30. März 2015

Geschenkideen rund ums Schreiben: libri_x-Tintenroller mit Motiv „William Shakespeare"

Passend zu meiner am Freitag gestarteten Reihe Die besten Shakespeare-Verfilmungen" möchte ich euch heute nach Oscar Wilde (siehe Post vom 5. Februar 2015) den zweiten libri_x-Tintenroller William Shakespeare (Artikel-Nr. 81921) vorstellen, der vom moses.Verlag vertrieben wird und in allen gut sortierten Buchhandlungen erhältlich ist (Preis € 12,95). Das folgende Shakespeare-Zitat ist auf Englisch und Deutsch aufgedruckt: Wo Worte selten, haben sie Gewicht". "Where words are scarce, they are seldom spent in vain." (Richard II)







© Marc Weidner (www.marcweidner.com)


Der Tintenroller hat eine blaue Qualitätsmine, schreibt sehr gut und ist für den alltäglichen Gebrauch bestens geeignet. Die außergewöhnliche Geschenkschachtel finde ich ebenfalls sehr ansprechend.

Ich habe die Tintenroller dieser Serie schon oft verschenkt, und sie sind jedes Mal gut angekommen.

Da ich sehr gerne Briefe, Postkarten etc. schreibe, weil ich finde, dass die schöne Tradition des Schreibens nicht aussterben darf, bin ich immer auf der Suche nach originellen Tintenrollern, die alltagstauglich und nicht so teuer sind. Bei libri_x bin ich fündig geworden, und ich hoffe sehr, dass diese spezielle Reihe, die bislang 8 Tintenroller mit Zitaten von berühmten Schriftstellern und Schauspielern umfasst, noch erweitert wird.

27. März 2015

Die besten Shakespeare-Verfilmungen: Hamlet mit Mel Gibson


Shakespeares Tragödien, Komödien und Historien sind zeitlos: Sie sind spannend, hochdramatisch, mitreißend, komisch und doch werden sie zumeist nur in der Schule und an der Uni gelehrt. Die Wenigsten trauen es sich zu, seine Dramen zu lesen, denn die Sprache erscheint fremd und viel zu komplex, um einen Zugang zu finden. Insoweit sind Verfilmungen ein gutes Medium, um Shakespeares Werke der breiten Öffent-lichkeit näherzubringen.

Wagnis Shakespeare

Namhafte Regisseure und renommierte Schauspieler haben sich auf das Wagnis Shakespeare eingelassen und glänzende Arbeit geleistet. Mit Franco Zeffirellis Adaption von William Shakespeares Hamlet starte ich heute meine Reihe Die besten Shakespeare-Verfilmungen". Ich stelle euch nach und nach eine kleine Auswahl der für mich besten Verfilmungen vor, die zeigen, dass Shakespeares Werke auch nach über 400 Jahren noch aktuell sind und dass seine Einschätzung der menschlichen Natur noch immer Gültigkeit hat.

Hamlet

Prinz Hamlet von Dänemark (Mel Gibson) kehrt zur Beerdigung seines Vaters nach Helsingør zurück und ist außer sich, als er erfährt, dass seine Mutter Gertrude (Glenn Close) den Bruder seines Vaters, Claudius (Alan Bates), heiraten wird. Für ihn ist diese viel zu frühe Wiederverheiratung seiner Mutter Verrat an seinem verstorbenen Vater, den er nicht akzeptieren kann.




Foto:  STUDIOCANAL GmbH - Glenn Close als Gertrude, Alan Bates als Claudius

Der Geist des Vaters

Hamlets Freund Horatio (Stephen Dillane) erzählt ihm, dass der Geist seines Vaters immer noch umherirrt und dass er sich Hamlet oben auf der Burg zu erkennen gibt. Der Geist seines Vaters (Paul Scofield) erscheint Hamlet dort tatsächlich und offenbart ihm, dass er von Claudius vergiftet wurde und dass dieser heimtückische Mord gerächt werden muss. Fortan bestimmt Hamlets Racheplan sein Leben und seine Existenz gerät ins Wanken.

Entlarvung des Mörders

Er heuert eine Truppe Wanderschauspieler an und bittet sie, ein bestimmtes Stück in Anwesenheit von Gertrude und Claudius aufzuführen, zu dem er die Geschichte - den Mord an seinem Vater - liefert. Hamlet möchte sehen, wie Claudius sich durch seine Reaktion auf das Stück selbst entlarvt. Genau dies ist der Fall, und die Aufführung endet in einem Eklat. Claudius bemerkt schnell, wie gefährlich Hamlet ihm werden kann und schickt ihn auf eine Reise nach England, von der er nicht lebend zurückkehren soll.






 Foto: STUDIOCANAL GmbH - Mel Gibson als Hamlet

Rache um jeden Preis

Aber Hamlet kehrt zurück und muss seine große Liebe, Ophelia (Helena Bonham Carter), zu Grabe tragen, die, wie er viel zu spät erkennt, ebenfalls ein Opfer seiner Rachsucht wurde. Verzweifelt und völlig außer Kontrolle ist er so entschlossen wie nie zuvor, den Schuldigen zur Strecke zu bringen. Seine unbändige Wut setzt eine Kettenreaktion in Gang, die nur tödlich enden kann...

Mad Max als Hamlet: Fehlbesetzung oder Geniestreich?

Ein Action-Star als Hamlet? Schon im Vorfeld rümpfte man die Nase und bezweifelte, dass Mel Gibson der Aufgabe gewachsen sei. Ich war mir auch nicht sicher, bis ich den Trailer gesehen hatte und absolut erstaunt über Gibsons einzigartige Wandlungsfähigkeit war, die man angesichts seiner Action-Filme wie Mad Max oder Lethal Weapon nicht vermutet hätte.


Foto: STUDIOCANAL GmbH - Mel Gibson als Hamlet

Und so ist sein Hamlet auch nicht vorrangig der melancholische Zweifler, wie Shakespeare ihn angelegt hat. Er ist laut, provokant und seine physische Präsenz durchdringt jede Szene. Doch eines gelingt ihm wie keinem anderen: Er zeigt Hamlets Verletzlichkeit so berührend und ohne jegliches Pathos, dass es dem Zuschauer schwerfällt, diesen literarischen Charakter gänzlich zu verdammen.

