15. Dezember 2015

"A Million Pages" ist umgezogen!!!


Ich bin mit meinem Blog A Million Pages zu WordPress umgezogen. Ab sofort findet ihr mich unter 

Ich freue mich, wenn euch der neue Look meines Blogs gefällt.























Viele Grüße

Eure Rosa



30. November 2015

Kurze Umzugspause




Ich bin gerade dabei, mit meinem Blog von Blogger zu WordPress umzuziehen. Da mir Blogger beim Export alle meine Artikel "zerschossen" hat, muss ich leider jeden meiner fast 80 Posts nachjustieren. Das nimmt doch mehr Zeit in Anspruch als ich dachte, daher lege ich jetzt eine ganz kurze Blog-Pause ein.

Ich bin aber zuversichtlich, dass ich spätestens zum Öffnen meines Türchens am Blogger-Adventskalender von Landkind und Chaosmacherin am 17.12. wieder da sein werde. 

Genießt die schöne Vorweihnachtszeit mit Glühwein und leckeren Plätzchen!

I'll be back!

Liebe Grüße

Eure Rosa
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Foto: www.shutterstock.com

22. November 2015

Die Poesie des Alltäglichen

Jean-Paul Didierlaurent: 
Die Sehnsucht des Vorlesers

Es gibt Bücher, die von der ersten bis zur letzten Seite einfach wunderbar sind. Dieses Romandebüt von Jean-Paul Didierlaurent gehört dazu. Es ist eines der wenigen Werke, auf das ich in der Buchhandlung durch sein Cover und sein besonderes Inlet aufmerksam geworden bin. Schon nach den ersten Sätzen wußte ich, dass dieser Roman etwas ganz Besonderes ist. Und dieser erste Eindruck ist nach Lektüre nicht nur geblieben, sondern hat sich noch verstärkt: Die Sehnsucht des Vorlesers ist ein zauberhaftes Buch voller Poesie, in dessen Fokus zwei einzigartige Außenseiter stehen, deren Leben durch Zufall miteinander verknüpft wird. Didierlaurent entführt uns in die auf den ersten Blick trostlos scheinende alltägliche Welt dieser Individualisten, nur um uns dann an der ganz besonderen Magie ihres jeweiligen Mikrokosmos teilhaben zu lassen. Dies gelingt ihm meisterhaft mit dieser außergewöhnlichen Geschichte, deren unaufgeregter Verlauf von der Poesie des Alltäglichen erzählt, die den Menschen in ihrer oftmals monotonen Arbeitswelt Halt und Sinn gibt.

Ein liebenswerter Bücherretter

Guylain Vignolles, 36, ist nicht wie alle anderen. Das liegt jedoch nicht nur an seinem merkwürdigen Namen, für den er sich schämt und der ihn schon in der Schule zum Gespött seiner Mitschüler machte. Sein eintöniges, einsames Leben, das er mit seinem Goldfisch namens Rouget de Lisle teilt, wird einzig und allein von seiner Liebe zu Büchern bestimmt. Und genau aus diesem Grund hasst er seinen Beruf: Er arbeitet als Maschinenführer in einer Papierverwertungsfabrik, in der täglich tonnenweise Bücher vernichtet werden - ein persönlicher Affront für den Literaturfreund, der sogar soweit geht und die Schreddermaschine als Bestie personalisiert. Weil er sich damit nicht abfinden will und kann, rettet er nach der allabendlichen Säuberung der Maschine stets einige noch intakte Seiten, die er zum Trocknen fein säuberlich zwischen Löschpapier legt. Diese Seiten, die aus den unterschiedlichsten Büchern stammen, liest er seinen Mitpendlern auf dem Weg zur Arbeit jeden Morgen im Regionalzug um 6.27 h laut vor. Von seiner Umwelt wird Guylain daher zwar als komischer Kauz wahrgenommen, aber man kommt nicht umhin, ihn irgendwie zu mögen, da er die zusammenhanglosen Auszüge aus Krimis, Kochbüchern etc. mit solcher Intensität vorliest, dass es auf eine gewisse Weise unterhaltsam ist.

