich absolut überzeugt. Ihre von großer Zurückhaltung geprägte Darstellung der Mary Reilly ist wirklich beeindruckend. Blass, ungeschminkt und absolut farblos in ihrem Dienstmädchen-Outfit gibt sie der Figur der Mary Reilly eine berührende Tiefe. In eindringlicher Weise zeigt sie uns Mary als stille Kämpferin, die sich zwar ihrer niedrigen gesellschaftlichen Position durchaus bewusst ist, aber durch ihre wachsenden Gefühle für Dr. Jekyll an Stärke gewinnt und mit allen Mitteln versucht, ihren Arbeitgeber - auch vor sich selbst -  zu schützen. Es gibt viele berührende Szenen, die den Film so sehenswert machen, z.B. als Mary Jekyll heimlich durch einen Türspalt beobachtet oder Jekyll ihre Hand nimmt, als sie ihn nach einem Schwächeanfall fürsorglich zudeckt. Der Film lebt von der großartigen Mimik und Gestik der Hauptdarsteller, die ihn so sehenswert machen.

Herausragende Nebenrollen inkl. Glenn Close

Der Film ist bis in die Nebenrollen sehr gut besetzt, z.B. George Cole als Butler Poole, Michael Sheen als Bradshaw und Michael Gambon als Marys Vater. Hervorheben möchte ich hier aber vor allem Glenn Close, die als grell geschminkte, toughe Bordellbesitzerin Mrs. Farraday einfach großartig ist.

Mary Reilly ist ein sehr gelungener, atmophärischer Film, den Stephen Frears beeindruckend umgesetzt hat. Er wurde für den Filmpreis Goldener Bär in Berlin nominiert.


Mary Reilly
Regisseur: Stephen Frears
Erscheinungsjahr: 1996
Produktionsland: USA
Studio: TriStar Pictures
Deutscher Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment GmbH

Mein herzlicher Dank gilt der Sony Pictures Home Entertainment GmbH, München, (www.sphe.de), die mir alle oben aufgeführten Fotos inkl. DVD-Cover zur Verfügung gestellt hat.

11. Mai 2015

Robert Louis Stevenson: Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Heute möchte ich euch ein wirkliches Juwel unter den Klassikern vorstellen: Es ist die 1886 veröffentlichte Novelle des schottischen Schriftstellers Robert Louis Stevenson Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Obwohl ich sie schon einige Male gelesen habe, finde ich sie immer noch sehr schaurig, denn Stevenson lässt das Grauen der Geschichte langsam entstehen, was durch die gekonnte Verwendung des Doppelgänger-Motivs noch verstärkt wird.

Das dunkle Geheimnis des Dr. Henry Jekyll

Robert Enfield erzählt seinem Cousin, Rechtsanwalt Gabriel John Utterson, von einem mysteriösen Zwischenfall, bei dem ein gewisser Edward Hyde ein Kind brutal zu Boden getrampelt hat. Er wurde jedoch festgehalten, konnte sich aber mit einem großzügigen Scheck freikaufen. Zu seinem großen Entsetzen erkennt Utterson, dass dieser Scheck von seinem Freund und Mandanten, dem angesehenen Londoner Arzt Dr. Henry Jekyll, ausgestellt wurde. Utterson beunruhigt dies sehr, denn er kann sich beim besten Willen nicht erklären, was Dr. Jekyll mit einer so undurchsichtigen und gewalttätigen Person verbindet.

Wer ist Mr. Hyde?

Er stellt Nachforschungen an und findet heraus, dass Dr. Jekyll in seinem Testament verfügt hat, dass sein kompletter Nachlass im Falle seines Todes oder Verschwindens an Mr. Hyde übergehen soll. Utterson ist fassungslos, denn sein Freund hat Mr. Hyde weder erwähnt noch hat man beide jemals zusammen gesehen. Er lässt die Angelegenheit zunächst auf sich beruhen, bis der grausame Mord an Sir Danvers Carew, einem Parlamentsabgeordneten, die Öffentlichkeit erschüttert. Als Utterson erfährt, dass Carew mit einem Spazierstock getötet wurde, den er als jenen identifiziert, den er Dr. Jeykll einst geschenkt hat, gibt er der Polizei den Hinweis auf Edward Hyde. Er konfrontiert Dr. Jekyll mit der Situation, doch er behauptet, keinen Kontakt mehr zu Hyde zu haben.