Erstklassiger Regisseur und Traumbesetzung

Der italienische Franco Zeffirelli ist ein Meister seines Fachs und ein Garant für Qualität. Seine Shakespeare-Verfilmungen wie z.B. Der Widerspenstigen Zähmung mit Elisabeth Taylor und Richard Burton oder Romeo und Julia mit Leonard Whiting und Olivia Hussey sind unerreicht und zählen zu den Klassikern. Für seine Hamlet-Verfilmung stand ihm eine Riege der besten Film- und Theaterschauspieler zur Verfügung: Neben Mel Gibson spielen Größen wie Glenn Close, Alan Bates, Helena Bonham Carter, Paul Scofield, Nathaniel Parker und Stephen Dillane. Ihr großartiges Zusammenspiel macht den Film zu einem einzigartigen Erlebnis und zu einer beispiellosen Würdigung des wohl größten Dramatikers aller Zeiten.

Hamlet
Produktionsländer: England/Frankreich/Italien/USA
Erscheinungsjahr: 1990
Deutscher Vertrieb:  STUDIOCANAL GmbH, Berlin
Bilderquelle: Mein herzlicher Dank gilt ARTHAUS/STUDIOCANAL GmbH, www.arthaus.de, die mir alle aufgeführten Fotos inkl. DVD-Cover zur Verfügung gestellt hat.

24. März 2015

S. Kashner/N. Schoenberger: Furious Love. Elizabeth Taylor und Richard Burton - Die Liebesgeschichte des Jahrhunderts


Ich lese Biografien eigentlich recht selten, doch wenn es um Elizabeth Taylor und Richard Burton geht, bin ich immer sehr interessiert, denn die Liebesgeschichte der beiden Ausnahme-schauspieler ist einzigartig. Da aber schon so viel Skandalträchtiges über die beiden veröffentlicht wurde, habe ich vorsichtshalber erst einmal in eine Leseprobe geschaut. Ich war sofort begeistert - und das bin ich bei Biografien nicht oft - und habe das Buch gekauft.

Eindrucksvolle Biografie fernab von Sensa-tionsjournalismus

Was diese Biografie so einzigartig macht, ist die Tatsache, dass die Autoren Sam Kashner und Nancy Schoenberger die Lebens- und Liebesgeschichte der beiden Akteure mit Respekt und Wertschätzung und nicht im Stil von Sensationsjournalisten verfasst haben. Natürlich berichten die Autoren auch detailliert über die diversen Skandale des Glamour-Paars, doch sie halten dabei immer eine unsichtbare Diskretionslinie ein, die für Glaubwürdigkeit und Seriosität unabdingbar ist. Die Autoren zählen zu den wenigen, denen Elizabeth Taylor neue und exklusive Details über ihre Beziehung zu Burton offenbarte und denen sie darüber hinaus Zugang zu Burtons privaten Briefen gewährte. Diese Biografie beweist, dass Taylor mit Kashner und Schoenberger eine ausgezeichnete Wahl getroffen hat.

Cleopatra: Beginn einer großen Liebe und ein aufsehenerregender Skandal

Als sich Elizabeth Taylor und Richard Burton 1962 bei den Dreharbeiten zum Monumentalfilm Cleopatra in Rom kennenlernen, ist es Liebe auf den ersten Blick, obwohl die beiden nicht gegensätzlicher sein könnten: Taylor, erfolgsverwöhnter Kinderstar aus gutsituierter Familie, und Burton, Sohn eines walisischen Bergarbeiters und renommierter Theaterschauspieler mit Oxfordstudium. Ihre leidenschaftliche Affäre bleibt nicht lange geheim und ruft die Paparazzi auf den Plan: Denn beide sind noch verheiratet und machen trotz allem gar keine Anstalten, ihre Liebe zu verstecken. Ein Foto des Paares, das sie küssend auf einem Boot zeigt, geht um die Welt und sorgt für einen handfesten Skandal, bei dem sich sogar der Vatikan zu Wort meldet und beide öffentlich rügt. Taylor und Burton lassen sich schließlich von ihren jeweiligen Ehepartnern scheiden und heiraten 1964. So beginnt die Geschichte des schillerndsten Skandalpaares der 60er Jahre, das zu den bestbezahlten Schauspielern seiner Generation zählte.

Zwei Ehen - zwei Scheidungen

Taylors und Burtons extravaganter Lebensstil gepaart mit leidenschaftlichen - oftmals handgreiflichen - Auseinandersetzungen und ihr exzessiver Alkoholkonsum waren ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse. Sie wurden entweder hochgelobt oder gnadenlos zerrissen. Doch schließlich forderte ihr unstetes, skandalgeprägtes Leben seinen Tribut: Ihre Ehe scheiterte und ließ beide ins Bodenlose fallen. Sie heirateten ein zweites Mal, doch auch diese Ehe hielt nicht lange. Längst waren beide - und hier vor allem Burton - ausgebrannt und des Streitens müde.

Unvergängliche Liebe ohne Happy End

Doch bis zum frühen Tod Richard Burtons im Jahr 1984 hielten sie stets Kontakt. Burton schrieb Taylor immer noch Liebesbriefe, obwohl beide längst neu verheiratet waren. 1973 drehten sie sogar noch einen letzten gemeinsamen Film: Seine Scheidung, ihre Scheidung. Als Burton dann plötzlich an einer Hirnblutung starb, verbot seine Witwe Elizabeth Taylor angeblich sogar, zur Beerdigung zu kommen. Doch sie ließ es sich nicht nehmen, sich von ihrer großen Liebe zu verabschieden und besuchte Burtons Grab in der Nacht. Ein privater Abschied war ihr jedoch nicht vergönnt: Zahlreiche Paparazzi, die seit Tagen auf dem Friedhof ausgeharrt hatten, warteten nur darauf, ein Foto der trauernden Taylor zu schießen und waren so penetrant, dass ihre Freunde sie abschirmen mussten.

Fesselnd bis zur letzten Seite

Diese Biografie ist sehr gut geschrieben und so mitreissend, dass ich sie euch nur wärmstens empfehlen kann. Man erfährt viel über das Showbiz, die ausgezeichneten Filme der beiden Schauspieler (z.B. Wer hat Angst vor Virginia Woolf?, Der Widerspenstigen Zähmung, Die Stunde der Komödianten etc.) und darüber hinaus auch über die berühmten Freunde des Paares wie z.B. Marlon Brando, Maria Callas, Robert Kennedy, Montgomery Clift, die Rothschilds und viele mehr. Für mich ist das Buch ein absolutes Must Read - nicht nur für Taylor/Burton Fans.