Zwei ungewöhnliche Freunde

Auch Guylains Freundeskreis ist überschaubar, denn nur zwei Menschen genießen sein vollstes Vertrauen: Zum einen ist dies Yvon Grimbert, Guylains Kollege, der als Wachmann in der Fabrik arbeitet und ein leidenschaftlicher Fan klassischer Verskunst ist. Den lieben langen Tag liest er bevorzugt die klassischen Tragödien französischer Dichter, die er alle auswendig rezitieren kann. So spricht er dann auch oftmals in Reimen und hat damit auch schon einen LKW-Fahrer nachhaltig verstört, den Grimbert vor der Sicherheitsschranke erst einmal in Versform über die Bedeutung von Pünktlichkeit belehrte. Ein weiterer enger Freund ist der ältere Guiseppe Carminetti, ein ehemaliger Kollege, der bei einem tragischen Unfall durch die Bestie beide Beine verlor. Für ihn ist Guylain wie ein Sohn, den er oft mit italienischen Köstlichkeiten bekocht.

Ein USB-Stick mit einem ungewöhnlichen Tagebuch

Eines Tages findet Guylain beim Hochklappen seines Zugsitzes einen USB-Stick. Als er ihn abends an seinen Laptop anschließt, eröffnet sich ihm eine neue Welt: Die 28-jährige Julie, Toilettenfrau in einem Pariser Einkaufszentrum, die genau wie er gerne Dinge zählt und ebenfalls eine Außenseiterin zu sein scheint, beschreibt in ihrem ungewöhnlichen Tagebuch nicht nur ihren Alltag, sondern auch ihre ganz spezielle Welt- und Menschensicht. Guylain hat das Gefühl, sie schon ewig zu kennen, und seine monotone Alltagsroutine erscheint ihm auf einmal nicht mehr grau in grau. Er möchte sie unbedingt finden, doch weiß nicht, wie er es anstellen soll. Im Regionalzug liest er fortan Julies Eintragungen vor, und sein Publikum der Mitreisenden ist begeistert. Als er sich endlich seinem Freund Guiseppe anvertraut, weiß dieser Rat und tüftelt einen ganz besonderen Plan aus, der Guylains Leben grundlegend verändern wird und ihn - wenn auch mit kleinen Hindernissen - letztendlich zu Julie führt...

Ein Buchjuwel mit viel Charme, Poesie und Humor

Dieser Roman versprüht viel Charme und zeichnet sich durch einen ganz besonders feinen Humor aus. Bei meiner Lektüre im Zug war ich mehr als einmal versucht, einige Seiten laut vorzulesen, weil Didierlaurent einfach einen so wunderbaren Schreibstil hat. Die Poesie, die sich für ihn im Alltäglichen findet, führt er uns auf so unaufdringliche, magische Weise vor Augen, dass wir die Welt - wenn auch nur für eine kleine Weile - aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Und allein für diese Erfahrung hat es sich schon gelohnt, diesen Roman, den ich euch wärmstens empfehlen möchte, zu lesen. 

Jean-Paul Didierlaurent: Telekommunikations-Kundenbetreuer und Schriftsteller

Jean-Paul Didierlaurent wurde 1962 in La Bresse im Elsaß geboren und arbeitet im Kundenzentrum eines Telekommunikationsunternehmens. 

Zunächst schrieb der bodenständige Literaturliebhaber, der auch ein Stephen King Fan ist, diverse Kurzgeschichten. Eine dieser Erzählungen mit dem Titel Brume wurde 2010 mit dem renommierten Literaturpreis Prix Hemingway ausgezeichnet. Zwei Jahre später erhielt er für seine Kurzgeschichte Mosquito ein weiteres Mal den Prix Hemingway.  

Der Verlag Éditions Au Diable Vauvert, der Didierlaurent bereits seit 2010 unter Vertrag hat, veröffentlichte dann auch im letzten Jahr seinen ersten, hier vorgestellten  Roman, Die Sehnsucht des Vorlesers, der ein sensationeller Erfolg wurde. In weniger als vier Monaten wurden mehr als 60.000 Exemplare in Frankreich verkauft. In kürzester Zeit erstanden 26 internationale Verlagshäuser die Rechte an seinem einzigartigen Erstlingswerk. Laut dtv hat sich bereits einer der größten französischen Kinoproduzenten die Filmrechte gesichert.

Didierlaurent arbeitet derzeit an seinem zweiten Roman. Ich bin schon sehr gespannt.

Einen sehr informativen Artikel von Élise Descamps über den Autor findet ihr hier: http://www.la-croix.com/Culture/Livres-Idees/Livres/Jean-Paul-Didierlaurent-la-nouvelle-vie-d-un-employe-2014-08-26-1196822.
Quelle: La Croix, 26.08.2014.


