15. Dezember 2015

"A Million Pages" ist umgezogen!!!


Ich bin mit meinem Blog A Million Pages zu WordPress umgezogen. Ab sofort findet ihr mich unter 

Ich freue mich, wenn euch der neue Look meines Blogs gefällt.























Viele Grüße

Eure Rosa



30. November 2015

Kurze Umzugspause




Ich bin gerade dabei, mit meinem Blog von Blogger zu WordPress umzuziehen. Da mir Blogger beim Export alle meine Artikel "zerschossen" hat, muss ich leider jeden meiner fast 80 Posts nachjustieren. Das nimmt doch mehr Zeit in Anspruch als ich dachte, daher lege ich jetzt eine ganz kurze Blog-Pause ein.

Ich bin aber zuversichtlich, dass ich spätestens zum Öffnen meines Türchens am Blogger-Adventskalender von Landkind und Chaosmacherin am 17.12. wieder da sein werde. 

Genießt die schöne Vorweihnachtszeit mit Glühwein und leckeren Plätzchen!

I'll be back!

Liebe Grüße

Eure Rosa
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Foto: www.shutterstock.com

22. November 2015

Die Poesie des Alltäglichen

Jean-Paul Didierlaurent: 
Die Sehnsucht des Vorlesers

Es gibt Bücher, die von der ersten bis zur letzten Seite einfach wunderbar sind. Dieses Romandebüt von Jean-Paul Didierlaurent gehört dazu. Es ist eines der wenigen Werke, auf das ich in der Buchhandlung durch sein Cover und sein besonderes Inlet aufmerksam geworden bin. Schon nach den ersten Sätzen wußte ich, dass dieser Roman etwas ganz Besonderes ist. Und dieser erste Eindruck ist nach Lektüre nicht nur geblieben, sondern hat sich noch verstärkt: Die Sehnsucht des Vorlesers ist ein zauberhaftes Buch voller Poesie, in dessen Fokus zwei einzigartige Außenseiter stehen, deren Leben durch Zufall miteinander verknüpft wird. Didierlaurent entführt uns in die auf den ersten Blick trostlos scheinende alltägliche Welt dieser Individualisten, nur um uns dann an der ganz besonderen Magie ihres jeweiligen Mikrokosmos teilhaben zu lassen. Dies gelingt ihm meisterhaft mit dieser außergewöhnlichen Geschichte, deren unaufgeregter Verlauf von der Poesie des Alltäglichen erzählt, die den Menschen in ihrer oftmals monotonen Arbeitswelt Halt und Sinn gibt.

Ein liebenswerter Bücherretter

Guylain Vignolles, 36, ist nicht wie alle anderen. Das liegt jedoch nicht nur an seinem merkwürdigen Namen, für den er sich schämt und der ihn schon in der Schule zum Gespött seiner Mitschüler machte. Sein eintöniges, einsames Leben, das er mit seinem Goldfisch namens Rouget de Lisle teilt, wird einzig und allein von seiner Liebe zu Büchern bestimmt. Und genau aus diesem Grund hasst er seinen Beruf: Er arbeitet als Maschinenführer in einer Papierverwertungsfabrik, in der täglich tonnenweise Bücher vernichtet werden - ein persönlicher Affront für den Literaturfreund, der sogar soweit geht und die Schreddermaschine als Bestie personalisiert. Weil er sich damit nicht abfinden will und kann, rettet er nach der allabendlichen Säuberung der Maschine stets einige noch intakte Seiten, die er zum Trocknen fein säuberlich zwischen Löschpapier legt. Diese Seiten, die aus den unterschiedlichsten Büchern stammen, liest er seinen Mitpendlern auf dem Weg zur Arbeit jeden Morgen im Regionalzug um 6.27 h laut vor. Von seiner Umwelt wird Guylain daher zwar als komischer Kauz wahrgenommen, aber man kommt nicht umhin, ihn irgendwie zu mögen, da er die zusammenhanglosen Auszüge aus Krimis, Kochbüchern etc. mit solcher Intensität vorliest, dass es auf eine gewisse Weise unterhaltsam ist.

Zwei ungewöhnliche Freunde

Auch Guylains Freundeskreis ist überschaubar, denn nur zwei Menschen genießen sein vollstes Vertrauen: Zum einen ist dies Yvon Grimbert, Guylains Kollege, der als Wachmann in der Fabrik arbeitet und ein leidenschaftlicher Fan klassischer Verskunst ist. Den lieben langen Tag liest er bevorzugt die klassischen Tragödien französischer Dichter, die er alle auswendig rezitieren kann. So spricht er dann auch oftmals in Reimen und hat damit auch schon einen LKW-Fahrer nachhaltig verstört, den Grimbert vor der Sicherheitsschranke erst einmal in Versform über die Bedeutung von Pünktlichkeit belehrte. Ein weiterer enger Freund ist der ältere Guiseppe Carminetti, ein ehemaliger Kollege, der bei einem tragischen Unfall durch die Bestie beide Beine verlor. Für ihn ist Guylain wie ein Sohn, den er oft mit italienischen Köstlichkeiten bekocht.

Ein USB-Stick mit einem ungewöhnlichen Tagebuch

Eines Tages findet Guylain beim Hochklappen seines Zugsitzes einen USB-Stick. Als er ihn abends an seinen Laptop anschließt, eröffnet sich ihm eine neue Welt: Die 28-jährige Julie, Toilettenfrau in einem Pariser Einkaufszentrum, die genau wie er gerne Dinge zählt und ebenfalls eine Außenseiterin zu sein scheint, beschreibt in ihrem ungewöhnlichen Tagebuch nicht nur ihren Alltag, sondern auch ihre ganz spezielle Welt- und Menschensicht. Guylain hat das Gefühl, sie schon ewig zu kennen, und seine monotone Alltagsroutine erscheint ihm auf einmal nicht mehr grau in grau. Er möchte sie unbedingt finden, doch weiß nicht, wie er es anstellen soll. Im Regionalzug liest er fortan Julies Eintragungen vor, und sein Publikum der Mitreisenden ist begeistert. Als er sich endlich seinem Freund Guiseppe anvertraut, weiß dieser Rat und tüftelt einen ganz besonderen Plan aus, der Guylains Leben grundlegend verändern wird und ihn - wenn auch mit kleinen Hindernissen - letztendlich zu Julie führt...

Ein Buchjuwel mit viel Charme, Poesie und Humor

Dieser Roman versprüht viel Charme und zeichnet sich durch einen ganz besonders feinen Humor aus. Bei meiner Lektüre im Zug war ich mehr als einmal versucht, einige Seiten laut vorzulesen, weil Didierlaurent einfach einen so wunderbaren Schreibstil hat. Die Poesie, die sich für ihn im Alltäglichen findet, führt er uns auf so unaufdringliche, magische Weise vor Augen, dass wir die Welt - wenn auch nur für eine kleine Weile - aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Und allein für diese Erfahrung hat es sich schon gelohnt, diesen Roman, den ich euch wärmstens empfehlen möchte, zu lesen. 

Jean-Paul Didierlaurent: Telekommunikations-Kundenbetreuer und Schriftsteller

Jean-Paul Didierlaurent wurde 1962 in La Bresse im Elsaß geboren und arbeitet im Kundenzentrum eines Telekommunikationsunternehmens. 

Zunächst schrieb der bodenständige Literaturliebhaber, der auch ein Stephen King Fan ist, diverse Kurzgeschichten. Eine dieser Erzählungen mit dem Titel Brume wurde 2010 mit dem renommierten Literaturpreis Prix Hemingway ausgezeichnet. Zwei Jahre später erhielt er für seine Kurzgeschichte Mosquito ein weiteres Mal den Prix Hemingway.  

Der Verlag Éditions Au Diable Vauvert, der Didierlaurent bereits seit 2010 unter Vertrag hat, veröffentlichte dann auch im letzten Jahr seinen ersten, hier vorgestellten  Roman, Die Sehnsucht des Vorlesers, der ein sensationeller Erfolg wurde. In weniger als vier Monaten wurden mehr als 60.000 Exemplare in Frankreich verkauft. In kürzester Zeit erstanden 26 internationale Verlagshäuser die Rechte an seinem einzigartigen Erstlingswerk. Laut dtv hat sich bereits einer der größten französischen Kinoproduzenten die Filmrechte gesichert.

Didierlaurent arbeitet derzeit an seinem zweiten Roman. Ich bin schon sehr gespannt.

Einen sehr informativen Artikel von Élise Descamps über den Autor findet ihr hier: http://www.la-croix.com/Culture/Livres-Idees/Livres/Jean-Paul-Didierlaurent-la-nouvelle-vie-d-un-employe-2014-08-26-1196822.
Quelle: La Croix, 26.08.2014.


Originalausgabe: Didierlaurent, Jean-Paul. Le Liseur du 6 h 27. Vauvert: Éditions Au Diable Vauvert, 2014.
Deutsche Ausgabe: Didierlaurent, Jean-Paul. Die Sehnsucht des Vorlesers. Aus dem Französischen von Sonja Finck. München: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, 2015.
Buchcover: www.dtv.de

15. November 2015

Kalte Rache

Harriet Lane: 
Denn nichts bleibt vergessen 

Seit Gillian Flynns Gone Girl und Paula Hawkins' Girl on the Train habe ich ein Faible für Domestic Noir, ein neues Subgenre der Kriminalliteratur. Der Thrill liegt darin, dass sich etwas Ungutes und schließlich abgrundtief Böses in die angebliche Normalität der häuslichen Sphäre schleicht. Besonderen Anklang finden die Ehe- bzw. Beziehungsthriller, bei denen der weibliche Aspekt in Gestalt der Protagonistin in den Vordergrund gerückt wird. Unauffällige Psychopathinnen oder allzu perfekte Haus- oder Karrierefrauen, hinter deren äußerlich heiler heimischer Welt ein Abgrund lauert, bescheren den Lesern schlaflose Nächte. Dies liegt meines Erachtens vor allem an der augenscheinlichen Normalität des Settings, der Figuren und der Handlung, die uns zunächst nichts Ungewöhnliches vermuten lässt. Doch schnell erkennen wir als Leser, dass wir der erzählenden Figur nicht trauen können: Wir entlarven sie als verwirrte Trinkerin wie in Girl on the Train oder als psychisch instabile und krankhafte Perfektionistin wie in Die stille Frau von A. S. A. Harrison. Und es ist genau dieses unsichere, dunkle Terrain, auf das wir uns bei der Lektüre begeben und das so erschreckend und bedrohlich ist. Andererseits macht es aber auch den Reiz dieses speziellen Genres aus.