Sam Kashner und Nancy Schoenberger: Erfolgreiches Autorenehepaar

Sam Kashner ist Redakteur bei Vanity Fair und hat bisher drei Sachbücher und einen Roman, Sinatraland, veröffentlicht. Seine Ehefrau, Nancy Schoenberger, ist mit der Biografie Dangerous Muse: The Life of Lady Caroline Blackwood bekannt geworden und lehrt Creative Writing am College of William and Mary in Williamsburg/Virginia. Dies ist das dritte gemeinsame Buch des erfolgreichen Autorenehepaares.

Weitere Informationen findet ihr unter www.samkashner.com. Nancy Schoenberger hat leider keine eigene Website. 

Originalausgabe: Kashner, Sam/Schoenberger, Nancy: Furious Love. Elizabeth Taylor, Richard Burton, and the Marriage of a Century. New York: HarperCollins Publishers, 2010.
Deutsche Ausgabe: Kashner, Sam/Schoenberger, Nancy: Furious Love. Elizabeth Taylor und Richard Burton - Die Liebesgeschichte des Jahrhunderts. München: Heyne Verlag/Randomhouse, 2012 (ISBN: 978-3-453-20012).
Bildquelle: www.randomhouse.de

21. März 2015

Sherlock Holmes "old style"

Nachdem Benedict Cumberbatch Arthur Conan Doyles etwas verstaubter literarischer Figur des Sherlock Holmes wieder Leben eingehaucht und ihr einen neuzeitlichen Anstrich gegeben hat, ist sein Sherlock mittlerweile Kult - absolut zu Recht, denn Cumberbatch spielt diesen eigenbrötlerischen, hochintelligenten Querkopf so exzellent, dass man sich gar nicht mehr vorstellen kann, dass dieser fiktive Charakter eigentlich im späten 19. Jahrhundert bzw. frühen 20. Jahrhundert angelegt wurde.

Traditioneller Holmes in historischem Setting

Für mich war Cumberbatch der ideale Holmes, bis ich vor kurzem auf den Film Sherlock Holmes: Der Seidenstrumpfmörder, eine BBC-Produktion mit Rupert Everett als Holmes und Ian Hart als Watson, gestoßen bin, der mich total begeistert hat. Es handelt sich hier zwar nicht um eine Adaption einer von Doyles Sherlock Holmes Geschichten, seine Protagonisten Holmes und Watson wurden aber nach Doyles literarischen Vorgaben übernommen. Die Story bzw. das Drehbuch wurde von Allan Cubitt geschrieben und von Regisseur Simon Gellan Jones filmisch umgesetzt.



Foto: KSM GmbH

Mordserie in Londons High Society

Die Geschichte spielt in London im Jahre 1902. Sherlock Holmes ist mehr als gelangweilt, seit sein Freund Watson sich mit der amerikanischen Psychologin Jenny Vandeleur verlobt hat und verbringt seine Freizeit in Londons berüchtigten Opiumhöhlen. Da wird am Ufer der Themse eine Frauenleiche entdeckt, der ein Seidenstrumpf um den Hals gewickelt wurde. Watson bittet Holmes um Hilfe, der zunächst mangels Interesse ablehnt, dann aber doch neugierig wird und sich die Leiche im Leichenschauhaus ansieht. Nachdem man anfänglich aufgrund der Kleidung angenommen hatte, dass es sich bei dem Opfer um eine Prostituierte handelt, entdeckt Holmes nicht nur, dass in der Kehle der Leiche ein weiterer Seidenstrumpf steckt, sondern muss auch zu seinem Entsetzen feststellen, dass es sich bei der Toten um Alice Pentny, eine junge Dame der High Society und Tochter des Herzogs und der Herzogin von Narborough, handelt. Der Vater des Mädchens beauftragt Holmes, den Mörder seiner Tochter zu finden - ganz gleich zu welchem Preis - und Holmes willigt ein.



Foto: KSM GmbH

Ein Köder für den Killer

Schon bald findet man ein weiteres Opfer, wieder eine junge Dame aus der Oberschicht, die der Killer an einem Laternenmast mit einem Seidenstrumpf aufgehängt hat. Die Londoner High Society ist in heller Aufruhr, und Holmes gerät immer mehr unter Zugzwang. Als dann noch ein weiteres Mädchen entführt wird, weiß Holmes, dass er den Killer nur fassen kann, wenn er zum äußersten Mittel greift: einen Köder in Gestalt der jungen Roberta Massingham. Doch die Situation gerät außer Kontrolle und für Holmes und Watson beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, den sie unbedingt gewinnen müssen, wenn sie Robertas Leben retten wollen...

Rupert Everett: Die perfekte Verkörperung des Sherlock Holmes



Foto: KSM GmbH

Ich fand diesen Film wirklich sensationell, denn es hat einfach alles gestimmt. Das Setting, London zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die Kostüme, die schaurige Atmosphäre im Londoner Nebel, aber am meisten begeistert haben mich die brillanten Hauptdarsteller Rupert Everett als Holmes und Ian Hart als Watson. Everetts Darstellung des Sherlock Holmes ist für mich bisher unübertroffen. Er spielt diesen verstandsdominierten literarischen Charakter mit einer Arroganz und Dekadenz, dass es Spaß macht, ihm dabei zuzuschauen. Er besticht durch seine Eleganz, seinen Stil und vor allem auch durch seine offensichtliche Selbstverliebtheit. Everett lässt aber immer wieder auch hinter Holmes' Fassade blicken und zeigt uns in kurzen Momenten den einsamen Menschen voller Selbstzweifel und Melancholie, der dahinter steckt. Er wurde für seine Darstellung des Holmes für den Satellite Award nominiert.

Foto: KSM GmbH

Exzellente Nebendarsteller

Ian Hart, ein ebenso brillanter Schauspieler, schafft mit seinem leisen, überlegten Watson ein gleichwertiges Pendant zu Holmes, das um Längen zugänglicher ist und Holmes sehr gut ergänzt. Das hervorragende Zusammenspiel der beiden Hauptakteure macht den Film so sehenswert. Auch Inspector Lestrade ist mit dem britischen Schauspieler Neil Dudgeon, dem neuen Inspector Barnaby, sehr gut besetzt. Das Gleiche gilt für Holmes' Vermieterin Mrs. Hudson, die von der Schauspielerin Anne Carroll dargestellt wird.