Originalausgabe: Didierlaurent, Jean-Paul. Le Liseur du 6 h 27. Vauvert: Éditions Au Diable Vauvert, 2014.
Deutsche Ausgabe: Didierlaurent, Jean-Paul. Die Sehnsucht des Vorlesers. Aus dem Französischen von Sonja Finck. München: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, 2015.
Buchcover: www.dtv.de

15. November 2015

Kalte Rache

Harriet Lane: 
Denn nichts bleibt vergessen 

Seit Gillian Flynns Gone Girl und Paula Hawkins' Girl on the Train habe ich ein Faible für Domestic Noir, ein neues Subgenre der Kriminalliteratur. Der Thrill liegt darin, dass sich etwas Ungutes und schließlich abgrundtief Böses in die angebliche Normalität der häuslichen Sphäre schleicht. Besonderen Anklang finden die Ehe- bzw. Beziehungsthriller, bei denen der weibliche Aspekt in Gestalt der Protagonistin in den Vordergrund gerückt wird. Unauffällige Psychopathinnen oder allzu perfekte Haus- oder Karrierefrauen, hinter deren äußerlich heiler heimischer Welt ein Abgrund lauert, bescheren den Lesern schlaflose Nächte. Dies liegt meines Erachtens vor allem an der augenscheinlichen Normalität des Settings, der Figuren und der Handlung, die uns zunächst nichts Ungewöhnliches vermuten lässt. Doch schnell erkennen wir als Leser, dass wir der erzählenden Figur nicht trauen können: Wir entlarven sie als verwirrte Trinkerin wie in Girl on the Train oder als psychisch instabile und krankhafte Perfektionistin wie in Die stille Frau von A. S. A. Harrison. Und es ist genau dieses unsichere, dunkle Terrain, auf das wir uns bei der Lektüre begeben und das so erschreckend und bedrohlich ist. Andererseits macht es aber auch den Reiz dieses speziellen Genres aus.

Ein weiteres Highlight des Domestic Noir

Harriet Lanes Denn nichts bleibt vergessen ist ein außergewöhnliches Highlight des Domestic Noir. Der Roman wird abwechselnd aus Sicht der beiden Hauptfiguren Nina Bremner und Emma Nash erzählt. Sie sind beide Anfang 40 und leben im Norden Londons. Doch das ist auch das Einzige, was sie gemeinsam haben. Nina ist eine erfolgreiche, sehr vermögende Malerin, die mit ihrem zweiten Mann Charles, einem Architekten, und ihrer fast erwachsenen Tochter aus erster Ehe, Sophie, in einem wunderschönen Haus lebt. Sie ist wort- und weltgewandt, stets nach dem neuesten Trend gekleidet und macht bei jedem Anlass eine gute Figur. Emmas Leben hingegen verläuft nicht in wohlgeordneten Bahnen. Sie ist mit Ben, einem mittelmäßigen TV-Mann, verheiratet und hat ihre vielversprechende Karriere beim Fernsehen für ihre Kinder Christopher und Cecily aufgegeben. Bei Emma und Ben ist das Geld ständig knapp, und ihr Haus ist dringend reparaturbedürftig. Als Hausfrau und Mutter fühlt sich Emma fremdbestimmt und wie eine Gefangene. Ihre Kinder haben in ihrem Leben absolute Priorität, ihre Bedürfnisse stellt sie hinten an. Ihre Unzufriedenheit belastet ihre ansonsten glückliche Ehe mit Ben, der alles versucht, um seine Karriere voranzutreiben und seiner Familie ein besseres Leben zu ermöglichen.