Ein weiteres Highlight des Domestic Noir

Harriet Lanes Denn nichts bleibt vergessen ist ein außergewöhnliches Highlight des Domestic Noir. Der Roman wird abwechselnd aus Sicht der beiden Hauptfiguren Nina Bremner und Emma Nash erzählt. Sie sind beide Anfang 40 und leben im Norden Londons. Doch das ist auch das Einzige, was sie gemeinsam haben. Nina ist eine erfolgreiche, sehr vermögende Malerin, die mit ihrem zweiten Mann Charles, einem Architekten, und ihrer fast erwachsenen Tochter aus erster Ehe, Sophie, in einem wunderschönen Haus lebt. Sie ist wort- und weltgewandt, stets nach dem neuesten Trend gekleidet und macht bei jedem Anlass eine gute Figur. Emmas Leben hingegen verläuft nicht in wohlgeordneten Bahnen. Sie ist mit Ben, einem mittelmäßigen TV-Mann, verheiratet und hat ihre vielversprechende Karriere beim Fernsehen für ihre Kinder Christopher und Cecily aufgegeben. Bei Emma und Ben ist das Geld ständig knapp, und ihr Haus ist dringend reparaturbedürftig. Als Hausfrau und Mutter fühlt sich Emma fremdbestimmt und wie eine Gefangene. Ihre Kinder haben in ihrem Leben absolute Priorität, ihre Bedürfnisse stellt sie hinten an. Ihre Unzufriedenheit belastet ihre ansonsten glückliche Ehe mit Ben, der alles versucht, um seine Karriere voranzutreiben und seiner Familie ein besseres Leben zu ermöglichen.

Eine schicksalhafte Begegnung

Doch dann kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung der beiden Frauen. Nina hatte Emma zufällig bei ihren Einkäufen entdeckt und sie sofort wiedererkannt. Kurzzeitig hatte sie ihre gewohnte Contenance verloren und war aus dem Takt geraten, denn unschöne Erinnerungen, die wir als Leser noch nicht einordnen können, stiegen in ihr hoch. Nina erfüllt es nunmehr mit Genugtuung zu sehen, dass die einst so attraktive Emma nur noch ein Schatten ihrer selbst ist: Völlig überfordert und abgekämpft ist nicht mehr viel von der Frau übrig, die Nina einst kannte. Aber es reicht Nina nicht, Emma ausgelaugt und am Boden zu sehen, und so schmiedet sie einen Racheplan, der perfider nicht sein könnte: Sie zieht Emma, die vollauf mit ihren Kindern beschäftigt ist, beim Einkaufen das Portemonnaie aus der Tasche, nur um es ihr später dann als ehrliche Finderin zurückbringen zu können und Kontakt zu ihr zu erhalten. Emma erkennt Nina nicht und freut sich über die Aufmerksamkeit der Unbekannten, die so freundlich und hilfsbereit ist, denn in ihrer jetzigen Situation sehnt sie sich nach einer Freundin, mit der sie mal einen Kaffee trinken und sich aussprechen kann. Emma erkennt zwar, dass sie überhaupt nicht in die Welt der reichen, perfekten Nina passt und schämt sich auch ständig für ihr Aussehen und das Chaos in ihrem Leben.

Eine unentbehrliche Freundin?

Aber Nina scheint immer genau dann zur Stelle zu sein, wenn Emma Hilfe benötigt - so auch als Emmas kleiner Sohn Christopher plötzlich spurlos verschwindet. Emma ist mit den Nerven völlig am Ende und macht sich schwere Vorwürfe. Doch dann ist plötzlich ganz schnell wieder alles gut: Nina hatte die Polizei benachrichtigt und berichtet, der Kleine hätte vor ihrer Tür gegessen und mit ihrer Katze gespielt. Emma fällt ein Stein vom Herzen, als sie Christopher gesund und munter wieder in ihre Arme schließen kann und ist Nina unendlich dankbar. Was sie nicht weiß, ist, dass Nina Christopher, der auf seinem geliebten roten Roller unterwegs war und sich kurzzeitig ein kleines Stück von seiner Mutter entfernte, in einem von Emma unachtsamen Moment einfach mit zu sich nach Hause genommen hatte.

Während Emma nicht glücklicher sein könnte, eine so fürsorgliche und unentbehrliche Freundin gefunden zu haben, denkt sich Nina immer neue Boshaftigkeiten aus, um Emma zu schaden. Ben kommen erste Zweifel, doch Emma will die Bedenken ihres Mannes nicht hören. Als jedoch auch bei ihr endlich Erinnerungsfragmente aus der Vergangenheit hochkommen, ist es bereits zu spät, denn Nina hat sich vorgenommen, Emmas Leben vollständig zu zerstören...

Nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel

Nach dem ersten Kapitel dieses ungewöhnlichen Thrillers hatte ich auf jeder Seite ein ungutes Gefühl und konnte den Roman aufgrund der ständig präsenten unterschwelligen Spannung kaum aus der Hand legen. Ninas unaufgeregter, teuflischer Racheplan und Emmas Unbedarftheit stehen in einem ständigen Wechselspiel, das den Leser in Atem hält. Jedes Mal, wenn man denkt, dass sich das Blatt wendet oder Nina sich eines Besseren besinnt, offenbart sich ein weiterer bösartiger Schachzug bis schließlich im furiosen Finale alles eskaliert. Und so schleichend, wie sich die Handlung des Romans aufbaut, so völlig abrupt endet er - ohne Vorwarnung und ohne Ausweg. Der Leser bleibt mit einer grauenhaften Ahnung zurück, die sich nicht mehr verifizieren lässt. Alles in allem ist dieser Roman ein absolutes Leseerlebnis und sehr empfehlenswert.

Harriet Lane: Erfolgreiche Schriftstellerin trotz Handicap

Die englische Schriftstellerin Harriet Lane gibt nicht viel Privates von sich preis. Sie hat als Redakteurin für die renommierte Zeitung The Observer und die bekannte Zeitschrift Tatler gearbeitet und war darüber hinaus auch als freie Autorin für die Vogue, The Guardian und The Telegraph tätig.

Nachdem sie bereits vor einigen Jahren auf einem Auge erblindete, verliert sie nach und nach auch noch die Sehkraft auf ihrem zweiten Auge - ein herber Schicksalsschlag für die talentierte Autorin. Doch sie gibt nicht auf und will auch weiterhin Thriller schreiben. Einen großartigen Artikel der Autorin mit dem Titel On Her Blindness über ihre ganz spezielle Situation findet ihr in The Telegraph vom 19. Februar 2012: http://www.telegraph.co.uk/culture/9084505/On-her-blindness-by-Harriet-Lane.html.

Ihr erster Roman, das Psychodrama Alys, Always erschien 2012 und war ein großer Erfolg. Er wurde aber leider nicht ins Deutsche übersetzt. Ihr zweites Buch, Her, das hier vorgestellte Denn nichts bleibt vergessen, hat die Kritiker ebenfalls überzeugt und ist auf dem besten Wege, ein internationaler Bestseller zu werden.

Harriet Lane lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in London. Weitere Informationen über die Werke und Artikel der Autorin findet ihr auf ihrer Website www.harrietlane.co.uk.

Originalausgabe: Lane, Harriet. Her. London: Weidenfeld & Nicolson/Orion Publishing Group, 2014.
Deutsche Ausgabe: Lane, Harriet. Denn nichts bleibt vergessen. Aus dem Englischen von Peter Knecht. Berlin: Insel Verlag/Suhrkamp Verlag GmbH, 2015.
Buchcover: www.suhrkamp.de

8. November 2015

Filmtipp: "King Arthur"
Auf den Spuren des legendären Königs

© Disney
Schon als Kind habe ich Ritterfilme geliebt. Das lag vor allem an unseren beiden Nachbarjungs, mit denen ich aufgewachsen bin und die den Namen jedes einzelnen Ritters der Tafelrunde auswendig kannten. Nach und nach ließen sie mich als Barbie-begeistertes Mädchen auch an ihrem Wissen teilhaben, und schließlich standen mir König Artus und Lancelot näher als meine Jugendhelden/innen Hanni und Nanni und Fünf Freunde

Zahlreiche Filmklassiker

Von den zahlreichen Verfilmungen der Abenteuer des sagenumwobenen Königs Artus und seinen Rittern konnte und kann ich bis heute nicht genug bekommen. Den Anfang machten alte Filmklassiker wie Die Ritter der Tafelrunde mit Robert Taylor, Ivanhoe ebenfalls mit Robert Taylor und die TV-Serie König Arthur mit Oliver Tobias. Zu den Klassikern der heutigen Zeit zählen für mich Der erste Ritter mit Richard Gere, Camelot mit Joseph Fiennes oder auch Die Nebel von Avalon mit Angelica Huston.

King Arthur: Grandiose Neuinterpretation von Antoine Fuqua

Kürzlich bin ich auf eine tolle Verfilmung gestoßen, die mich absolut in ihren Bann gezogen hat: King Arthur von Regisseur Antoine Fuqua mit einem internationalen Staraufgebot - Clive Owen, Keira Knightley, Ioan Gruffudd, Stephen Dellane, Stellan Skarsgard, Mads Mikkelsen, Til Schweiger u.v.m. Obwohl sich diese Verfilmung maßgeblich von den Klassikern unterscheidet, war ich begeistert. Fuqua hat mit seiner neuen Version einen rasanten Action-Film geschaffen, der aber auch leise Momente beinhaltet. Der Regisseur bricht, was recht untypisch für einen Ritterfilm ist, mit den gängigen Rollenklischees der damaligen Zeit. Natürlich sind auch seine Ritter der Tafelrunde - allen voran ihr Anführer König Artus - edel und mutig, aber in erster Linie sind sie harte Kämpfer ohne Rücksicht auf Verluste. Die zentrale Frauenfigur Guinevere ist in Fuquas Fassung kein hilfloses Wesen mehr, das Schutz benötigt. Sie kann auf sich selbst aufpassen und unterstützt die Ritter tatkräftig im Kampf gegen eine Heerschar von Feinden. Zu Beginn hat mich dieses Novum etwas irritiert, weil ich gerade die althergebrachte romantische Komponente an den traditionellen Filmen sehr mag. Aber Fuquas Version ist so gut gemacht und fesselnd, dass dieser Aspekt völlig in den Hintergrund rückt.