Schaut euch diesen Film unbedingt an. Arthur Conan Doyle hätte er bestimmt sehr gefallen...


DVD: Sherlock Holmes - Der Seidenstrumpfmörder (Originaltitel: Sherlock Holmes and the Case of the Silk Stocking - BBC, 2004). Deutscher Vertrieb: KSM GmbH, Wiesbaden
Bilderquelle: Mein herzlicher Dank gilt der KSM GmbH, www.ksmfilm.de, die mir alle aufgeführten Fotos inkl. DVD-Cover zur Verfügung gestellt hat.

18. März 2015

Alan Bennett: Die souveräne Leserin

Heute möchte ich euch eine unvergleichliche Novelle des britischen Schriftstellers Alan Bennett vorstellen: Die souveräne Leserin. Selten habe ich mich beim Lesen so köstlich amüsiert wie mit dieser herrlichen Geschichte, die vor Esprit und britischem Humor nur so sprüht. Dies liegt sicher vor allem daran, dass Bennett eine ganz spezielle Hauptfigur in den Fokus seiner Novelle gestellt hat. Nicht viele hätten es gewagt, die englische Königin zur Protagonistin zu machen und uns den etwas anderen Alltag des höchsten Royals so hintergründig und humorvoll darzulegen. Aber Alan Bennett ist ein Meister seines Fachs, der seine Charaktere nie blossstellt, sondern ihre Schwächen liebevoll darlegt.

Her Majesty im Bücherbus

Weil ihre heißgeliebten Hunde, die Corgis, mal wieder nicht so gehorchen wie sie sollen, findet sich die Queen auf der Suche nach ihren vierbeinigen Lieblingen plötzlich auf einem der Palasthöfe wieder. Dort entdeckt sie ihre kläffenden Corgis und zu ihrer Überraschung auch einen Bücherbus samt Fahrer, Mr. Hutchings, und Norman Seakins, einen Bediensteten der Palastküche, der sich als sehr belesen erweist. Weil sie nicht unhöflich sein möchte, leiht sie sich ein Buch aus, obwohl sie, wie sie sagt, ja eigentlich gar keine Zeit zum Lesen hat.

Späte Leidenschaft

Sie liest das Buch eher aus Pflichtgefühl, findet es für ihren Geschmack auch viel zu zäh, doch fortan ist es um sie geschehen: Sie entdeckt ihre Leidenschaft fürs Lesen - wenn auch sehr spät, wie sie findet - und nutzt jede Möglichkeit, um sich in die unterschiedlichsten Bücher zu vertiefen. Da ihr Norman immer mehr oder weniger wertvolle Tipps gibt und auch ansonsten von ihrer Präsenz in keiner Weise eingeschüchtert ist, befördert sie ihn kurzerhand zum Pagen, was vor allem ihrem neuseeländischen Privatsekretär, Sir Kevin Scatchard, ein Dorn im Auge ist.

Entsetztes Umfeld

Ihr Umfeld ist alles andere als begeistert, denn sie, die stets Pünktliche und Pflichtbewusste, setzt plötzlich andere Prioritäten und entwickelt sogar zum Missfallen ihres Gatten Philip auch noch eine unschlagbare Technik, wie sie im Auto gleichzeitig lesen und der Menge königlich zuwinken kann. Ein von ihr unter einem Kissen in ihrer Kutsche verstecktes Buch wird sofort vorsorglich gesprengt, weil man selbst die bloße Möglichkeit, dass das Buch der Queen gehören könnte, gar nicht erst in Erwägung zieht.

Düpierte Staatsgäste

Zum Entsetzen des Premierministers bindet sie schließlich auch noch die Staatsgäste in ihr neues Lieblingsthema mit ein. So fragt sie z.B. den französischen Präsidenten bei einem Staatsbankett über den Skandalschriftsteller Jean Genet aus und erwischt ihn prompt auf dem falschen Fuß - wieder ein absolutes No-Go in Sir Kevins Welt.

Folgenschwere Entscheidung

Als die Queen dann auch noch beginnt, sich Notizen zu den Büchern zu machen und ständig einen Block dabei hat, macht sich am Hof in Windeseile das Gerücht breit, sie sei an Alzheimer erkrankt. Doch sie war geistig nie fitter und nimmt sich Zeit zur Selbstreflexion. Sie sieht die Menschen jetzt aus einem anderen Blickwinkel und bekommt ein Gefühl für ihre Stimmungen. Sie bedauert, dass sie Pflichterfüllung stets vor Vergnügen gestellt hat und trifft an ihrem 80. Geburtstag dann eine folgenschwere Entscheidung, nach der nichts mehr so sein wird, wie es vorher war...

Leidenschaftliches Plädoyer für das Lesen

Diese zauberhafte Geschichte ist in erster Linie ein leidenschaftliches Plädoyer für die Literatur und das Lesen. Sie zeigt mit Witz und Esprit, wie Bücher die Sichtweise von Menschen verändern können, wie sie von ihnen lernen und an ihnen wachsen. Bennets Queen ist da keine Ausnahme, denn - wie der Autor es schon so treffend formulierte - vor der Literatur sind alle Leser gleich.

Alan Bennett: Gefeierter Theaterautor und Schriftsteller

Alan Bennett, preisgekrönter britischer Bühnen- und Theaterautor und Schriftsteller wurde 1934 in Leeds geboren. Er studierte Geschichte am Exeter College dank Stipendium und erhielt sogar eine Juniorprofessur in Oxford. Bekannt wurde er 1960 durch die satirische Revue "Beyond the Fringe". Er schrieb unzählige Theaterstücke, u.a. auch das großartige "The Madness of King George", das mit Nigel Hawthorne und Helen Mirren verfilmt wurde. Zudem schrieb er für Funk und Fernsehen und veröffentlichte darüber hinaus auch Prosa.

Da Alan Bennett keine eigene Website hat, findet ihr weitere Informationen über ihn und seine Werke auf der englischen Wikipedia-Seite http://en.wikipedia.org/wiki/Alan_Bennett, die recht ausführlich ist.