Eine schicksalhafte Begegnung

Doch dann kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung der beiden Frauen. Nina hatte Emma zufällig bei ihren Einkäufen entdeckt und sie sofort wiedererkannt. Kurzzeitig hatte sie ihre gewohnte Contenance verloren und war aus dem Takt geraten, denn unschöne Erinnerungen, die wir als Leser noch nicht einordnen können, stiegen in ihr hoch. Nina erfüllt es nunmehr mit Genugtuung zu sehen, dass die einst so attraktive Emma nur noch ein Schatten ihrer selbst ist: Völlig überfordert und abgekämpft ist nicht mehr viel von der Frau übrig, die Nina einst kannte. Aber es reicht Nina nicht, Emma ausgelaugt und am Boden zu sehen, und so schmiedet sie einen Racheplan, der perfider nicht sein könnte: Sie zieht Emma, die vollauf mit ihren Kindern beschäftigt ist, beim Einkaufen das Portemonnaie aus der Tasche, nur um es ihr später dann als ehrliche Finderin zurückbringen zu können und Kontakt zu ihr zu erhalten. Emma erkennt Nina nicht und freut sich über die Aufmerksamkeit der Unbekannten, die so freundlich und hilfsbereit ist, denn in ihrer jetzigen Situation sehnt sie sich nach einer Freundin, mit der sie mal einen Kaffee trinken und sich aussprechen kann. Emma erkennt zwar, dass sie überhaupt nicht in die Welt der reichen, perfekten Nina passt und schämt sich auch ständig für ihr Aussehen und das Chaos in ihrem Leben.

Eine unentbehrliche Freundin?

Aber Nina scheint immer genau dann zur Stelle zu sein, wenn Emma Hilfe benötigt - so auch als Emmas kleiner Sohn Christopher plötzlich spurlos verschwindet. Emma ist mit den Nerven völlig am Ende und macht sich schwere Vorwürfe. Doch dann ist plötzlich ganz schnell wieder alles gut: Nina hatte die Polizei benachrichtigt und berichtet, der Kleine hätte vor ihrer Tür gegessen und mit ihrer Katze gespielt. Emma fällt ein Stein vom Herzen, als sie Christopher gesund und munter wieder in ihre Arme schließen kann und ist Nina unendlich dankbar. Was sie nicht weiß, ist, dass Nina Christopher, der auf seinem geliebten roten Roller unterwegs war und sich kurzzeitig ein kleines Stück von seiner Mutter entfernte, in einem von Emma unachtsamen Moment einfach mit zu sich nach Hause genommen hatte.

Während Emma nicht glücklicher sein könnte, eine so fürsorgliche und unentbehrliche Freundin gefunden zu haben, denkt sich Nina immer neue Boshaftigkeiten aus, um Emma zu schaden. Ben kommen erste Zweifel, doch Emma will die Bedenken ihres Mannes nicht hören. Als jedoch auch bei ihr endlich Erinnerungsfragmente aus der Vergangenheit hochkommen, ist es bereits zu spät, denn Nina hat sich vorgenommen, Emmas Leben vollständig zu zerstören...

Nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel

Nach dem ersten Kapitel dieses ungewöhnlichen Thrillers hatte ich auf jeder Seite ein ungutes Gefühl und konnte den Roman aufgrund der ständig präsenten unterschwelligen Spannung kaum aus der Hand legen. Ninas unaufgeregter, teuflischer Racheplan und Emmas Unbedarftheit stehen in einem ständigen Wechselspiel, das den Leser in Atem hält. Jedes Mal, wenn man denkt, dass sich das Blatt wendet oder Nina sich eines Besseren besinnt, offenbart sich ein weiterer bösartiger Schachzug bis schließlich im furiosen Finale alles eskaliert. Und so schleichend, wie sich die Handlung des Romans aufbaut, so völlig abrupt endet er - ohne Vorwarnung und ohne Ausweg. Der Leser bleibt mit einer grauenhaften Ahnung zurück, die sich nicht mehr verifizieren lässt. Alles in allem ist dieser Roman ein absolutes Leseerlebnis und sehr empfehlenswert.

Harriet Lane: Erfolgreiche Schriftstellerin trotz Handicap

Die englische Schriftstellerin Harriet Lane gibt nicht viel Privates von sich preis. Sie hat als Redakteurin für die renommierte Zeitung The Observer und die bekannte Zeitschrift Tatler gearbeitet und war darüber hinaus auch als freie Autorin für die Vogue, The Guardian und The Telegraph tätig.

Nachdem sie bereits vor einigen Jahren auf einem Auge erblindete, verliert sie nach und nach auch noch die Sehkraft auf ihrem zweiten Auge - ein herber Schicksalsschlag für die talentierte Autorin. Doch sie gibt nicht auf und will auch weiterhin Thriller schreiben. Einen großartigen Artikel der Autorin mit dem Titel On Her Blindness über ihre ganz spezielle Situation findet ihr in The Telegraph vom 19. Februar 2012: http://www.telegraph.co.uk/culture/9084505/On-her-blindness-by-Harriet-Lane.html.