Grauenvolles Experiment

Zur großen Beunruhigung seiner Dienerschaft schließt sich Dr. Jekyll immer häufiger in seinem Laboratorium ein, und es scheinen verstörende Dinge vor sich zu gehen. Als eines Abends derart bedrohliche Geräusche nach außen schallen, weiß sich sein Butler keinen anderen Rat mehr, als Utterson zu informieren. Sie brechen die Tür zum Laboratorium auf, wo sich ihnen ein grauenvoller Anblick bietet, denn Dr. Jekylls dunkles Geheimnis übersteigt jegliche Vorstellungskraft...

Hintergrund

Stevenson soll bei der Entstehung seiner Novelle von dem authentischen Fall des schottischen Tischlers Deacon William Brodie inspiriert worden sein, der bei Tag ein geschätzter Handwerker und nachts ein Krimineller war. Er wurde schließlich aufgespürt und zum Tod durch den Strang verurteilt.

Robert Louis Stevenson: Viktorianischer Literat und unkonventioneller Weltbürger

Der 1850 in Edinburgh geborene Schriftsteller sollte zunächst beruflich in die Fußstapfen seines Vaters treten, der Leuchtturmbauer war. Da ihm dies aufgrund eines Lungenleidens nicht möglich war, studierte er zunächst Jura, arbeitete aber nach seinem Abschluss nicht als Anwalt, denn er wollte schon von Kindheit an Schriftsteller werden - sehr zum Mißfallen seines Vaters, der das Schreiben für brotlose Kunst hielt.

Reisebegeisterter Abenteurer

Doch Stevenson widersetzte sich allen strengen viktorianischen Konventionen.und gab seiner Reise- und Abenteuerlust in den Sommermonaten nach, während er im Winter Essays u.ä. verfasste. Seine Reisen führten ihn u.a. nach Deutschland, Belgien und auch in die französische Künstlerkolonie Grez-sur-Loing, wo er die zehn Jahre ältere und noch verheiratete Amerikanerin Fanny Osbourne kennenlernte, die er nach ihrer Scheidung heiratete. Mit Fanny bereiste er die Welt, aber er konnte darüber hinaus nie wirklich sesshaft werden, denn sein sich verschlechternder Gesundheitszustand - er erkrankte an Tuberkulose  - zwang ihn, diverse Klimata auszutesten.

Literarischer Durchbruch mit Die Schatzinsel

Und so verfasste Stevenson zahlreiche Reiseerzählungen, bis ihm 1883 der Durchbruch mit dem großartigen Abenteuerroman Die Schatzinsel und seinen berühmten Protagonisten Jim Hawkins und dem Piraten Long John Silver gelang, der ein Beststeller wurde. Danach folgte seine o.g. Schauernovelle, Dr. Jekyll und Mr. Hyde, die völlig aus dem Rahmen fiel, aber ein großer Erfolg wurde. Eine weitere Abenteuergeschichte mit dem Titel Kidnapped, die um das Leben des 17-jährigen David Balfour rankt, wurde ebenfalls von den Lesern der damaligen Zeit begeistert aufgenommen.

Tusitala auf Samoa

Seine letzten Lebensjahre verbrachte Stevenson mit seiner Frau Fanny und den Kindern auf seiner Vailima-Plantage auf Samoa in der Südsee. Die Einwohner verehrten ihn sehr und gaben ihm den Namen Tusitala (Geschichtenerzähler). Dort verfasste er noch einige literarische Werke, wie z.B. den unvollendeten Roman Die Herren von Hermiston, Catriona und Der Strand von Falesa, und engagierte sich zudem auch politisch, insbesondere für die Belange der Einheimischen. Im Jahre 1894 starb Stevenson an einer Gehirnblutung im Alter von nur 44 Jahren. Sein Grab liegt auf dem Gipfel des Mount Vaea.