© Disney
Die Handlung beginnt im Jahre 452 nach Christus, als römische Soldaten den kleinen sarmatischen Jungen Lancelot aus seinem behüteten Zuhause in der russischen Steppe reißen und ihn zum 15-jährigen Truppendienst abholen, zu dem sein Volk nach dem Sieg der Römer gezwungen ist. Er wird ausgebildet, um die römische Provinz Britannica am Hadrianswall vor Feinden - insbesondere den Kelten - zu schützen. Artorius Castus/Arthur (Clive Owen) wird sein Befehlshaber. Als Sohn eines Römers und einer Britin ist er ganz anders als die übrigen Befehlshaber, denn seine unbedingte Freiheitsliebe und sein ausgesprochener Gerechtigkeitssinn heben ihn wohltuend von den anderen ab.

© Disney - Clive Owen als King Arthur



Als der Pflicht-Truppendienst sich nach 15 Jahren endlich dem Ende neigt, erwarten die sechs sarmatischen Ritter - Lancelot (Ioan Gruffudd), Galahad (Hugh Dancy), Gawain (Joel Edgerton), Tristan (Mads Mikkelsen), Bors (Ray Winstone) und Dagonet (Ray Stevenson) - gemeinsam mit ihrem Kommandanten Arthur ungeduldig den Freibrief, der sie zur Rückkehr in ihre Heimat autorisiert. Doch ihre Pläne werden jäh zunichte gemacht, als ihnen der römische Bischof Germanius mitteilt, dass sie die Freibriefe erst erhalten, wenn sie noch eine letzte Mission erfüllen. Sie sollen das Patenkind des Papstes, Alecto, aus dem Feindesland in Sicherheit bzw. zum Hadrianswall bringen. Arthur und seine Ritter sind außer sich: Die Mission ist lebensgefährlich und kann nur den sicheren Tod für alle bedeuten. Doch ihnen bleibt keine andere Wahl, als auf die Bedingungen des Bischofs einzugehen, wenn sie ihre Heimat wiedersehen wollen. Und so kämpft sich die auserlesene Truppe durch ein wild mordendes Sachsenheer unter König Cerdic (Stellan Skarsgard) und seinem irren Sohn Cynric (Til Schweiger) und eine wachsende Anzahl britannischer Rebellen. Es gelingt ihnen, einige Sklaven und die Keltin Guinevere zu befreien, in die sich King Arthur und Lancelot gleichermaßen verlieben.

© Disney - Keira Knightley als Guinevere



Guinevere ist eine unerschrockene Kämpfernatur und ein Ausnahmetalent mit Pfeil und Bogen. Gemeinsam mit ihren männlichen Mitstreitern zieht sie schließlich auch in den Kampf. Doch keiner von ihnen ist auf die grausame Schlacht vorbereitet, die sie erwartet. Am Ende müssen sie sich einem unbarmherzigen Kampf mit übermächtigen Gegnern stellen, bei dem sie nur verlieren können. Aber ihre Feinde begehen den wohl schwersten aller Fehler: Sie unterschätzen die verhältnismäßig kleine Truppe und ihre Bereitschaft, für die Freiheit alles zu opfern, was ihnen lieb ist - sogar ihr Leben...

© Disney - Ray Stevenson als Dagonet



Dieser Film ist ein grandioses Action-Spektakel, das den Mythos um König Artus und seine Ritter neu zu ergründen versucht. Er ist bildgewaltig und wird getragen von der exzellenten Schauspielkunst seiner Protagonisten. König Artus ist mit dem Briten Clive Owen hervorragend besetzt, aber es gibt einen Schauspieler, der ihn meines Erachtens an die Wand spielt. Es handelt sich hierbei um den Waliser Ioan Gruffudd, der Lancelot herausragend darstellt und der Figur völlig neue Facetten abgewinnt, die mich sehr angesprochen haben. Ihr kennt den Schauspieler vielleicht als Hauptdarsteller der gerade in Deutschland gelaufenen Serie Forever, in der er den unsterblichen Pathologen Dr. Henry Morgan verkörpert. Allein wegen seiner großartigen Darstellung lohnt sich der Film schon. Mads Mikkelsen, ebenfalls einer meiner Lieblingsschauspieler, hat als Tristan zwar leider nur eine kleine Rolle, füllt diese aber trotzdem bemerkenswert aus. Das Gleiche gilt für Ray Stevenson als Dagonet.

Alles in allem ist diese Neufassung von King Arthur eine gelungene Mischung aus Action- und Historienfilm und daher meines Erachtens absolut empfehlenswert.

King Arthur
Regie: Antoine Fuqua
Erscheinungsjahr: 2004
Produktion: Jerry Bruckheimer
Produktionsland: UK, Irland, USA
Studio: The Walt Disney Company
Quellen und weitere Informationen:
https://de.wikipedia.org/wiki/King_Arthur_%28Film%29
http://www.arthuriana.de/alt/ (Artus-Sage) 

Mein herzlicher Dank gilt The Walt Disney Company Germany, Switzerland and Austria, München, www.disney.com, die mir alle oben aufgeführten Fotos inkl. DVD-Cover zur Verfügung gestellt hat.

1. November 2015

Dämonen der Vergangenheit

Camilla Läckberg: 
Die Engelmacherin

Camilla Läckberg zählt neben Charlotte Link zu den Kriminalschriftstellerinnen, von denen ich jeden Thriller gelesen und auch aufbewahrt habe. Die meisten Krimis verschenke ich nach Lektüre immer im Familien- oder Freundeskreis, weil ich sonst nicht mehr wüsste, wo ich die Bücher stapeln sollte. Der erste Roman, den ich von Camilla Läckberg gelesen habe, war Meerjungfrau. Diese verstörende, unglaublich spannende Geschichte hat mich sofort in ihren Bann gezogen und hing mir noch lange nach. Mittlerweile habe ich alle Romane der schwedischen Autorin verschlungen und kann sagen, dass jede Geschichte hochspannend und genial konzipiert ist. Keine Story gleicht der anderen - das Einzige, was alle verbindet, ist der fesselnde Erzählstil in zwei Handlungssträngen. Während sich im ersten die aktuelle Handlung in der Gegenwart des Romans entfaltet, erzählt der zweite (in kursiver Schrift) entweder die geschichtlichen Hintergründe bzw. die Vorgeschichte einer oder mehrerer Schlüsselfiguren (wie in diesem Buch) oder lässt den Leser in die vielschichtige Psyche des Mörders eintauchen (wie z.B. bei Meerjungfrau). Es sind genau diese eindringlichen Psychogramme, die den Leser verstören und ihn mit Hochdruck versuchen lassen, den Mörder aus dem Kreis der Verdächtigen selbst zu identifizieren. Dies gelingt aber fast nie, weil Camilla Läckberg eine Meisterin der falschen Fährten ist.

Unkonventionelles Ermittlerteam um Patrick Hedström und Erica Falck

Was mir an Läckbergs Romanen darüber hinaus sehr gut gefällt, ist das unkonventionelle Ermittlerteam, das sich primär um Hauptkommissar Patrick Hedström und seine Frau, die Schriftstellerin Erica Falck, zentriert, die sich zum Leidwesen ihres Mannes immer in laufende Mordermittlungen einmischt. Sie ist draufgängerisch und unterschätzt oftmals die Gefahr, in die sie sich als Mutter von drei Kindern begibt, aber sie liefert ihrem Mann immer wichtige Hinweise. Patricks Chef, Bertil Mellberg, der gerne im Rampenlicht steht und der Presse voreilig Erfolge präsentiert, und die anderen Ermittler - Martin Molin, der stille Gösta Flygare, die temperamentvolle Assistentin Paula Morales und Annika vom Empfang - bilden ein unkonventionelles Team, das gerade wegen der unterschiedlichen Herangehensweisen seiner Mitglieder so erfolgreich ist. Der Leser erfährt nach jedem Buch mehr Privates über die einzelnen Figuren - ein Aspekt, der Läckbergs Romane umso lesenswerter macht.

Ein unerklärlicher Mordanschlag

Nach dem tragischen Tod ihres Sohnes Vincent kehren die junge Ebba und ihr Mann Marten Stark in ihr Elternhaus (ein ehemaliges Internat) auf der schwedischen Insel Valö zurück. Sie beschließen, das Haus zu renovieren und eine Bed & Breakfast Pension daraus zu machen. Der Verlust ihres Kindes hat die beiden entfremdet: Sie geben sich gegenseitig die Schuld und sind nicht fähig, ein vernünftiges Gespräch miteinander zu führen. Sie hoffen auf einen Neuanfang und machen sich mit Übereifer an die Renovierungsarbeiten. Doch Ebbas und Martens Pläne werden jäh durchkreuzt, als man einen Brandanschlag auf sie verübt, den beide nur mit viel Glück überleben.

Mysteriöses Verschwinden einer ganzen Familie

Für Hedström und sein Team ist dieser Anschlag unerklärlich, denn wer sollte den beiden noch schaden wollen, nachdem sie bereits ihr Kind verloren haben. Nur Erica Falck verfolgt eine besondere Spur: Sie vermutet einen Zusammenhang mit dem mysteriösen Verschwinden von Ebbas gesamter Familie im Jahre 1974, das nie aufgeklärt werden konnte. Ebbas Vater Rune Elvander, der strenge Internatsleiter, Inez, seine nur halb so alte Frau und Ebbas Mutter, sowie seine Kinder aus erster Ehe Claes, Annelie und Johan verschwanden im Sommer des o.g. Jahres spurlos, nur die kleine Ebba fand man ganz allein im Haus. Der Fall, an dem bereits Patricks älterer Kollege Gösta mitarbeitete, konnte nie gelöst werden, da es angeblich keine Zeugen und keine Hinweise gab. Das Internat war im Sommer eigentlich nur von der Elvander Familie bewohnt - es blieben jedoch noch fünf Schüler dort - Leon Kreutz, Sebastian Mansson, John Holm, Percy von Bahrn und Josef Meyer -, die angabegemäß alle zum Fischen unterwegs waren und erst zurückkehrten, als man bereits die Polizei alarmiert hatte.