Ihr erster Roman, das Psychodrama Alys, Always erschien 2012 und war ein großer Erfolg. Er wurde aber leider nicht ins Deutsche übersetzt. Ihr zweites Buch, Her, das hier vorgestellte Denn nichts bleibt vergessen, hat die Kritiker ebenfalls überzeugt und ist auf dem besten Wege, ein internationaler Bestseller zu werden.

Harriet Lane lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in London. Weitere Informationen über die Werke und Artikel der Autorin findet ihr auf ihrer Website www.harrietlane.co.uk.

Originalausgabe: Lane, Harriet. Her. London: Weidenfeld & Nicolson/Orion Publishing Group, 2014.
Deutsche Ausgabe: Lane, Harriet. Denn nichts bleibt vergessen. Aus dem Englischen von Peter Knecht. Berlin: Insel Verlag/Suhrkamp Verlag GmbH, 2015.
Buchcover: www.suhrkamp.de

8. November 2015

Filmtipp: "King Arthur"
Auf den Spuren des legendären Königs

© Disney
Schon als Kind habe ich Ritterfilme geliebt. Das lag vor allem an unseren beiden Nachbarjungs, mit denen ich aufgewachsen bin und die den Namen jedes einzelnen Ritters der Tafelrunde auswendig kannten. Nach und nach ließen sie mich als Barbie-begeistertes Mädchen auch an ihrem Wissen teilhaben, und schließlich standen mir König Artus und Lancelot näher als meine Jugendhelden/innen Hanni und Nanni und Fünf Freunde

Zahlreiche Filmklassiker

Von den zahlreichen Verfilmungen der Abenteuer des sagenumwobenen Königs Artus und seinen Rittern konnte und kann ich bis heute nicht genug bekommen. Den Anfang machten alte Filmklassiker wie Die Ritter der Tafelrunde mit Robert Taylor, Ivanhoe ebenfalls mit Robert Taylor und die TV-Serie König Arthur mit Oliver Tobias. Zu den Klassikern der heutigen Zeit zählen für mich Der erste Ritter mit Richard Gere, Camelot mit Joseph Fiennes oder auch Die Nebel von Avalon mit Angelica Huston.

King Arthur: Grandiose Neuinterpretation von Antoine Fuqua

Kürzlich bin ich auf eine tolle Verfilmung gestoßen, die mich absolut in ihren Bann gezogen hat: King Arthur von Regisseur Antoine Fuqua mit einem internationalen Staraufgebot - Clive Owen, Keira Knightley, Ioan Gruffudd, Stephen Dellane, Stellan Skarsgard, Mads Mikkelsen, Til Schweiger u.v.m. Obwohl sich diese Verfilmung maßgeblich von den Klassikern unterscheidet, war ich begeistert. Fuqua hat mit seiner neuen Version einen rasanten Action-Film geschaffen, der aber auch leise Momente beinhaltet. Der Regisseur bricht, was recht untypisch für einen Ritterfilm ist, mit den gängigen Rollenklischees der damaligen Zeit. Natürlich sind auch seine Ritter der Tafelrunde - allen voran ihr Anführer König Artus - edel und mutig, aber in erster Linie sind sie harte Kämpfer ohne Rücksicht auf Verluste. Die zentrale Frauenfigur Guinevere ist in Fuquas Fassung kein hilfloses Wesen mehr, das Schutz benötigt. Sie kann auf sich selbst aufpassen und unterstützt die Ritter tatkräftig im Kampf gegen eine Heerschar von Feinden. Zu Beginn hat mich dieses Novum etwas irritiert, weil ich gerade die althergebrachte romantische Komponente an den traditionellen Filmen sehr mag. Aber Fuquas Version ist so gut gemacht und fesselnd, dass dieser Aspekt völlig in den Hintergrund rückt.

© Disney
Die Handlung beginnt im Jahre 452 nach Christus, als römische Soldaten den kleinen sarmatischen Jungen Lancelot aus seinem behüteten Zuhause in der russischen Steppe reißen und ihn zum 15-jährigen Truppendienst abholen, zu dem sein Volk nach dem Sieg der Römer gezwungen ist. Er wird ausgebildet, um die römische Provinz Britannica am Hadrianswall vor Feinden - insbesondere den Kelten - zu schützen. Artorius Castus/Arthur (Clive Owen) wird sein Befehlshaber. Als Sohn eines Römers und einer Britin ist er ganz anders als die übrigen Befehlshaber, denn seine unbedingte Freiheitsliebe und sein ausgesprochener Gerechtigkeitssinn heben ihn wohltuend von den anderen ab.