Originalausgabe: Stevenson, Robert Louis. The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde, The Merry Men and Other Tales and Fables. London: Wordsworth Editions Ltd., 1999.
Deutsche Ausgabe: Stevenson, Robert Louis. Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Aus dem Englischen von Susanne Mussehl. Hamburg: SEVERUS Verlag - Imprint der Diplomica Verlag GmbH, 2013.
Bildquelle: www.severus-verlag.de

7. Mai 2015

Paul Torday: Bordeaux: Ein Roman in vier Jahrgängen

Paul Tordays Bordeaux: Ein Roman in vier Jahrgängen zählt für mich zu den besten Büchern, die ich je gelesen habe. Während der deutsche Titel den Leser zunächst mutmaßen lässt, dass es sich um eine originelle Geschichte zum Thema Wein handeln könnte, kann man beim englischen Originaltitel The Irresistable Inheritance of Wilberforce in keiner Weise darauf schließen.

Psychogramm eines Abhängigen

Der tiefgründige Roman, der so still und bedachtsam erzählt wird, berührt und bedrückt auf schleichende Weise, denn er entfaltet in schonungsloser Offenheit das Psychogramm eines Suchtkranken, der nicht nur sich, sondern auch andere ihm nahestehende Menschen mit in den Abgrund zieht. Torday erzählt die tragische Geschichte der Hauptfigur chronologisch rückwärts, von 2006 bis 2002, eine außergewöhnliche literarische Variante, die zwar am Anfang für den Leser etwas ungewohnt ist, aber den Spannungsbogen keinesfalls verringert.

Verfall eines Software-Genies

Der Protagonist von Bordeaux ist Frankie (Francis) Wilberforce, 37, einst ein Mathematik-Genie und erfolgreicher Softwareentwickler, jetzt ein körperliches Wrack, schwer gezeichnet von seiner Alkoholsucht. Die Geschichte, die in der Ich-Form aus der Perspektive der Hauptfigur erzählt wird, beginnt 2006, als Wilberforce auf dem Tiefpunkt seines Lebens angekommen ist. Völlig heruntergekommen vegetiert er in seiner teuren Wohnung in der Half Moon Street im exklusiven Londoner Stadtteil Mayfair vor sich hin, getrieben von seinen Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Der einzige ihm gebliebene Freund aus Universitätstagen, der Arzt Colin Holman, erklärt ihm ohne Umschweife, dass er nur noch wenige Monate zu leben hat, wenn er nicht mit dem Trinken aufhört. Doch Wilberforce ist uneinsichtig und rasend wütend darüber, dass man ihn als Alkoholiker bezeichnet. In seiner Welt ist Wein kein Alkohol und er somit auch kein Alkoholiker, sondern ein Weinliebhaber, der am Tag 4 - 5 Flaschen - am liebsten Bordeaux - kostet und genießt. 

Eine neue Welt: Francis Black und Londons Upper Class Söhne

Seine Liebe zum Wein entdeckt Wilberforce, der kontaktarme Workaholic, als er den kultivierten Francis Black, Weinsammler mit eigenem Weinshop und exklusivem Weinkeller, und dessen Freunde aus Londons High Society kennenlernt. Francis bringt Wilberforce alles bei, was er über Wein weiß - natürlich muss dieser ständig kosten, obwohl er Alkohol immer gemieden hat - und wird zu einem Freund, den Wilberforce nie hatte. Francis' oberflächliche Upper Class Bekannte eröffnen Wilberforce darüber hinaus eine völlig neue Welt, in der Arbeit keinen Platz hat, sondern nur das Vergnügen. Er fühlt sich frei und unbeschwert, wird zu Parties eingeladen und weiß zum ersten Mal in seinem Leben, was er mit seiner Freizeit anfangen soll.