Der unsichtbare Gegner

Marten, der sich große Sorgen um Ebba macht, erzählt Patrick schließlich von der geheimnisvollen Geburtstagskarte, die Ebba jedes Jahr erhält und die nur mit G. unterzeichnet ist. Doch auch diese Spur führt ins Nichts. Als Ebba und Marten schließlich bei der Renovierung bzw. Bearbeitung des Fußbodens eine große eingetrocknete Blutlache unter den Dielen entdecken, wird ihnen klar, dass Erika mit ihren Vermutungen richtig lag. Erica schlägt vor, Ebba zu ihrem Schutz bei sich und Patrick aufzunehmen. Patrick ist zwar nicht begeistert von der Idee, stimmt aber zu. Erica zeigt Ebba die Ergebnisse ihrer Recherchen, die nicht fassen kann, was sie erfährt. Ebba beschließt, dem Geheimnis um das rätselhafte Verschwinden ihrer Familie auf den Grund zu gehen und fährt zurück zu Marten nach Valö, um sich mit ihm auszusprechen. Doch noch bevor Ebba dazu kommt, fallen Schüsse - ein weiterer hinterhältiger Anschlag, den sie erneut überlebt. Patrick und sein Team geraten immer mehr unter Druck und sehen sich einem Phantom gegenüber, das keine Spuren hinterlässt und immer bedrohlicher wird. Mit Hilfe Ericas kommt das Team jedoch schließlich dem mörderischen Geheimnis um Ebbas Familie immer näher und muss alles auf eine Karte setzen, wenn es den unsichtbaren Gegner entlarven will, der vor nichts und niemandem zurückschreckt...

Hochspannung in Reihenfolge

Ich empfehle euch, die spannenden Romane von Camilla Läckberg in ihrer Reihenfolge zu lesen, denn nur so erfahrt ihr die Hintergründe zu den einzelnen Figuren und könnt die verschiedenen Zusammenhänge verstehen. Mein erstes Buch war ja, wie erwähnt, Meerjungfrau. Es ist natürlich eine abgeschlossene Geschichte in sich und auch als solche sehr lesenswert, aber ich war vor allem neugierig auf die Vorgeschichte von Erica und Patrick sowie von Ericas Schwester Anna, die ebenfalls eine Schlüsselrolle spielt. Alles in allem sind Läckbergs Romane hochspannend und nervenaufreibend. Ihre Täter-Psychogramme liefern beklemmende Einblicke in deren verzerrte Weltsicht, die sie am Ende zu Fall bringt.

Camilla Läckberg: Schwedens erfolgreichste Kriminalschriftstellerin ist ein Multitalent

Camilla Läckberg wurde 1974 in dem kleinen Küstenstädtchen Fjällbacka im Westen Schwedens geboren, wo sie aufwuchs und in dem auch alle ihre Romane spielen. Schon als kleines Mädchen schrieb sie sehr gerne Geschichten, die sie sogar mit eigenen Illustrationen versah. Nach der Schule studierte sie zunächst Wirtschaftswissenschaften in Göteborg und arbeitete nach erfolgreichem Abschluss zunächst erst einmal bei einem Energiekonzern in Stockholm. 

Ein wegweisendes Weihnachtsgeschenk

Doch ihre Begeisterung für das Schreiben gewann schließlich die Oberhand. Hier schwebten ihr insbesondere Kriminalromane vor, für die sie schon immer ein Faible hatte. Als ihr schließlich ihre Familie zu Weihnachten ein Seminar für Krimiautoren schenkte, stand ihre Entscheidung, Schriftstellerin zu werden, endgültig fest. Noch in diesem Seminar verfasste sie eine Geschichte, die sie zu ihrem ersten Buch Die Eisprinzessin schläft weiterentwickeln sollte, das 2003 erschien und als erster Band der Falck-Hedström-Reihe ein großer Erfolg wurde. Es folgten weitere Bestseller wie Der Prediger von Fjällbacka (2004), Die Töchter der Kälte (2005), Die Totgesagten (2006), Engel aus Eis (2007), mein absoluter Favorit, der Gänsehaut-Thriller Meerjungfrau (2008) und Schneesturm und Mandelduft (2012), bei dem ausnahmsweise ihre Kommissarfigur Martin Molin im Mittelpunkt steht. Läckbergs jüngste Veröffentlichungen sind Der Leuchtturmwärter (2013) und der hier vorgestellte Roman Die Engelmacherin. Ihr neuester Thriller Die Schneelöwin erscheint am 2. Januar 2016.

Camilla Läckberg ist Schwedens Queen of Crime und mit über 10 Millionen verkauften Büchern die erfolgreichste Krimiautorin ihres Landes. Darüber hinaus ist sie die Nr. 6 der am meisten gelesenen Schriftstellerinnen Europas. 2006 wurde sie mit dem renommierten Folket-Literaturpreis ausgezeichnet. 

Läckbergs Vielfalt: Thriller, Kinder-, Koch- und Drehbücher

Neben ihren weltweit publizierten Thrillern schreibt sie auch Kinderbücher (Super-Charlie) und hat außerdem in Kooperation mit dem Starkoch Christian Hellberg, den sie bereits seit ihrer Jugend kennt, zwei Kochbücher mit regionalen Gerichten herausgebracht. Sie schrieb ebenso die Drehbücher zu Verfilmungen ihrer Romane (TV-Serie: Mord in Fjällbacka), die bei den Zuschauern sehr gut ankamen.

Weitere Informationen über Camilla Läckberg findet ihr auf folgender Website www.camilla-laeckberg.de, der ich auch die biografischen Informationen über die Schriftstellerin entnommen habe.

Originalausgabe: Läckberg, Camilla. Änglamakerskan. Stockholm: Forum, 2011.
Deutsche Ausgabe: Läckberg, Camilla. Die Engelmacherin. Aus dem Schwedischen von Katrin Frey. Berlin: Ullstein Buchverlage GmbH, 2014.

31. Oktober 2015

Die gruseligste Nacht des Jahres

Happy Halloween!

Gerne hätte ich bei Sarahs und Arnes Blogparade Kürbis und Flammen mitgemacht, aber leider habe ich zwei linke Hände. Mir ist es noch nie gelungen, ein furchterregendes Gesicht aus einem Kürbis auszustechen, geschweige denn ihn nachher abzufackeln oder ihn so in Szene zu setzen, dass ein tolles Foto dabei herauskommt. Das überlasse ich lieber denjenigen von euch, die tatkräftiger, geschickter und fototechnisch talentierter sind als ich. Schaut mal auf Sarahs und Arnes Blog (Link siehe oben), die das wirklich exzellent umgesetzt haben. Achtet bei einem von Sarahs Bildern bitte unbedingt auf die gruselige Maske und das Beil im Hintergrund. Auch Bee hat drei stimmungsvolle Fotos gepostet, die so gut gelungen sind, dass man sie in einem Lifestyle-Magazin veröffentlichen könnte. Ein Klick auf ihren Blog www.myeverydaylife.de lohnt sich immer.

Da ich Halloween großartig finde und wenigstens etwas kreativ sein wollte, habe ich ein Foto meines leuchtenden Mini-Kürbis und ein eigenes englisches Halloween-Gedicht für euch, von dem ich hoffe, dass es gefällt:

Witches on their magic brooms,
Zombies rising from their tombs.
Ghosts and creatures from the dark,
Leave their frightful, uncanny mark.
Be scary, be spooky, but don't be mean,
On this special night of Halloween.

Ich wünsche euch eine tolle, gruselige und aufregende Halloween-Party. Habt Spass und lasst euch erschrecken! 

Und wer nach heute Nacht immer noch nicht genug Aufregung hatte, der kann sich morgen auf meine Buchbesprechung von Camilla Läckbergs unheimlichem Thriller Die Engelmacherin freuen.

23. Oktober 2015

Eine Liebe für die Ewigkeit

Isabel Allende: 
Der japanische Liebhaber

Seit ihrem ersten Roman Das Geisterhaus zählt Isabel Allende zu meinen Lieblingsschrift-stellerinnen, weil sie eine wunderbare Erzählerin ist und ihre Werke, die sich um zeitlose Themen wie Liebe, Freundschaft, Familie, Verlust, Trauer u.ä. drehen, von großer Lebensklugheit, Menschen-kenntnis und Weltoffenheit zeugen. Was mir darüber hinaus besonders gut gefällt, ist, dass sie ihre Erzählungen fast immer in ein politisches Umfeld bettet und man somit als Leser auch sehr viel über Geschichte, insbesondere von Lateinamerika - Chile und Venezuela - oder z. B. über den Sklavenaufstand in Haiti im 18. Jahrhundert, den Vietnamkrieg etc. erfährt. In ihre Romane lässt sie darüber hinaus oftmals auch kulturell-spirituelle Eigenarten wie z.B. die lateinamerikanische Geisterwelt mit einfließen. All diese Komponenten machen Allendes Romane zu außergewöhnlichen Leseabenteuern, die man so schnell nicht vergisst, weil sie so wahrhaftig und berührend sind.