Originalausgabe: Bennett, Alan. The Uncommon Reader. London: Faber and Faber Ltd., 2007.
Deutsche Ausgabe: Bennett, Alan. Die souveräne Leserin. Aus dem Englischen von Ingo Herzke. Klaus Wagenbach Verlag/SALTO, Berlin, 2008 (ISBN: 978-3-8031-1254-5).
Bildquelle: www.wagenbach.de

14. März 2015

Linda Castillo: Die Zahlen der Toten

Heute möchte ich euch einen erstklassigen Thriller der US-amerikanischen Schriftstellerin Linda Castillo vorstellen: Die Zahlen der Toten. Dies ist das erste Buch ihrer Reihe um Chief of Police Kate Burkholder, eine unkonventionelle Polizeichefin mit amischen Wurzeln. Was mir an diesem Buch besonders gefällt, ist, dass es nicht nur ungemein fesselnd ist, sondern dass man als Leser auch sehr viel Informationen über die Lebensart der Amischen erhält, die uns recht befremdlich erscheint.

Zwei Welten

Die Geschichte spielt in Painton Mills, einer verschlafenen ländlichen Kleinstadt in Ohio, in der auch eine Amisch-Gemeinde beheimatet ist. Die Amischen sind eine streng protestantische Glaubensgemeinschaft, die primär von den Südwestdeutschen und Deutschschweizern abstammt (sie sprechen daher auch das sogenannte Pennsylvaniadeutsch). Sie leben sehr abgeschieden, zumeist von der Landwirtschaft, lehnen den technischen Fortschritt weitgehend ab, und ihr Zusammenleben ist stark in den traditionellen Rollen verankert (ihr habt sie bestimmt schon mal im Fernsehen gesehen, sie fahren noch mit Kutschen, die Männer tragen Hüte und lange Bärte und die Frauen eine schwarze Kappe). Kate Burkholder, die man zur ersten weiblichen Polizeichefin des Ortes gemacht hat, stammt aus einer amischen Familie, wurde aber von ihr verstoßen, weil sie sich mit 18 weigerte, der Glaubensgemeinschaft endgültig beizutreten bzw. ihr weiter anzugehören.  Mit ihrer Wahl zur Polizeichefin hofft man, eine Vermittlerin zwischen den zwei Welten - der ländlichen amerikanischen Bevölkerung und der amischen Gemeinde - gefunden zu haben.

Mord in Amish Country

Als man auf einem Feld des amischen Farmers Isaac Stutz die beängstigend zugerichtete Leiche eines jungen Mädchens findet, der man eine römische Ziffer in den Bauch geritzt hat, kann Kate Burkholder es nicht fassen: Der Mord trägt haargenau die Handschrift des Serienkillers, den die Presse Schlächter nannte und der vor 16 Jahren bereits vier junge Frauen in Painton Mills getötet hat. Als ein zweites Mädchen ermordet wird, das im Unterschied zum ersten Opfer zur amischen Gemeinde gehört, stellt man Burkholder Agent John Tomasetti vom BCI Bureau of Criminal Identification and Investigation zur Seite, da man ihr als Berufsanfängerin nicht zutraut, den Fall allein zu lösen. Burkholder ist außer sich, denn der nach dem Tod seiner Familie völlig ausgebrannte Tomasetti scheint nicht wirklich eine Hilfe zu sein.

Rückkehr des Schlächters?

Doch ihr ist schnell klar, dass Eitelkeiten hier fehl am Platz sind, denn die Zeit läuft ihnen davon, und der Killer scheint immer einen Schritt voraus zu sein. Nur Kate Burkholder allein weiß, dass es nicht der Schlächter war - doch dieses Wissen kann sie keinesfalls preisgeben, denn es würde ein Geheimnis offenbaren, das ihr Leben und das ihrer Familie zerstört. Doch Tomasetti ahnt, dass sie etwas verbirgt und lässt nicht locker. Und so muss Burkholder alles auf eine Karte setzen, um sich und ihre Familie zu schützen und endlich den wahren Killer zu fassen...

Kate Burkholder und John Tomasetti: Traumatisierte Ermittler

Mit Kate Burkholder und John Tomasetti hat Linda Castillo zwei vielschichtige Charaktere geschaffen, die keine Superhelden sind, sondern beide mit schweren Traumata zu kämpfen haben, die im Laufe der Geschichte offenbart werden. Während Burkholder das Geschehene verdrängt und von Alpträumen geplagt wird, befindet sich Tomasetti in einer Abwärtsspirale aus Alkohol und Tabletten. Doch die Mordserie bringt ihren Lebensalltag aus den Fugen und zwingt sie, trotz aller Differenzen und Hindernisse weiterzumachen. All dies wird ohne Pathos und Rührseligkeit erzählt und macht den Roman so gelungen.

Pageturner für Leser mit starken Nerven

Es ist ein absolut gelungener Debutroman, ein echter Pageturner, den man nicht mehr aus der Hand legen kann, denn Linda Castillo ist eine exzellente Erzählerin, die den Spannungsbogen meisterhaft aufbaut. Der Leser wird immer tiefer in das Geschehen hineingezogen und muss bis zum furiosen Finale starke Nerven haben. Ich habe die komplette Serie gelesen und finde sie hervorragend. Die Romane ähneln sich in keiner Weise und sind alle unglaublich spannend. Ihr solltet sie allerdings in der richtigen Reihenfolge lesen, denn sie bauen gerade im Hinblick auf die Geschichte der Hauptfiguren aufeinander auf. 

Linda Castillo: Preisgekrönte Thriller-Expertin

Linda Castillo stammt aus Dayton/Ohio. Sie wusste schon in jungen Jahren, dass sie Schriftstellerin werden wollte und hat bereits mit 13 Jahren ihre erste Geschichte geschrieben. Sie hat bisher 27 Romane veröffentlicht - sechs davon in ihrer Kate Burkholder Reihe - und zahlreiche Preise, u.a. den Daphne du Maurier Award of Excellence, erhalten. Ihr neuer Kate Burkholder Thriller After the Storm erscheint im Juli dieses Jahres.

Weitere Informationen über Linda Castillo findet ihr auf ihrer Website www.lindacastillo.com.


Originalausgabe: Castillo, Linda. Sworn to Silence. New York: Minotaur Books, 2009.
Deutsche Ausgabe: Castillo, Linda. Die Zahlen der Toten. Aus dem Amerikanischen von Helga Augustin. Fischer Taschenbuch Verlag, 2010 (ISBN: 978-3-596-18440-8).