Unaufhaltsamer Absturz

Er verliebt sich in Catherine, die zukünftige Frau eines der reichen Upper Class Söhne, und beschwört damit große Probleme mit seinen snobistischen Freunden herauf, die ihn hinter seinem Rücken als Mr. Nobody bezeichnen, wie er zu seiner maßlosen Enttäuschung mit anhören muss. Er beschließt, seine Firma zu verkaufen, um endlich frei leben zu können und um den letzten Wunsch des todkranken Francis zu erfüllen, nämlich das Grundstück inklusive Weinkeller und Weinshop zu erwerben. Doch dies ist der Anfang vom Ende. Wilberforce kann zwar Catherine für sich gewinnen, doch die Beziehung leidet mehr und mehr unter seiner alles dominierenden Trunksucht, die er als kultivierte Weinliebe abtut. Schließlich kommt es zu einer folgenschweren Katastrophe, die sein Leben radikal verändert, ihn aufrüttelt und sogar veranlasst, eine Therapie zu machen. Doch er hat sein Problem noch immer nicht erkannt und hält an seinem Lügenkonstrukt und zerstörerischen Selbstbetrug fest, bis nichts mehr von ihm übrig ist...

Zerstörerische Passion

Paul Torday entführt uns Leser in die Gedankenwelt eines Alkoholikers. Das ist schon eine gewaltige Herausforderung, denn wir geraten in einen Wirbelsturm von wirren Geschichten, Lügen, Erinnerungsfragmenten, aber auch von immenser Traurigkeit, Sinnleere und Einsamkeit, die nur mit Wein betäubt werden kann. Dank Tordays großartiger Erzählkunst gelingt es uns jedoch, dieses Wirrwarr zu entzerren und uns selbst ein Bild dieses verzweifelten, aber unbelehrbaren Menschen zu machen, dessen Untergang sich nicht aufhalten lässt. Doch Torday urteilt nicht - er mahnt auf seine eigene, leise Weise, in dem er versucht, uns einen Menschen näher zu bringen, der sehenden Auges seinem Verderben entgegengeht. Dies ist dem Autor meisterhaft gelungen, denn man mag Wilberforce verachten, aber es ist unmöglich, von seinem selbst gewählten Schicksal nicht berührt zu sein.

Paul Torday: Literarischer Spätzünder und Meister leiser Töne

Paul Torday war ein britischer Schriftsteller mit ungarischen Wurzeln, der 1946 in Croxdale/County Durham geboren wurde. Er studierte zunächst englische Literatur am Pembroke College in Oxford, wo er auch seinen Abschluss machte. Nachdem er zunächst das Familienunternehmen, das sein Vater und sein Onkel aufgebaut hatten, leitete, machte er sich später dann als Unternehmer sehr erfolgreich selbstständig. Erst in der Mitte seines Lebens widmete er sich dem Schreiben. 2007 gelang ihm im Alter von 61 der internationale Durchbruch mit der wunderbaren Tragikomödie Salmon Fishing in the Yemen (Lachsfischen im Jemen), die 2011 mit Ewan McGregor, Emily Blunt und Kristin Scott Thomas verfilmt wurde.

Schreiben im Wettlauf mit der Zeit

Als bald darauf Krebs bei ihm diagnostiziert wurde, was er jedoch nicht öffentlich bekannt machte, schrieb er im Wettlauf mit der Zeit. Er veröffentlichte nach seinem o.g. Debüt noch sechs Romane, die jeder für sich ein Meisterwerk sind und völlig unterschiedlichen Genres angehören. Ich habe sie alle gelesen und kann euch jeden Roman nur wärmstens empfehlen. Leider sind aber nur drei seiner Romane ins Deutsche übersetzt worden (Lachsfischen im Jemen, Bordeaux und Charlie Summers), was wirklich schade ist, denn gerade seine außergewöhnlich spannenden Romane wie The Girl on the Landing, More Than You Can Say oder sein letztes Werk Light Shining In The Forest gehen unter die Haut und verlangen dem Leser emotional einiges ab. Paul Torday starb 2013 in Northumberland im Alter von nur 67 Jahren. Was bleibt, ist sein einzigartiges literarisches Vermächtnis.