Retrospektive einer ungewöhnlichen Protagonistin

Auch ihr neuestes Werk Der japanische Liebhaber, das ich euch heute empfehlen möchte, steht wieder ganz in Allendes großartiger Erzähltradition. Ich hatte angesichts des Titels eine tragisch-schöne Liebesgeschichte erwartet. Dies ist auch der Fall, aber sie ist nur eine Facette dieser brillanten Erzählung, die die Höhen und Tiefen des bewegten Lebens der ungewöhnlichen Protagonistin des Buches, Alma Belasco, in all ihrer Intensität schildert. Meines Erachtens schaffen es nur ganz wenige Schriftsteller/innen, dass die von ihnen konzipierten fiktiven Figuren dem Leser ans Herz wachsen. Allende gelingt dies mühelos mit Alma Belasco, dieser kreativen, exzentrischen alten Dame, die nie auf ihren roten Lippenstift verzichtet. Sie wird dem Leser im Laufe des Buches so vertraut, dass man sich am Ende des Buches nur schwer von ihr verabschieden kann, denn man hätte gerne noch so viel mehr über sie erfahren. Aber diese ganz besondere Geschichte ist perfekt so wie sie ist - ein stimmiges Ganzes.

Die Neue in Lark House

Nach diversen Jobs in unterschiedlichen Städten ist die 23-jährige Irina Bazili froh, eine neue Tätigkeit in der Seniorenresidenz Lark House, ein eindrucksvolles Anwesen in Berkeley/Kalifornien, gefunden zu haben. Die zurückhaltende Moldawierin, die Computerspiele liebt, findet schnell Kontakt zu den alten Menschen, eine bunte Mischung aus Alt-Hippies, Esoterikern, Spirituellen und Individualisten. Und auch die Senioren schließen Irina sofort ins Herz, denn sie spüren schnell, wie viel Zuneigung sie ihnen entgegenbringt und mit welcher Fürsorge sie ihnen bei den kleinen Dingen des Alltags behilflich ist. Irina blüht auf und stellt erstaunt fest, wie jung, kreativ und begeisterungsfähig die unangepassten Alten sind. Besonders beeindruckt ist Irina von der jüngsten Bewohnerin der Residenz, der 68-jährigen Ärztin Dr. Catherine Hope, die nach einem schweren Unfall im Rollstuhl sitzt, aber alle mit ihrer positiven Art mitzieht. Und auch den 90-jährigen Jacques Devine, der Tanzen liebt und ihr unverhohlen nachstellt, findet Irina sehr erfrischend. Nur zu Alma Belasco, der reichen und unnahbaren Künstlerin mit dem feuerroten Lippenstift, findet Irina keinen Zugang. Dies ändert sich jedoch, als Irina das beträchtliche Erbe, das Jacques ihr vor seinem plötzlichen Tod noch vermacht hat, ausschlägt, weil sie es für falsch hält, Geld anzunehmen, das nicht ihr, sondern den rechtmäßgen Erben zusteht.

Ein bewegtes Leben

Alma ist beeindruckt von Irinas Standhaftigkeit und bietet ihr eine Stelle als Assistentin an. Irina akzeptiert das Angebot und nach anfänglichem Kennenlernen entsteht zwischen den beiden Frauen eine tiefe Freundschaft. Irina lernt Almas Enkel Seth kennen, der sich bei jedem Treffen mehr in sie verliebt. Doch Irina reagiert abweisend auf seine Avancen und zieht sich immer mehr zurück. Aber Seth lässt nicht locker und schlägt seiner Großmutter schließlich vor, ihre Lebensgeschichte in einer Autobiographie mit ihrer und Irinas Hilfe aufzuschreiben. Alma willigt zum Erstaunen der beiden auch tatsächlich ein, weil sie längst gemerkt hat, wie viel Irina ihrem Enkel bedeutet. Und so erfährt Irina immer mehr von Almas bewegtem Leben, die als kleines Mädchen von ihren polnischen Eltern jüdischen Glaubens zu ihrem reichen Onkel und ihrer Tante, Isaac und Lilian Belasco, nach San Francisco geschickt wurde, um sie angesichts des drohenden Krieges in Sicherheit zu bringen. Obwohl Alma an dieser Trennung fast zerbrochen wäre, schafft es ihre neue Familie, ihr Halt und Geborgenheit zu geben.

Geheimnisvolle Briefe

Eines Tages entdecken Seth und Irina, dass Alma regelmäßig geheimnisvolle Briefe erhält, deren spezielle Kuverts auf Liebesbotschaften schließen lassen. Dazu bekommt sie stets ein Kistchen mit drei Gardenien. Alma gibt sich zunächst sehr wortkarg und will nichts preisgeben, doch schließlich erzählt sie den beiden von dem wichtigsten Menschen in ihrem Leben, dem Japaner Ichimei Fukuda, mit dem sie eine leidenschaftliche Liebe verband, die anscheinend immer noch nicht erloschen ist. Seth ist sehr verwundert, denn bisher hatte er immer angenommen, dass sein verstorbener Großvater Nathaniel Almas große Liebe war. Die Geschichte, die Alma ihm und Irina daraufhin erzählt, zeigt seine Großmutter in einem neuen, bisher unbekannten Licht und macht viele ihrer Verhaltensweisen und Eigenarten erklärlich.

Irinas dunkle Vergangenheit

Gerade als Almas Autobiografie Form annimmt und Irina sich Seth mehr und mehr öffnet, wird Irina von ihrer Vergangenheit eingeholt. Ein FBI-Agent hat sie aufgespürt und stellt ihr unangenehme Fragen zu ihrem früheren Leben, das sie glaubte, hinter sich gelassen zu haben. Nach und nach gewinnen die Dämonen ihrer alten Existenz wieder die Oberhand, doch sie hat nicht den Mut, sich Alma und Seth zu öffnen. Als ihre schmerzlichen Erinnerungen sie jedoch wieder zu einer Gefangenen ihrer selbst machen, wird ihr bewusst, dass sie diesen Teufelskreis durchbrechen und Alma und Seth ins Vertrauen ziehen muss, wenn sie ihr neues Leben nicht verlieren möchte...

Ein Roman so reichhaltig wie das Leben

Isabel Allende hat die ganz besondere Gabe, in einem Roman alles zu thematisieren, was das Leben und die Menschen ausmacht. Ihre Lebensweisheit und ihr Menschenweitblick spiegeln sich in vielen Aussagen ihrer Protagonisten wider. Allendes Geschichten wecken Emotionen, denen man sich als Leser nur schwer entziehen kann: Sie machen glücklich und traurig, sie bringen uns zum Lachen, sie regen zum Nachdenken an und rütteln uns auf. Diese Höhen und Tiefen, durch die die Autorin die Leser mittels ihrer Hauptfiguren führt, sind es auch, die uns mit den Charakteren vertraut werden lassen, so dass wir am Ende des Romans schließlich mit dem Eindruck zurückbleiben, dass sie für eine kleine Weile auch ein Teil unseres Lebens waren.

Isabel Allende: Renommierte Schriftstellerin, engagierte Journalistin und progressive Frauenrechtlerin

Isabel Allende wurde 1942 in Lima/Peru als Tochter des chilenischen Diplomaten Tomás Allende geboren. Ihr Vater war der Cousin des Sozialisten und Demokraten Salvador Allende, der 1970 Präsident von Chile wurde, sich jedoch im Zuge des brutalen Militärputsches von Diktator Augusto Pinochet 1973 erschoss, um seinen Widersachern nicht in die Hände zu fallen.

Junge Weltenbummlerin mit internationaler Ausbildung

Nach der Scheidung von Tomás Allende heiratete Isabel Allendes Mutter erneut - ebenfalls einen chilenischen Diplomaten - und so wuchs sie in einem internationalen Umfeld auf und besuchte die besten Schulen in Lateinamerika, Europa und der arabischen Welt.

Sie arbeitete von 1959 - 1965 zunächst als Fernsehjournalistin für die Vereinten Nationen in Santiago de Chile und machte sich hier vor allem durch eine von ihr moderierte Fernsehsendung über eine mondiale Kampagne gegen den Hunger einen Namen. 1962 heiratete sie ihren ersten Mann, Bauingenieur Miguel Friás. 1963 kam ihre Tochter Paula zur Welt, 1966 folgte ihr Sohn Nicolás.

Mitbegründerin der ersten feministischen Zeitschrift in Chile

In dieser Zeit wurde aus der renommierten Journalistin auch eine engagierte Frauenrechtlerin, die gemeinsam mit anderen Mitstreiterinnen die erste feministische Zeitschrift Chiles, Paula, gründete. Hier schrieb sie sowohl politische als auch humoristische Kolumnen. Darüber hinaus war sie Initiatorin einer Kinder- und einer Filmzeitschrift. Im chilenischen Fernsehen war sie eine überaus beliebte Moderatorin mit eigener Talk-Show und eigenen Reportagen.

Leben im Exil und internationaler Durchbruch mit Das Geisterhaus

Nach dem o.g. Putsch und Selbstmord ihres Onkels floh Isabel Allende mit ihrer Familie ins Exil. In Venezuela fanden sie 13 Jahre lang ein neues Zuhause. Auch hier arbeitete sie weiter als Journalistin und war außerdem als Lehrerin tätig.

Ein einschneidendes Erlebnis in Isabel Allendes Leben war der Tod ihres Großvaters im Jahre 1981, der noch immer in Chile lebte. Sie schrieb ihm einen Brief über ihre Kindheitserinnerungen im Hause ihrer Großeltern, doch er starb noch bevor er den Brief lesen konnte. Auf der Grundlage dieses Briefes entstand dann ihr erster Roman Das Geisterhaus, der 1982 erschien und mit dem ihr im Alter von 40 Jahren der Durchbruch als Schriftstellerin gelang. Das Buch wurde ein phänomenaler Erfolg. Die brillante Verfilmung der politischen Familiensaga mit Meryl Streep, Glenn Close, Jeremy Irons, Antonio Banderas u.v.m. war ebenfalls sehr erfolgreich.