12. März 2015

Zeit für Poesie


When You Are Old

When you are old and grey and full of sleep,
And nodding by the fire, take down this book,
And slowly read, and dream of the soft look
Your eyes had once, and of their shadows deep;

How many loved your moments of glad grace,
And loved your beauty with love false or true,
But one man loved the pilgrim soul in you,
And loved the sorrows of your changing face;

And bending down beside the glowing bars,
Murmur, a little sadly, how Love fled
And paced upon the mountains overhead
And hid his face amid a crowd of stars.

William Butler Yeats



Quelle: Yeats, William Butler. The Collected Poems of W. B. Yeats. London: Wordsworth Editions Limited, 1994, pp. 32-33.

10. März 2015

Robert Goolrick: Eine verlässliche Frau

Heute möchte ich euch dieses sehr ungewöhnliche Buch des amerikanischen Schriftstellers Robert Goolrick vorstellen, dessen Handlung und Sprache gleichermaßen fesselnd wie verstörend sind. Es lässt sich in kein Genre packen, denn es ist Thriller und Liebesgeschichte, Psychodrama und Schauerroman zugleich. Ich hatte mir eine Leseprobe heruntergeladen und war sofort begeistert, denn das Buch hat eine richtige Sogwirkung", man muss es einfach weiterlesen.

Ehefrau per Inserat

Die Geschichte beginnt 1907 in einer Kleinstadt in Wisconsin. Ralph Truitt, 54, einer der reichsten dort ansässigen Geschäftsmänner, sucht per Inserat nach einer verlässlichen Frau" zwecks Heirat - eher aus praktischen als aus roman-tischen Gründen, wie er schreibt. Er scheint sie in der 20 Jahre jüngeren Catherine Land gefunden zu haben, die ihm mit Bild auf seine Annonce antwortet und sich als einfache, ehrliche Frau beschreibt. Truitt lädt sie zu sich nach Wisconsin ein und muss zu seiner Empörung feststellen, dass es sich hier nicht um die biedere Frau auf dem Foto handelt, die er für eine geeignete Ehefrau hielt, sondern um eine attraktive Frau in den besten Jahren, die zwar wie eine graue Maus gekleidet, aber für seinen Geschmack viel zu ansprechend ist.

Ein teuflischer Plan

Als Catherine Land Truitt jedoch das Leben rettet, ist er bereit, sie trotz ihrer Täuschung als Ehefrau zu akzeptieren.  Und sie willigt ein, denn somit ist der erste Schritt zur Realisierung ihres teuflischen Plans gelungen: Sie möchte so schnell wie möglich heiraten, um dann genauso schnell eine reiche Witwe zu werden. Das kleine blaue Fläschchen, das ihr dabei helfen soll, liegt bereits griffbereit unter ihrem Bett...

Durchkreuzte Pläne

Doch auch der enigmatische Ralph Truitt ist kein unbeschriebenes Blatt. Hinter der Maske des erfolgreichen Unternehmers steckt ein zutiefst vereinsamter Mann, der nach einer wilden Jugend mit unzähligen Affären, einer gescheiterten Ehe mit einer schönen Italienerin, die es nur auf sein Geld abgesehen hatte, und dem tragischen Tod seines Kindes im Leben wieder Fuss fassen möchte. Und auch er verbirgt ein dunkles Geheimnis und verfolgt seinen ganz eigenen Plan, bei dem Catherine eine wichtige Rolle spielen soll. Doch etwas, das stärker ist als die beiden, durchkreuzt ihre Pläne: Liebe...

Roman voller Gegensätze

Der Roman hat mich als Leser gleichermaßen begeistert und perplex zurückgelassen. Der Autor erzählt aus wechselnden Perspektiven, was aber nicht verwirrend ist, sondern der Geschichte ihre Tiefe verleiht. Robert Goolrick ist ein brillanter Erzähler, seine Sprache ist roh und poetisch zugleich, ohne Schnörkel und manchmal so direkt, dass einem der Atem stockt. Was mich aber am meisten beeindruckt hat, ist die Fähigkeit des Autors, vielschichtige Charaktere zu erschaffen, die jenseits von Stereotypen und Klischees liegen. Hierin liegt für mich auch das Erfolgsgeheimnis dieses Buchs, das bis zur letzten Seite fesselnd und für mich ein "Must Read" ist.

Robert Goolrick: Grandioser Schriftsteller in der Erzähltradition der Südstaaten

Robert Goolrick wurde in einer kleinen Universitätsstadt im US-Bundesstaat Virginia geboren. Er besuchte die John Hopkins Universität in Baltimore und ging nach seinem Abschluss einige Jahre nach Europa, um dort als Schauspieler bzw. Maler Karriere zu machen. Da er in beiden Metiers nicht erfolgreich war, kehrte er in die USA zurück und schrieb sein erstes Buch, eine Autobiografie mit dem Titel The End of the World As We Know It (Das Ende der Welt, wie wir sie kennen). Seine Eltern enterbten ihn nach Erscheinen des Buchs, denn Goolrick berichtet hierin schonungslos offen über seine traumatische Kindheit und seine daraus resultierende Alkoholsucht. Er bekam sein Leben aber wieder in den Griff und arbeitete erfolgreich in der Werbebranche. Als er dann aufgrund seines Alters - Anfang 50 -  gefeuert wurde, besann er sich wieder auf seine schriftstellerischen Wurzeln und schrieb den Roman Eine verlässliche Frau, der zum New York Times Bestseller wurde und ihm den Durchbruch bescherte. Goolrick hat noch ein weiteres Buch geschrieben, Heading Out to Wonderful (Ein wildes Herz), das ebenfalls sehr empfehlenswert ist.

Weitere Informationen über den Autor findet ihr auf seiner Website robertgoolrick.com.