Originalausgabe: Torday, Paul. The Irresistable Inheritage of Wilberforce. A Novel in Four Vintages. London: Weidenfeld & Nicolson, 2008.
Deutsche Ausgabe: Torday, Paul. Bordeaux: Ein Roman in vier Jahrgängen. Aus dem Englischen von Thomas Stegers. Berlin: Berlin Verlag/Piper Verlag GmbH, 2009.
Bildquelle: www.berlinverlag.de

1. Mai 2015

Die Tudors: Macht und Leidenschaft Fortsetzung: Staffel 3 und Staffel 4


Fesselnd und ereignisreich bis zum Ende

Heute stelle ich euch noch die letzten beiden Staffeln der erfolgreichen TV-Serie vor. Bei vielen Serien, die ich bisher schon gesehen habe, ist zumeist nach der zweiten Staffel bereits die Spannung verflogen, und die Geschichte wird künstlich in die Länge gezogen. Auf Die Tudors trifft das nicht zu, denn jede Staffel ist von der Inszenierung her komplett anders. Auch die letzten beiden Staffeln wurden wieder mit viel Liebe zum Detail gedreht: Es gibt viele Szenen, die aufgrund ihrer Bildgewalt und Aussagekraft besonders gelungen sind und noch lange im Gedächtnis bleiben.

Foto: Sony Pictures Home Entertainment GmbH - Jonathan Rhys Meyers als Heinrich VIII
 
Michael Hirst spielt insbesondere in Staffel 4 sehr gekonnt mit Traumsequenzen und Rückblenden, die in sich stimmig sind. Der Alterungsprozess des Königs ist sehr gut porträtiert, aber nicht überzogen. Beide Staffeln sind wieder sehr ereignisreich und überzeugen ein Mal mehr durch die hervorragende schauspielerische Leistung der Hauptakteure.

Sony Pictures Home Entertainment GmbH
Staffel 3: Ein Sohn für den König

Heinrich heiratet Jane Seymour und hofft, dass sie ihm den langersehnten Thronfolger schenken wird. Zugleich holt er seine Tochter Mary zurück an den Hof und versucht, ihr ein guter Vater zu sein.

Gefährlicher Despot

Der gealterte und durch eine Beinverletzung geschwächte König muss eine für ihn gefährliche Rebellion zerschlagen und sendet seinen besten Freund Charles Brandon in die Schlacht. Heinrich, der sich zu einem gefährlichen, unkontrol-lierbaren Despoten entwickelt hat, dauert dies zu lange. Er lockt die Rebellen mit ihrem Anführer Charles Aske zurück nach London, indem er Gesprächsbereitschaft signalisiert und Gnade und Vergebung zusichert. Die Rebellen sind zwar skeptisch, folgen aber Heinrichs Wunsch und kehren zurück. Als sie den wahren Plan des Königs erkennen, ist es längst zu spät, denn Heinrich duldet keinen Aufstand und macht mit seinen Widersachern kurzen Prozess.


Foto: Sony Pictures Home Entertainment GmbH
Jonathan Rhys Meyers als Heinrich VIII, Annabelle Wallis als Jane Seymour

Tod der Königin

Jane wird endlich schwanger und schenkt Heinrich den Thronfolger, den er sich immer gewünscht hat. Doch die Geburt verläuft mit Komplikationen, und Jane stirbt am Kindbettfieber. Der sonst so hartherzige König verfällt in eine tiefe Depression, denn er kann den Tod der Königin nicht verwinden. Nach einiger Zeit entschließt sich Heinrich aber, wieder zu heiraten, doch die Suche nach einer geeigneten Frau gestaltet sich äußerst schwierig, denn niemand zeigt Interesse an dem bedrohlich-blutrünstigen König.