1988 lernte sie ihren zweiten und jetzigen Ehemann, den Rechtsanwalt und Schriftsteller, Willie C. Gordon, bei einem Aufenthalt in den USA kennen, mit dem sie heute in San Rafael/Kalifornien lebt. Mittlerweile hat sie auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

Ein schwerer Verlust

1992 traf Isabel Allende der wohl härteste Schicksalsschlag ihres Lebens: Ihre Tochter Paula starb im Alter von nur 29 Jahren an einer seltenen Stoffwechselkrankheit. In ihrem wohl persönlichsten, sehr berührenden Roman Paula (1994) berichtet sie vom Sterben ihrer geliebten Tochter, die aufgrund ihrer schweren Erkrankung schließlich ins Koma fiel. Am Bett ihrer Tochter erzählt ihre Mutter ihr die Geschichte ihrer Familie - von ihrer Kindheit bis zur Gegenwart - und hofft, dass sie wieder wach wird. Doch all ihr Hoffen ist vergebens, und so sieht sich Allende mit dem wohl schwersten Verlust ihres Lebens konfrontiert, der ihr alles abverlangt. Aber die Autorin gibt nicht auf und stürzt sich in die Arbeit, das einzige Mittel, das ihr durch die schmerzliche Trauerphase hilft.

Einfühlsame Botschafterin Lateinamerikas

Zu Allendes außergewöhnlichen Romanen zählen u.a. Von Liebe und Schatten, Eva LunaFortunas Tochter, Zorro, Inès meines Herzens, Die Insel unter dem Meer, Mayas Tagebuch und in jüngster Zeit Amandas Suche und der hier vorgestellte Roman Der japanische Liebhaber, mit denen sie ihre Leser immer wieder aufs Neue begeistert(e) und die alle zu Bestsellern avancierten oder auf dem Wege dorthin sind. Von ihren Büchern, die man in über 35 Sprachen übersetzte, wurden weltweit mehr als 65 Mio. Exemplare verkauft.

Isabel Allende wurde für ihre einzigartige Erzählkunst mit einer Vielzahl von internationalen Literaturpreisen ausgezeichnet. Sie gilt als eine der weltbesten lateinamerikanischen Schriftstellerinnen, die auf einfühlsame Weise von der Geschichte und Kultur ihres Landes sowie von der Mentalität der Menschen erzählt. Somit ist sie zugleich auch eine ausgezeichnete Botschafterin für Lateinamerika, die sich darüber hinaus auch sehr engagiert für die Menschenrechte einsetzt.

Weitere Informationen über Isabel Allende findet ihr auf ihrer Website www.isabelallende.com

Originalausgabe: Allende, Isabel. El amante japonés. Barcelona: Plaza & Janés, 2015.
Deutsche Ausgabe: Allende, Isabel. Der japanische Liebhaber. Aus dem Spanischen von Svenja Becker. Berlin: Suhrkamp Verlag, 2015.
Informationsquellen zu Isabel Allende:
Allende, Isabel. Mein Leben, meine Geister. Gespräche mit Celia Correas Zapata. Berlin: Suhrkamp Verlag, 2004.
Interview mit Alfred Starkmann: Hör mir zu, Paula. In. FOCUS, 20.3.1995 - http://www.focus.de/auto/neuheiten/interview-hoer-mir-zu-paula_aid_152239.html

Mein herzlicher Dank gilt dem Suhrkamp Verlag, Berlin, der mir diesen Roman als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

15. Oktober 2015

Zeit für Poesie







Herbstbild


Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.


O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält;
denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.



Friedrich Hebbel (1813 - 1863) 


Quelle: Projekt Gutenberg http://gutenberg.spiegel.de/buch/friedrich-hebbel-gedichte-2662/169

11. Oktober 2015

Serientipp: "Father Brown"

© polyband Medien GmbH
Exzellente BBC-Verfilmung der Chesterton-Romanvorlagen mit viel Nostalgie

Die Romane von Gilbert Keith Chesterton um den chaotisch-cleveren Kirchenmann Father Brown zählen zu den englischen Klassikern. Es gab - bis jetzt - jedoch keine adäquate filmische Adaption des literarischen Stoffes, da kein Schauspieler es meines Erachtens vermochte, den Kern des klerikalen Protagonisten zu erschließen und ihn glaubhaft darzustellen. Daher habe ich auch die neue BBC-Verfilmung der Krimireihe mit Spannung erwartet. Und ich wurde dieses Mal nicht enttäuscht: Mit viel Liebe zum Detail und wunderbar nostalgischem Flair hat man die Kriminalgeschichten unter der schriftstellerischen Leitung von Rachel Flowerday und Tahsin Guner adaptiert und der pfiffigen literarischen Figur Father Brown mit dem britischen Schauspieler Mark Williams, den ihr vielleicht noch aus den Harry Potter-Filmen kennt, neues Leben eingehaucht. Die ersten drei Staffeln der Krimireihe, die Spannung mit einer guten Portion englischem Humor kombinieren, wurden von den britischen und amerikanischen Zuschauern sehr gut angenommen, so dass sich eine vierte Staffel bereits in der Produktion befindet. Auch das deutsche Publikum ist von dem charmant-scharfsinnigen Pfarrer angetan: Staffel 3 der Serie lief gerade erfolgreich auf zdf neo. 

Father Brown: Liebenswürdiger Amateurdetektiv mit göttlicher Unterstützung

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Father Brown (Mark Williams) und Mrs. McCarthy (Sorcha Cusack)






Die Krimiserie spielt im idyllischen Kembleford/Gloucestershire in den 50er Jahren, wo Father Brown (Mark Williams) mit viel Verständnis und Einfühlungsvermögen versucht, die Schäfchen seiner Gemeinde auf den richtigen Weg zu bringen und sie von Verirrungen fernzuhalten. Besonders für die schwarzen Schafe hat der freundliche und weltoffene Pfarrer, der gute Krimis und Kreuzworträtsel liebt, ein offenes Ohr und drückt des Öfteren mal ein Auge zu. Hiermit macht er sich natürlich nicht immer Freunde und wird dafür auch schon mal von seinen kirchlichen Vorgesetzten gerügt, was ihn jedoch nicht wirklich belastet. Bedingt durch seine Neugier und seinen brillanten Spürsinn wird er immer wieder in Kriminalfälle verwickelt, die er mit Hilfe seiner Kombinationsgabe, eines eigens ausgetüftelten Plans und natürlich mit Unterstützung seines unkonventionellen Teams am Ende stets lösen kann.

Das effiziente Ermittler-Team des Pfarrers

© polyband Medien GmbH
Lady Felicia Montagu (Nancy Carroll)
Zu seinem außergewöhnlichen Team gehört zum einen die Pfarramtssekretärin, Mrs. Bridgette McCarthy (Sorcha Cusack), die gute Seele des Pfarrhauses, die mindestens genauso neugierig ist wie Father Brown und die Dank ihrer Vorliebe für Klatsch und Tratsch über alles informiert ist, was in der Gemeinde so vor sich geht. Hinzu kommen die exzentrische Künstlerin und mondäne Dame der Gesellschaft, Lady Felicia Montagu (Nancy Carroll), die immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Männern ist und sich dabei in keiner Weise um gesellschaftliche Regeln und moralische Standards schert. Ihr loyaler Chauffeur Sid Carter (Alex Price), der einen Hang zu kriminellen Geschäften hat und gerne auch mal auf dem Schwarzmarkt aktiv ist, unterstützt Father Brown ebenfalls tatkräftig, insbesondere dann, wenn es um Informationsbeschaffung aus dubiosen Kanälen geht.

Ein besonderes Highlight sind immer die Streitigkeiten und Sticheleien zwischen Mrs. McCarthy und Lady Felicia, die sich nicht besonders mögen. Für Mrs. McCarthy ist Lady Felicia ein männermordender Vamp, während Lady Felicia Mrs. McCarthy für eine unterbelichtete Klatschtante hält. Die beiden schenken sich nichts, aber wenn es hart auf hart kommt, arbeiten sie hervorragend zusammen. Das weiß auch Father Brown und hütet sich, für eine der beiden Damen Stellung zu beziehen.

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Inspector Sullivan (Tom Chambers)
Father Browns Erfolg als Amateurdetektiv ist der örtlichen Polizei - vertreten durch Inspector Valentine (Hugo Speer) und später Inspector Sullivan (Tom Chambers) - natürlich ein Dorn im Auge. Die Eigeninitiative und Alleingänge des Pfarrers bringen ihn oftmals in gefährliche Situationen, denn er informiert die Polizei selten über die Ergebnisse seiner Recherchen und ist den Gesetzeshütern fast immer einen Schritt voraus, was insbesondere Inspector Sullivan total gegen den Strich geht. Doch am Ende muss auch Sullivan einsehen, dass Father Brown aufgrund seiner exzellenten Menschenkenntnis und seines kriminalistischen Talents eine brillante Hilfe und ein äußerst nützlicher Ratgeber ist. In meiner Lieblingsfolge Die Eule der Minerva, in der Inspector Sullivan unter Mordverdacht gerät, zieht er als einzigen Father Brown ins Vertrauen, der seinen Kopf riskiert, um Sullivans Unschuld zu beweisen.

© polyband Medien GmbH



Diese hervorragende Verfilmung wird von den brillanten o.g. Schauspielern, insbesondere Mark Williams, getragen, die sie so sehenswert machen. Mark Williams gibt Father Brown einen zeitgemäßen Anstrich und porträtiert ihn, wie seiner Auffassung nach ein Mann der Kirche sein sollte: Freundlich, offen, verständnisvoll und voller Vergebung für die, die vom rechten Weg abgekommen sind. Dies gelingt Williams, ohne althergebrachte Klischees zu bedienen und wohl wissend, dass Father Brown kein Gutmensch oder Heiliger ist, sondern um seine Schwächen weiß.

Alles in allem ist diese Father Brown Serie sehr gute Unterhaltung mit Spannung und Humor - eingebettet in ein idyllisches Setting im Herzen des ländlichen Gloucestershire. Sehr empfehlenswert!

Mein herzlicher Dank gilt der polyband Medien GmbH, München, www.polyband.de, die mir alle oben aufgeführten Fotos inkl. DVD-Cover zur Verfügung gestellt hat.