Originalausgabe: Goolrick, Robert. A Reliable Wife. Chapel Hill/North Carolina: Algonquin Books of Chapel Hill/Workman Publishing, 2010.
Deutsche Ausgabe: Goolrick, Robert. Eine verlässliche Frau. Aus dem Englischen von Martin Ruben Becker. btb Verlag/Randomhouse, 2012 (ISBN: 978-3-442-74047-5).
Bildquelle: www.randomhouse.de

6. März 2015

Theaterdokumentation mit Kevin Spacey: NOW: In the Wings on a World Stage


Shakespeares Richard III
Theater-Welttournee mit Kevin Spacey, Sam Mendes und 
The Bridge Project Company

Foto: Kaleidoscope Home Entertainment

 Triumphaler Erfolg am
Londoner Old Vic Theatre

Foto The Old Vic Theatre: Kaleidoscope Home Entertainment

Als Richard III 2011 am Londoner Old Vic Theatre Premiere hatte, überschlugen sich die Kritiker mit Lobeshymnen für Hauptdarsteller Kevin Spacey und Regisseur Sam Mendes. Nach American Beauty war dies die zweite erfolggekrönte Zusammenarbeit der beiden Film- und Theatergiganten.

Erfolgreiche Welttournee

Anschließend gingen Spacey, Mendes und The Bridge Project Company, ein transatlantisches Bündnis amerikanischer und britischer Schauspieler, mit diesem Shakespeare Drama auf Welttournee. Hieraus entstand NOW: In the Wings on a World Stage, eine einzigartige Theaterdokumentation, die diese spezielle Theatertruppe über drei Kontinente und über 200 Vorstellungen lang begleitet. Man hat als Titel "NOW" gewählt, weil es das erste Wort des Dramas ist.

Die Dokumentation zeigt die Schauspieler und den Regissseur bei der Vorbereitung bzw. den Rehearsals sowie live auf der Bühne und fängt die Atmosphäre backstage so gekonnt ein, als sei man als Zuschauer hautnah dabei.


Fotos: Kaleidoscope Home Entertainment - Kevin Spacey als Richard III, Annabel Scholey als Lady Anne

Körperliche Tour de Force

Die Dokumentation zeigt, wie körperlich fordernd der Job eines Theaterschauspielers ist und welche enorme Konzentration und Disziplin er erfordert. Die Hauptlast liegt hier eindeutig auf Spacey, der jeden Abend sein Bein in ein Stahlkonstrukt zwängt, seinen Buckelsuit über die Schulter schnallt, um dann über 3 Stunden lang Shakespeares deformierten Schurken zu geben - das ist schon eine körperliche Tour de Force. 



 Fotos: Kaleidoscope Home Entertainment

A Family of Actors

Es macht großen Spaß mitzuerleben, wie die Schauspieler miteinander agieren, wie sich jeder unterschiedlich seiner Rolle annähert - angefangen von den Jungschauspielern wie Annabel Scholey als Lady Anne und Isaiah Johnson als Rivers, Lord Mayor, bis hin zu den Theatergrößen wie Kevin Spacey als Richard III, Gemma Jones als Queen Margaret, Haydn Gwynne als Queen Elizabeth und Maureen Anderman als Duchess of York. Man kann dabei zusehen, wie hier eine Schauspielerfamilie entsteht, die trotz unterschiedlicher Charaktere ein einheitliches Ganzes ergibt, was am Ende auch ihren Erfolg ausmacht.

 Foto: Kaleidoscope Home Entertainment - Gemma Jones als Queen Margret

Und so verbringen die Schauspieler dann während der Tournee auch oftmals ihre karge Freizeit zusammen - sie schippern z.B. am Golf von Neapel entlang oder machen gemeinsam eine Jeep-Tour durch die Wüste bei Doha/Qatar. Wenn sich Spacey z.B. einen Sandhügel herunterrollt oder sich aus dem Jeep hängt, während die anderen Schauspieler vor Begeisterung kreischen - dann sind das wirklich witzige Momentaufnahmen, die uns auch ein wenig über den Menschen hinter der Rolle verraten.

Jenseits des Glamours

Das Besondere an dieser Dokumentation ist, dass sie nicht nur die schönen Momente einfängt, sondern auch die unglamourösen. So sind die Schauspieler z.B. einmal bei den Proben müde und grantig und machen auch gar keinen Hehl daraus, weil man sie in einem Hotel einquartiert hat, das umgebaut wird und sie daher nicht schlafen konnten. Einige Schauspieler haben Heimweh und vermissen ihre Familien. Ein anderer Schauspieler wiederum erzählt uns von seiner gerade überwundenen Krebserkrankung. Alles das wird in leisen Tönen eingefangen, ohne zu tief in die Privatsphäre der Akteure einzudringen.

Internationale Bühnen

Neben dem Old Vic zeigt die Dokumentation die folgenden internationalen Stationen dieser einzigartigen Welttournee:

- Epidaurus Amphitheatre, Epidaurus/Griechenland


















Foto: Kaleidoscope Home Entertainment

Das Theater von Epidaurus zählt zu den größten Theatern der Antike mit einer fantastischen Akustik. Es ist noch sehr gut erhalten und bietet ca. 14.000 Zuschauern Platz. Die Dokumentation beginnt mit einem kurzen Flashback zur phänomenalen Aufführung in Epidaurus. Die Sonne geht langsam unter, das Theater füllt sich und in der Luft liegt die gespannte Erwartungshaltung der Zuschauer. Diese besondere Atmosphäre hat Regisseur Jeremy Whelehan brillant eingefangen - sie geht wirklich unter die Haut. Ihr müsst es euch selbst ansehen, denn man kann es mit Worten nicht beschreiben.

Weitere internationale Stationen, über die berichtet wird, sind:

- Harbiye Muhsin Ertugrul Theatre, Istanbul/Türkei
- Teatro Politeama, Neapel/Italien
- Curran Theatre, San Francisco/USA
- National Centre for the Performing Arts, Beijing/China
- Sydney Lyric Theatre, Sydney/Australien
- Qatar National Convention Centre, Doha/Qatar
- BAM Harvey Theater, Brooklyn, New York/USA

Interessant zu erfahren war auch, wie unterschiedlich die internationalen Zuschauer auf diese Aufführung von Richard III reagierten. Während das griechische und italienische Publikum sehr emotional dabei war, lauschte das chinesische Publikum sehr andächtig und war sehr konzentriert.

Der letzte Vorhang fiel dann am 4. März 2012 im BAM Harvey Theater, Brooklyn, New York/USA.


