Ein Jungbrunnen für den König

Heinrich verliebt sich in ein Porträt von Anna von Kleve des Malers Hans Holbein und heiratet sie unmittelbar. Doch als er seine neue Braut erblickt, ist er entsetzt, denn sie entspricht in keiner Weise seinem Schönheitsideal. Angabegemäß soll er gesagt haben: Sie sieht aus wie ein Pferd. Nach nur wenigen Monaten lässt sich Heinrich wieder scheiden. Doch seine Enttäuschung hält nicht lange an, denn die erst 17-jährige Catherine Howard, die neu am Hofe ist, hat sein Herz im Sturm erobert...

 Foto: Sony Pictures Home Entertainment GmbH - Tamzin Merchant als Catherine Howard


Sony Pictures Home Entertainment GmbH
Staffel 4: Die letzte Verführung

Heinrich blüht mit seiner neuen, jungen Liebe Catherine Howard nochmals auf und macht sie zu seiner Königin - sehr zum Mißfallen seiner Tochter Mary, die ihrer neuen Stiefmutter überhaupt nichts abgewinnen kann. Doch Heinrich lässt keine Kritik gelten: Er überhäuft Catherine mit Geschenken und gibt mit ihr vor seinen Freunden an.

Fatale Affäre der jungen Königin

Catherine kann mit dem um Jahrzehnte älteren König jedoch nicht viel anfangen und ist schnell gelangweilt. Sie sucht Abwechslung und beginnt eine Affäre mit dem jungen Kammerdiener Thomas Culpeper, doch beide sind unbedarft und äußerst unvorsichtig. Als der König von ihrer Untreue erfährt, lässt er Catherine, Thomas und Catherines ehemaligen Liebhaber Francis unverzüglich hinrichten.

Letzte Liebe

Heinrich lernt die verwitwete Catherine Parr am Hofe kennen und ist beeindruckt. Obwohl Catherine ihn nicht sonderlich mag und sein Vorleben skandalös findet, willigt sie ein, seine Frau zu werden. Sie erweist sich als Glücksgriff, denn sie ist ein ausgesprochener Familienmensch und bringt Heinrich seinen Kindern wieder näher.

Geister der Vergangenheit

Als sein bester Freund Charles Brandon stirbt, bricht für Heinrich eine Welt zusammen. Er fühlt seinen eigenen Tod nahen und schickt seine Frau und seine Kinder fort. Er sucht die Einsamkeit und hadert mit seiner Vergangenheit. Seine Erinnerungen holen ihn in Gestalt der Geister seiner verstorbenen Frauen ein. Am Ende betrachtet er voller Wehmut das von Holbein gemalte Porträt von sich und sieht einen König, der ihm längst fremd geworden ist, denn seine Zeit neigt sich dem Ende...

Foto: Sony Pictures Home Entertainment GmbH - Jonathan Rhys Meyers als Heinrich VIII






















Jonathan Rhys Meyers gelang mit Die Tudors der hochverdiente internationale Durchbruch als Schauspieler. Ihm zur Seite steht eine Riege von Superstars wie Sam Neill, Henry Cavill, Jeremy Northam, Peter O'Toole, Maria Doyle Kennedy, Max von Sydow, Joely Richardson, Natalie Dormer u.v.m. Sie alle machen die Serie zu einem glanzvollen, einmaligen Historienspektakel, das absolut sehenswert ist. 

Die Tudors - Staffel 3
Erscheinungsjahr: 2009
Produktionsland: Irland, Kanada, UK, USA
Produktion: Peace Arch Entertainment für Showtime in Kooperation mit Reveille Eire, Irland, Working Title Films, UK, und Canadian Broadcasting Corporation, Kanada

Die Tudors - Staffel 4
Erscheinungsjahr: 2010
s.o.

Mein herzlicher Dank gilt der Sony Pictures Home Entertainment GmbH, München, (www.sphe.de), die mir alle oben aufgeführten Fotos zur Verfügung gestellt hat.