4. Oktober 2015

Zerfall einer perfekten Fassade

A. S. A. Harrison: Die stille Frau

Außergewöhnlicher Beziehungsroman und beeindruckend raffinierter Psychothriller

Dieser großartige Debütroman der amerikanischen Schriftstellerin A. S. A. Harrison ist eine Qualitätsklasse für sich. Ich habe noch keine Geschichte gelesen, die auch nur ansatzweise diese literarische Durchschlagskraft hatte, obwohl sie sprachlich bewusst schlicht gehalten ist. Der bis ins Detail ausgefeilte Stil, der schleichend Hochspannung generiert, reflektiert das fundierte psychologische Verständnis der Autorin, der es brillant gelingt, die differierenden Gedankenwelten einer Frau und eines Mannes offenzulegen. Mit unaufgeregter klarer Sprache präsentiert uns Harrison die schleichende und schließlich explosive Entwicklung vom aufschlussreichen Beziehungsroman zum beeindruckend raffinierten Thriller, dessen völlig überraschende Wendung den Leser am Ende perplex zurücklässt. Die stille Frau ist ein Leseerlebnis der ganz besonderen Art, das man so schnell nicht vergisst, weil es mit Eindringlichkeit und profundem Wissen um die Abgründe der menschlichen Seele erzählt wird.

Beziehungsroutine

Oberflächlich betrachtet sind Todd Gilbert, erfolgreicher Architekt, und Jodi Brett, etablierte Psychotherapeutin, ein Traumpaar, dem es in seinem Luxusappartement in Chicago an nichts fehlt. Und dies soll - wenn es nach Jodi ginge - auch so bleiben, denn in ihrer geordneten Welt, in der geregelte Tagesabläufe ein Muss sind, ist kein Platz für Konflikte. Sie ist eine perfekte Hausfrau, die ihrem Mann jeden Abend das Essen stilvoll zubereitet und die trotz ihres beruflichen Engagements auch noch Zeit für ihr Fitnesstraining und Spaziergänge mit dem Hund findet. Alles in allem ist sie also eine Powerfrau, die einem Hochglanz-Frauenmagazin entsprungen zu sein scheint und die den heutigen Multitasking-Ansprüchen absolut gerecht wird.

Erste Risse

Doch unter der schönen Oberfläche brodelt es: Todds zahlreiche Seitensprünge, die er vor sich selbst als aufregende Ausbrüche aus seiner sicheren Beziehungswelt mit Jodi und als Heilmittel für seine Depressionen rechtfertigt, machen Jodi unterschwellig sehr zu schaffen, doch sie ignoriert sie, weil eben nicht sein kann, was nicht sein darf. Sie will auf jeden Fall vermeiden, wie ihre Mutter zu enden, die an der Untreue ihres Mannes zerbrach, und daher verhält sich Jodi angesichts Todds wechselnder Affären eben so, wie man sich in ihren Augen als moderne Frau verhält: Sie sieht großzügig darüber hinweg, weil sie ja weiß, dass er am Ende doch immer wieder zu ihr zurückkommt. Mit dieser Einstellung hält Jodi ihr Leben aufrecht und fährt damit ihres Erachtens auch sehr gut - bis sich das Blatt wendet und Todd die junge, verführerische Natascha kennenlernt, in die er sich Hals über Kopf verliebt, da sie so anders ist als seine bisherigen Geliebten. Er verfällt ihr mit Haut und Haar und schafft sich immer häufiger Freiräume für leidenschaftliche Stunden mit Natascha, die ihn mit ihrer Spontanität mitreisst und ihm die Illusion vermittelt, wieder jung zu sein.

Der Anfang vom Ende

Jodi gelingt es immer weniger, ihre Fassade als pflichtbewusste und tolerante Frau zu wahren, obwohl sie immer noch daran glaubt, dass sie für Todd nach dem Ende der Affäre wieder die Nr. 1 ist. Doch sie hat die Rechnung ohne Natascha gemacht. Als Natascha schwanger wird, ist Todd zunächst schockiert, doch schon bald muss er sich eingestehen, dass er stolz ist, Vater zu werden - ein Glück, das ihm mit Jodi stets versagt blieb. Natascha, die Todd zunehmend dominiert, drängt ihn, Jodi zu verlassen, wozu er sich tatsächlich auch überreden lässt, obwohl ihm die tägliche Routine mit Jodi immer ein Gefühl der Geborgenheit gab.

Jodi ist außer sich und kann nicht fassen, dass ihr alles entgleitet. Sie versucht krampfhaft, ihren Kontrollverlust zu kompensieren, bis dann auch ihre Toleranzgrenze endgültig überschritten ist: Todd willigt nicht nur ein, Natascha zu heiraten, sondern beansprucht auch noch das gemeinsame Luxusappartement für sich, das er angesichts wachsender Geldprobleme bedingt durch schlecht laufende Geschäfte und Nataschas aufwendigen Lebensstil verkaufen möchte.

Perfide Rache

Jodi denkt nicht daran auszuziehen, doch sie übersieht dabei einen wichtigen Punkt: Aufgrund der schlechten Ehe ihrer Eltern konnte sie sich nie dazu durchringen, Todds Heiratsantrag anzunehmen. Als ihr schlagartig bewusst wird, dass sie mit nichts dasteht, wenn Todd sie verlässt, verliert sie den Boden unter den Füßen. Doch ihre beste Freundin Alison schafft es, Jodis kontrollierte Fassade zu durchbrechen und rät ihr, Todd nicht ungeschoren davonkommen zu lassen. Jodi kann sich mit diesem Gedanken nicht anfreunden, aber sie ändert ihre Meinung, als Todd einen Anwalt beauftragt, um sie aus der Wohnung zu klagen - eine letztmalige Demütigung, die sie nicht mehr zu tolerieren bereit ist. Und so lässt sich Jodi auf Alisons perfiden Racheplan ein, der die Stützpfeiler ihres bisherigen Lebens endgültig einstürzen lässt. Sie wird in eine Spirale aus Gewalt und Verrat gezogen und entdeckt eine teuflische Seite an sich, die sie nie für möglich gehalten hätte...

Grandioses Psychoduell mit ungeahntem Ausmaß

Das fesselnde Psychoduell, in das Harrison ihre Protagonisten involviert, ist von äußerster Intensität. In den Kapiteln, die abwechselnd die Überschrift Sie und Er tragen, lässt die Autorin den Leser in die komplexen Gedankenwelten von Jodi und Todd eintauchen und offenbart ihm somit das Innerste ihrer literarischen Figuren. Dies ist Harrison mehr als eindrucksvoll gelungen. Ihren außergewöhnlichen Erzählstil verwendet sie jedoch nicht dazu, um für eine Seite Partei zu ergreifen. Sie hebt weder den moralischen Zeigefinger noch bewertet sie das Verhalten von Jodi und Todd. Somit überträgt sie dem unbeeinflussten Leser die Aufgabe, sich selbst ein Bild der handelnden Personen zu machen. Dies wird zu einem äußerst diffizilen, aber fesselnden Puzzlespiel, denn nach und nach offenbart Harrison dunkle Geheimnisse und wunde Punkte ihrer Protagonisten, die sie genau dann in einem neuen Licht erscheinen lassen, wenn der Leser meint, die Hauptfiguren ergründet zu haben. Diese psychologische Finesse macht den Roman so einmalig und unbedingt lesenswert.

A. S. A. Harrison: Ein viel zu kurzes Leben

Die Schriftstellerin Susan Harrison wurde 1948 in Kanada geboren. In den 60er Jahren machte sie sich zunächst einen Namen als Performance-Künstlerin und arbeitete außerdem als Schriftsetzerin und Lektorin für diverse Verlage in Toronto. Darüber hinaus veröffentlichte sie vier Sachbücher u.a. zu den Themen Sexualwissenschaft und Kunst, darunter auch Revelations, das in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Margaret Dragu entstand, mit der sie bereits im Bereich Performance Art kooperiert hatte.

Ihr erster Thriller Die stille Frau (The Silent Wife) wurde 2013 unter dem Pseudonym A. S. A. Harrison veröffentlicht. Der außergewöhnliche Roman wurde von den Kritikern begeistert aufgenommen und eroberte in rasant kurzer Zeit Platz 2 der New York Times Bestsellerliste. Doch diesen unglaublichen Erfolg, der ihrem Erstlingswerk zuteil wurde, konnte die talentierte Schriftstellerin leider nicht mehr miterleben. 2013 starb sie im Alter von nur 65 Jahren an Krebs - noch vor der Veröffentlichung ihres o.g. Romans und während der Arbeit an ihrem zweiten Thriller. Ihr Ehemann, der Bildkünstler John Massey, hat zum Gedenken an seine Frau ihre Website http://asaharrison.com/ aufrechterhalten.

Originalausgabe: Harrison, A. S. A. The Silent Wife. New York: Penguin Random House Company, 2013.
Deutsche Ausgabe: Harrison, A. S. A. Die stille Frau. Aus dem Englischen von Juliane Pahnke. München/Berlin: Berlin Verlag/Piper Verlag GmbH, 2015.

Mein herzlicher Dank gilt dem Berlin Verlag/Piper Verlag GmbH, der mir den o.g. Roman als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

1. Oktober 2015

#Blogfragen für Buchblogger


Auf zwei Blogs, die ich gerne lese - Caterinas Schöne Seiten und Verenas Flying Thoughts - bin ich auf den kompakten Fragebogen des Journalisten, Literaturkritikers und Bloggers Stefan Mesch gestoßen, den ich sehr gelungen finde. Hintergrund dieser Aktion ist, dass Mesch, wie er im Vorspann zu seinem Fragebogen schreibt, in vielen About Me-Seiten und zahlreichen Gesprächen mit Bloggern keine Antworten auf die vielen Fragen findet, die er gerne beantwortet hätte. Dem kann Abhilfe geschaffen werden: Hier sind meine Antworten auf eine Auswahl von Stefan Meschs Fragen:

Das Lieblingsbuch meiner Mutter


Das Lieblingsbuch meiner Mutter ist und bleibt John Steinbecks zeitloser Klassiker Jenseits von Eden

Das Lieblingsbuch meines Vaters

Mein Vater las nur Tageszeitungen und Magazine, keine Bücher.

Ich führe einen typischen Bücherblog, weil...

Mein Bücherblog ist kein typischer Bücherblog, denn er beinhaltet neben Buchrezensionen, die im Fokus stehen, auch Literaturverfilmungen, Poesie, Theater, Ausstellungen u.ä. Ich habe mich für diese spezielle Blog-Art entschieden, weil ich nicht nur eine begeisterte Leserin bin, sondern weil mich alles rund um Kultur interessiert.