Foto: Kaleidoscope Home Entertainment

Ich möchte euch diese Theaterdokumentation wirklich wärmstens empfehlen. Sie ist leider nur im englischen Original ohne Untertitel erhältlich, aber ich finde, man sollte sie gesehen haben, denn sie gewährt seltene Einblicke hinter die Kulissen einer solchen Mammutproduktion und vermittelt mit Ernsthaftigkeit und Witz den nicht alltäglichen Alltag eines Theaterschauspielers.

Abschließend noch ein kleiner Hinweis: Auf dem oben aufgeführten DVD-Cover seht ihr das Gemälde des britischen Malers Jonathan Yeo, der Spacey als Richard III porträtierte. Es hing sogar für einige Zeit in der National Gallery in London. Schaut mal auf seine Website www.jonathanyeo.com, seine Gemälde sind toll.

Alle Fotos wurden mir mit freundlicher Genehmigung von Kaleidoscope Home Entertainment zur Verfügung gestellt  (www.kaleidoscopehomeentertainment.com).

3. März 2015

Veranstaltungstipps

 Shakespeare-Festival im Globe Neuss: 28. Mai - 27. Juni 2015

Foto: Christoph Krey - www.shakespeare-festival.de

Heute möchte ich euch ein Juwel unter den Theaterfestivals in NRW vorstellen. Es handelt sich um das Shakespeare-Festival im Globe Neuss, das einmal im Jahr einen der weltgrößten Dramatiker und seine Werke feiert: William Shakespeare.

Mitten in einem kleinen Wäldchen auf der Rennbahn befindet sich seit 1991 das Globe-Theater, das Platz für 500 Besucher bietet. Es ist ein Nachbau des von Shakespeares Theatertruppe "The Chamberlain's Men" 1599 erbauten Londoner Theaters "The Globe Theatre" (lest auch mal den kleinen historischen Exkurs von Britta Ohmert auf der o.g. Website unter Das Globe - My Wooden O - sehr interessant mit vielen Zusatz-informationen). Die eigenwillige Konstruktion besteht aus Holz und Stahl und ermöglicht eine spezielle Interaktion zwischen Zuschauer und Schauspieler. Die Zuschauer sitzen im Halbrund auf unterschiedlichen Ebenen, sind mitten im Geschehen und sehr nahe bei den Schauspielern. 

Foto: www.shakespeare-festival.de - Innenansicht Globe

Ich habe hier schon einige Shakespeare-Inszenierungen gesehen, und ich muss sagen, dass die Atmosphäre im Globe Neuss wirklich jedes Mal einzigartig ist. Wenn man von der Magie des Theaters spricht, so ist sie in diesem wunderbaren Theater ganz deutlich spürbar. Es gibt nichts Schöneres, als sich dort an einem lauen Sommerabend z.B. Shakespeares Sommernachtstraum anzuschauen. Egal ob moderne, klassische oder schräge Inszenierung - die Aufführungen sind jedes Mal ein Genuss. Jede unterschiedliche Theatertruppe bietet ihre eigene Interpretation der jeweiligen Werke, die entweder in englischer oder deutscher Sprache aufgeführt werden. Teile der Aufführungen (wie z.B. vor einigen Jahren bei Henry V) finden auch schon mal draußen statt, was auch ein ganz besonderes Erlebnis ist.

Vielversprechendes Programm 2015

Auch in diesem Jahr ist das Programm wieder breit gefächert. Die nachfolgenden Inszenierungen werde ich mir nicht entgehen lassen:

Romeo and Juliet
Shakespeare at the Tobacco Festival, Bristol
Regie: Polina Kalinina
Mit: Alan Coveney, Paul Currier, Paapa Essiedu, Craig Fuller, Chris Garner, Joey Hickman, Oliver Hoare, Timothy Knightley, Hannah Lee, Callum McIntyre, Sally Oliver, Fiona Sheehan, Daisy Whalley, Jack Wharrier
Im englischen Original

Ich bin sehr gespannt, wie diese erfolgreiche Theatertruppe aus Bristol dieses Shakespeare Drama umsetzt. Romeo and Juliet ist eines meiner All-Time-Favourites, und ich habe es wirklich schon sehr oft gesehen, aber ich lasse mich immer wieder gerne aufs Neue überraschen.

Macbeth
Piper Productions, London
Regie und Adaption: Guy Retallack
Produktion: Daniel Krupnik
Mit Thea Beyleveld und dem Emsemble der Piper Productions
Im englischen Original

Hierauf freue ich mich besonders: Zum einen weil Macbeth zu meinen Lieblingsdramen zählt, zum anderen weil diese Inszenierung bereits preisgekrönt ist - sie erhielt zwei Off West End Awards und einen Broadway World Award für die beste Regie.

SOMMERNACHTSTRAUM! Eine Shakespeare-Revue
Mit Dominique Horwitz, Lautten Compagney Berlin, Melanie Hirsch

Dominique Horwitz, einzigartiger deutsch-französischer Schauspieler und Sänger, spielt den Puck und präsentiert eine musikalische Revue mit Liedern und Bühnenmusik aus der Shakespeare-Zeit. Ich glaube, das wird ein Genuss, denn Horwitz sprüht immer nur so vor Energie.

Dies ist nur meine subjektive Auswahl. Schaut mal in das Programm unter www.shakespeare-festival.de. Sobald euch eine Veranstaltung interessiert, nicht lange warten, sondern ab 14. März 2015 sofort die Tickets bestellen unter Tel.: 02131-526-999-99.

Picknick am Globe

Eines werde ich sicherlich in diesem Jahr mit meinen Freunden ausprobieren - und zwar das Picknick am Globe. Vor der Vorstellung kann man an der Bar einen exklusiven Picknick-Korb buchen, der dann in der Pause bereitsteht. Dieser Korb enthält Baguette, Bergsalami, Mini-Frikadellen, Cheddar-Käse, Roquefort, Frischkäse, Branston Pickle und Trauben und kostet € 16,16. Ich werde euch berichten.

Und wenn ihr dann nach einem tollen Abend nach Hause geht, dreht euch nochmal um, denn das Globe erstrahlt in den schönsten Farben, ein magischer Anblick...

Foto: www.shakespeare-festival.de - Abendansicht Globe


See you at the Globe!!!


Alle Fotos sind der Website www.shakespeare-festival.de mit freundlicher Genehmigung der PRO CLASSICS GbR entnommen. Weitere Informationen inkl. eines Shakespeare-Magazins findet ihr ebenfalls auf dieser sehr ansprechend gestalteten Website.