© Disney - Clive Owen als King Arthur



Als der Pflicht-Truppendienst sich nach 15 Jahren endlich dem Ende neigt, erwarten die sechs sarmatischen Ritter - Lancelot (Ioan Gruffudd), Galahad (Hugh Dancy), Gawain (Joel Edgerton), Tristan (Mads Mikkelsen), Bors (Ray Winstone) und Dagonet (Ray Stevenson) - gemeinsam mit ihrem Kommandanten Arthur ungeduldig den Freibrief, der sie zur Rückkehr in ihre Heimat autorisiert. Doch ihre Pläne werden jäh zunichte gemacht, als ihnen der römische Bischof Germanius mitteilt, dass sie die Freibriefe erst erhalten, wenn sie noch eine letzte Mission erfüllen. Sie sollen das Patenkind des Papstes, Alecto, aus dem Feindesland in Sicherheit bzw. zum Hadrianswall bringen. Arthur und seine Ritter sind außer sich: Die Mission ist lebensgefährlich und kann nur den sicheren Tod für alle bedeuten. Doch ihnen bleibt keine andere Wahl, als auf die Bedingungen des Bischofs einzugehen, wenn sie ihre Heimat wiedersehen wollen. Und so kämpft sich die auserlesene Truppe durch ein wild mordendes Sachsenheer unter König Cerdic (Stellan Skarsgard) und seinem irren Sohn Cynric (Til Schweiger) und eine wachsende Anzahl britannischer Rebellen. Es gelingt ihnen, einige Sklaven und die Keltin Guinevere zu befreien, in die sich King Arthur und Lancelot gleichermaßen verlieben.

© Disney - Keira Knightley als Guinevere



Guinevere ist eine unerschrockene Kämpfernatur und ein Ausnahmetalent mit Pfeil und Bogen. Gemeinsam mit ihren männlichen Mitstreitern zieht sie schließlich auch in den Kampf. Doch keiner von ihnen ist auf die grausame Schlacht vorbereitet, die sie erwartet. Am Ende müssen sie sich einem unbarmherzigen Kampf mit übermächtigen Gegnern stellen, bei dem sie nur verlieren können. Aber ihre Feinde begehen den wohl schwersten aller Fehler: Sie unterschätzen die verhältnismäßig kleine Truppe und ihre Bereitschaft, für die Freiheit alles zu opfern, was ihnen lieb ist - sogar ihr Leben...

© Disney - Ray Stevenson als Dagonet



Dieser Film ist ein grandioses Action-Spektakel, das den Mythos um König Artus und seine Ritter neu zu ergründen versucht. Er ist bildgewaltig und wird getragen von der exzellenten Schauspielkunst seiner Protagonisten. König Artus ist mit dem Briten Clive Owen hervorragend besetzt, aber es gibt einen Schauspieler, der ihn meines Erachtens an die Wand spielt. Es handelt sich hierbei um den Waliser Ioan Gruffudd, der Lancelot herausragend darstellt und der Figur völlig neue Facetten abgewinnt, die mich sehr angesprochen haben. Ihr kennt den Schauspieler vielleicht als Hauptdarsteller der gerade in Deutschland gelaufenen Serie Forever, in der er den unsterblichen Pathologen Dr. Henry Morgan verkörpert. Allein wegen seiner großartigen Darstellung lohnt sich der Film schon. Mads Mikkelsen, ebenfalls einer meiner Lieblingsschauspieler, hat als Tristan zwar leider nur eine kleine Rolle, füllt diese aber trotzdem bemerkenswert aus. Das Gleiche gilt für Ray Stevenson als Dagonet.

Alles in allem ist diese Neufassung von King Arthur eine gelungene Mischung aus Action- und Historienfilm und daher meines Erachtens absolut empfehlenswert.

King Arthur
Regie: Antoine Fuqua
Erscheinungsjahr: 2004
Produktion: Jerry Bruckheimer
Produktionsland: UK, Irland, USA
Studio: The Walt Disney Company
Quellen und weitere Informationen:
https://de.wikipedia.org/wiki/King_Arthur_%28Film%29
http://www.arthuriana.de/alt/ (Artus-Sage) 

Mein herzlicher Dank gilt The Walt Disney Company Germany, Switzerland and Austria, München, www.disney.com, die mir alle oben aufgeführten Fotos inkl. DVD-Cover zur Verfügung gestellt hat.