Am Bloggen überrascht mich, dass...

Am Bloggen überrascht mich, wie sehr es mich entspannt. Ich konnte mir angesichts meines hektischen Jobs zu Beginn gar nicht vorstellen, dass ich für dieses Hobby viel Zeit erübrigen kann, aber es funktioniert - ganz einfach, weil es Spaß macht und einen guten Ausgleich bietet.  

Helfen Amazon-Rezensionen?

Mir helfen sie nicht. In der Vergangenheit habe ich des Öfteren mal die eine oder andere Amazon-Buchbesprechung gelesen, aber ich finde die meisten nicht sehr wegweisend.

Hilft Literaturkritik in Zeitungen oder Magazinen?

Ja, sie hilft sehr, und ich habe hier schon viele gute Buchtipps erhalten. Allerdings lade ich mir zumeist Leseproben herunter, bevor ich ein Buch kaufe. Es war schon oft der Fall, dass mich die Rezension eines Literaturkritikers neugierig gemacht hat, ich mich aber nach Lektüre der Leseprobe gegen einen Kauf entschieden habe, weil mir z. B. der Schreibstil des Autors/der Autorin nicht gefiel.

Helfen Blogs?

Bedingt. Ich lese einige Bücherblogs sehr gerne, denn sie machen mich oftmals auf Romane u.ä. aufmerksam, die mir bei der ganzen Bücherflut sonst vielleicht entgangen wären. Dies müssen dann aber nicht unbedingt die Romane sein, die ich später rezensiere.

Wahr oder falsch: "Ich blogge vor allem, weil ich mich über Bücher austauschen will und im persönlichen Umfeld nicht genug Menschen habe, mit denen ich das könnte."

Falsch. In meinem persönlichen Umfeld kann ich mich mit vielen über Bücher austauschen.

Mein persönlicher Geschmack und meine Prinzipien beim Lesen und Bewerten 

Ich lese quer durch alle Genres, stelle aber prinzipiell nur die Bücher vor, die mich begeistert haben. Wenn mir ein Roman absolut nicht gefällt, halte ich es für vertane Zeit, ihn vorzustellen und aufzuzeigen, warum er mir nicht zusagt.

Wer liest mich? Habe ich eine Zielgruppe?

Die Frage kann ich - noch - nicht beantworten, da ich noch nicht sehr lange blogge. Es würde mich aber schon interessieren, ob ich eine Zielgruppe habe und, wenn ja, welche.

Habe ich Vorbilder?

Nein.

Welche Ratschläge würde ich meinem früheren Lese-Ich geben? Kann man lernen, Bücher besser auszusuchen, zu entdecken und zu genießen?

Mein früheres Lese-Ich hat im Studium streng nach Literaturkanon - Klassiker aller Epochen - gelesen. Zeit für spontane Lektüre hatte ich kaum. Heute suche ich nach für mich interessanten Büchern zwar oft im Internet, aber so richtig Spaß macht es mir, entweder in einer großen Buchhandlung oder auch in einem kleinen traditionellen Buchladen ganz entspannt nach Büchern zu stöbern. Ich glaube im übrigen nicht, dass man lernen kann, Bücher besser auszusuchen, da man sie zumeist nach Interessenslage bzw. nach sehr individuellen Kriterien (manchmal sogar nur nach dem Cover) auswählt. Hier ist natürlich auch der sogenannte Klappentext entscheidend. Auf letzteren verlasse ich mich aber nicht mehr allzu sehr, denn es ist mir schon oft passiert, dass ich nach Lektüre eines Romans dachte, dass der Verfasser des Klappentextes das Buch wohl nicht gelesen hat.

"Verlage brauchen mich für PR. Sie brauchen mich mehr, als ich sie brauche" oder "Toll! Autoren und Presseabteilungen suchen Kontakt und bieten mir Bücher an. Was für ein Glück!" Was überwiegt?

Nichts von beidem. Es ist ein Geben und Nehmen. Ich freue mich, wenn ich ein Rezensionsexemplar bekomme, und die Verlage erhalten durch die Buchbesprechung auf meinem Blog eine zusätzliche Werbeplattform. Es ist also eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

Was soll sich tun in meinem Blog und in meinem Leser-/Schreiber-Leben in den nächsten fünf Jahren?

Ich bin ja noch Blogger-Anfängerin und freue mich erst mal auf viele nette Kontakte und Kommentare, so dass ich in der Bücherblogwelt Fuß fassen kann.

Ein Buch, das fast niemand mag - aber das ich liebe

Henry James: Porträt einer jungen Dame. Diesen Roman mochten viele meiner Studienkolleginnen überhaupt nicht, denn er war ihnen zu "antiquiert". Ich kann diese Meinung überhaupt nicht teilen, sondern finde ihn für die damalige Zeit sehr modern, denn James erzählt mit psychologischer Finesse das Schicksal des weiblichen Freigeistes Isabel Archer, die trotz Unabhängigkeit und Intelligenz auf den Blender Gilbert Osmond hereinfällt. Der Roman ist toll geschrieben und für mich keinesfalls altbacken.

Ein Buch, das fast alle mögen - aber das mich wütend oder ratlos macht

E. L. James: Fifty Shades of Grey. Der Erfolg dieses völlig unspektakulären Romans ist mir absolut unverständlich. Die Protagonisten sind personifizierte Klischees, und die Geschichte ist alles andere als aufregend. Es ist mir daher völlig unerklärlich, warum man um diesen Roman einen solchen Hype veranstaltet hat. Und dann hat man ihn auch noch zum erotischen Roman stilisiert. Nur gut, dass Anais Nin und Henry Miller das nicht mehr erleben müssen.

Ein Buch, das ich bekannter gemacht habe

Ein Buch, das ich in Deutschland bekannter gemacht habe, ist der einzigartige Science-Fiction-Thriller The Curiosity des amerikanischen Autors Stephen P. Kiernan. Ich kann nicht nachvollziehen, warum dieses außergewöhnliche Buch noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde, denn es würde meines Erachtens mit Sicherheit auch hier die Bestsellerlisten stürmen.

Ein schlechtes Buch, das ich gut fand

Die Frage ist: Was ist ein schlechtes Buch? Nach meiner Definition ist es ein Roman o.ä., der von der etablierten Literaturkritik aufgrund mangelnder Wertigkeit weitestgehend ausgespart wurde. Insofern nenne ich jetzt hier mal die Autobiographie des österreichischen Schauspielers Helmut Berger mit dem bezeichnenden Titel Ich. Er war ein exzellenter Mime in den 70er Jahren, wurde jedoch zumeist auf den schillernden Paradiesvogel und Liebling des Jet Sets reduziert. Heute fällt er allerdings nur noch durch peinliches Verhalten auf, was sehr schade ist, denn er hätte Potential zu Größerem gehabt. Seine Autobiografie ist eine herrlich erfrischende und sehr unterhaltsame Art der Selbstbeweihräucherung - aus diesem Grunde liebe ich das Buch und lese es auch von Zeit zu Zeit immer gerne mal wieder.

Ein gutes Buch, das ich schlecht fand

Wiedersehen in Howards End von Edward M. Forster. Der Roman ist zweifellos ein Klassiker der englischen Literatur, aber er hat mich nie begeistern können, weil mich die Story und die Hauptfiguren nicht ansprachen. Das Buch fällt für mich eher unter die Kategorie "gepflegte Langeweile".

Ein Geheimtipp, der bisher in Blogs kaum besprochen wurde

Ein Geheimtipp ist für mich der Roman, den ich gerade beendet habe und bald rezensieren werde: Die stille Frau von A. S. A. Harrison. Er beinhaltet ein grandioses Psychoduell eines oberflächlich perfekten Paares, das zu einem perfiden Katz-und-Maus-Spiel mit tödlichem Ausgang mutiert. Das Buch ist sehr klug konzipiert und exzellent geschrieben!

Autor*innen, die tolle Inhalte auf Facebook und Twitter posten

Ich bin zwar kein unbedingter Fan von historischen Romanen, aber es gibt eine Schriftstellerin, von der ich kein Buch verpasse und die darüber hinaus noch sehr ansprechende Inhalte auf Twitter und Facebook postet: Die amerikanische Autorin Erika Robuck, die ihre Romane um bekannte literarische Größen wie Ernest Hemingway, F. Scott Fitzgerald oder Nathaniel Hawthorne zentriert. Bei Twitter findet man sie unter @ErikaRobuck, bei Facebook unter Erika Robuck, Author.

Meine Lieblingskritiker

Meine Lieblingskritiker sind Marcel Reich-Ranicki und Hellmuth Karasek. Das werden sie auch immer bleiben, denn so kluge, streitbare und unterhaltsam-witzige literarische Experten wird es meines Erachtens nicht mehr geben. Auch wenn ich ihre Ansichten nicht immer nachvollziehen konnte, fand ich doch ihre Wortduelle stets großartig. Für mich müssen Literaturkritiker neben einem profunden literarischen Wissen immer auch Primadonna-Flair haben und sich selbst schon recht wichtig nehmen. Das macht schließlich ihren besonderen Reiz aus, denn Literaturkritiker sollten schon auch Provokateure und keine handzahmen Nacherzähler sein.

Ein Blogbeitrag von mir selbst, auf den ich stolz bin

Der Blogbeitrag, auf den ich stolz bin, zählt zu meinen frühen Posts. Ich stelle darin die DVD Now: In The Wings On A World Stage, eine Theaterdokumentation über Kevin Spaceys Welttournee als Shakespeares Richard III, vor. Hier der Link: http://a-million-pages.blogspot.de/2015/03/theaterdokumentation-mit-kevin-spacey.html.

Da diese Fragen aber speziell für Buchblogger sind, hier noch der Link zu einer meiner Rezensionen, Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald, die ich gelungen finde: http://a-million-pages.blogspot.de/2015/08/die-dekadenz-des-jazz-age.html.

So, das war's erst mal von mir. Es wäre toll, wenn ihr auch mitmacht. Die Fragen sind doch wirklich sehr ansprechend.